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Overdrive

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An „OVERDRIVE“ fällt zunächst mal das originelle Konzept auf. Wann hatten wir denn zum letzten Mal ...
 
... einen Film mit schnellen Autos, hübschen jungen Frauen und 2 gutaussehenden Helden die sich gegen böse Gangster wehren müssen? Genau. Aber ein originelles Konzept alleine reicht noch lange nicht. Die einzelnen Teile müssen ein funktionierendes Ganzes ergeben und die Umsetzung muss passen.
 
Die Handlung
 
Die beiden Brüder Andrew und Garrett Foster, gespielt von Scott Eastwood und Freddie Thorp leben vom Diebstahl teurer Autos. In Südfrankreich bekommen sie den Auftrag einen Bugatti Type 57 zu stehlen. Zuvor erklärt man uns noch, es gäbe von diesem Fahrzeug nur 2 Exemplare auf der Welt.
 
In einer der witzigsten Szenen des Films erklärt ihnen ihr Auftraggeber nach dem Diebstahl, sie hätten das Auto „dem falschen Kerl geklaut“. Also bei gerade eben 2 Exemplaren weltweit hätte der gute Mann ja wohl vorher mal erwähnen können, welches der beiden Autos tabu ist.
 
Eine Schlägerei und jede Menge Drohungen später haben die beiden Autodiebe einem sehr bösen Gangster versprochen, einem noch böseren Gangster seinen seltenen Ferrari 250 GTO zu stehlen.
 
Brauchen die beiden Autodiebe dazu eine Crew? Aber sicher. Wird man bei einem Mitglied dieser Crew von Anfang an ein schlechtes Gefühl haben? Darauf kann man wetten. Wird im weiteren Verlauf der Handlung jemand ein doppeltes Spiel spielen? Na, aber hallo. Wird die Freundin des Helden als Geisel genommen werden, um ihn zur Mitarbeit zu zwingen? Logisch. Wird der große Coup anders ablaufen als geplant? Na, wir wollen mal nicht zu viel verraten.
 
 
Die Action
 
Zu Beginn sehen wir, wie die Helden den antiken Bugatti aus einem LKW stehlen. Dabei schrotten sie einen nagelneuen BMW M3 (mehr dazu später) und gehen zum ersten Mal fast drauf. Diese Sequenz ist gut gemacht. Man freut sich, endlich mal wieder Autostunts zu sehen, die nicht computergeneriert sind.
 
Die zweite Actionsequenz kommt erst gute 20 Minuten später. 2 nagelneue BMWs müssen kreuz und quer über einen fast leeren Flugplatz rasen, um den Start eines Flugzeugs zu verhindern. Dabei gehen 2 Streifenwagen und das Dach eines der beiden nagelneuen BMW-Cabrios zu Bruch. Sehr spannend ist das alles leider nicht.
 
Auf die dritte Verfolgungsjagd warten wir nochmal eine Weile. Diesmal werden die Helden zu Fuß durch den Hafen von Marseille gejagt. Am Anfang fährt wohl einer der Killer noch kurz mit dem Motorrad hinterher. Aber 3 von 4 Akteuren sind zu Fuß unterwegs. Nun haben wir gerade in den letzten Jahren teilweise fantastische Verfolgungsjagden zu Fuß gesehen. „Casino Royale“ fällt einem ein oder die Filme der „Jason Bourne“-Reihe. Die Lauferei hier hat nicht das gleiche Niveau.
 
Kurz vor Schluss kommt der große Coup. Einem der beiden Bösewichter wird seine gesamte Autosammlung gestohlen. Von den 8 oder 9 exotischen Fahrzeugen beteiligen sich bloß 2 an der anschließenden Verfolgungsjagd über enge Bergstraßen. Eine großartige Verfolgungsjagd entlang enger Straßen in Südfrankreich hat John Frankenheimer vor 20 Jahren in „Ronin“ inszeniert. Man fragt sich, warum die Macher von „OVERDRIVE“ vor der Produktion nicht mal einen schönen Filmabend veranstaltet haben.
 
Die Darsteller
 
Scott Eastwood spielt den großen Bruder, Andrew. Ihn kennt man aus „Gran Torino“ und „Kein Ort ohne Dich“. Und ja, er sieht tatsächlich aus wie eine junge Version seines Vaters. Aber Aussehen und Ausstrahlung sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
 
Freddie Thorp spielt den jüngeren Bruder. Er und Scott Eastwood wirken als Brüderpaar auf jeden Fall sehr viel glaubhafter als Nicolas Cage und Giovanni Ribisi. Mehr gibt es über ihn nicht zu sagen. Ana de Armas spielt die nervige, kleine Schwester von Miley Cyrus. Möglicherweise irre ich mich hier und sie spielt tatsächlich die Verlobte von Scott Eastwood, die ebenfalls eine Autodiebin sein soll. Jedenfalls agiert sie während des ganzen Films wie die nervige, kleine Schwester von Miley Cyrus.
 
Damit der jüngere Bruder nicht alleine bleiben muss, hat man Gaia Weiss den Part der Meisterdiebin gegeben. Es hat einen guten Grund warum hier steht „man hat ihr den Part der Meisterdiebin gegeben“ und nicht „ sie spielt eine Meisterdiebin“.
 
Das Budget
 
Ich habe nicht mitgezählt, wie viele Produktionsfirmen „OVERDRIVE“ koproduziert haben. Die Helden fahren in fast jeder Szene einen nagelneuen BMW (deshalb sehen wir den jungen Herrn Eastwood zurzeit so oft im Werbefernsehen). Der Film hat sogar von einem belgischen Steuersparprogramm profitiert das im Abspann genannt wird. Trotzdem sieht man deutlich, es war irgendwie einfach nicht genug Geld da.
 
Wenn eine von gerade mal vier Verfolgungsjagden in einem Film über Autos tatsächlich zu Fuß stattfindet, darf man sich wundern. Wenn während der großen Actionsequenz am Ende des Films die Fahrzeuge ganz offensichtlich geschont werden, macht das den Film nicht spannender. Besonders auffällig wird die Sparpolitik, als die Filmfirma für eine Szene wohl keinen Porsche Carrera opfern wollte. Man kann so ein brennendes Wrack am Computer generieren lassen. Man sollte das dann aber gut machen lassen.
 
 
Fazit
 
Der Titel ist hier wirklich Programm. Der Begriff „overdrive“ beschreibt in der Fahrzeugtechnik eine Art Schongang im Getriebe. Damit kommt das Auto bei geringerer Drehzahl gerade noch irgendwie ans Ziel (wer mal einen alten Volvo oder Opel mit „overdrive“ gefahren hat, wird sich erinnern).
 
Sparsamkeit beim Verbrauch ist natürlich sehr wünschenswert. Spannend oder gar aufregend wird die Fahrt dadurch aber sicher nicht. Wer Action will, muss eben Gas geben.
 
 
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  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Antonio Negret
  • Drehbuch: Michael Brandt
  • Stars: Scott Eastwood, Freddie Thorp
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