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Dunkirk

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Christopher Nolans Film ist ein interessantes Biest. Ein Kriegsfilm, wie es ihn ...
 
... so vielleicht noch nie gegeben hat. Kühl, fast schon gefühlslos, aber in seiner Erzählweise authentisch – und das mit Bildern, die für IMAX geschaffen wurden, aber auch in einem normalen Kino mehr als beeindrucken.
 
Schicksal in Dünkirchen
 
Die britischen und französischen Truppen sitzen in Dünkirchen in der Falle. Der Feind rückt aus allen Richtungen vor, so dass eine Evakuierung über den Kanal vonnöten ist. Doch diese benötigt Zeit, da die großen Schiffe nur an einer Mole anlegen können – und Angriffe aus der Luft drohen, den Zugang endgültig zu versperren.
 
Während zwei junge Soldaten versuchen, sich auf ein Schiff zu schmuggeln und vom Regen in die Traufe kommen, werden in England zivile, kleine Schiffe mobilisiert, die helfen sollen, die Truppen nach Hause zu holen. Auch hier gibt es Schwierigkeiten, wie ein Captain erfahren muss, als er einen Schiffbrüchigen aufnimmt.
 
Derweil ist ein britischer Pilot nahe Dünkirchen im Einsatz und versucht, den Beschuss der eigenen Schiffe durch feindliche Flieger zu verhindern.
 
Die britische Sicht
 
Nolan konzentriert die Geschichte ganz auf die britische Perspektive. Das geht soweit, dass er beim Text zu Beginn – im englischen Original natürlich – eine Ausdrucksweise wählt, die alt ist und für amerikanische Zuschauer falsch wirkt. Damit gibt er vor, wie sehr „Dunkirk“ aus einer britischen Sicht heraus erzählt wird. Darum tritt der Feind abseits von anonymen Flugzeugen auch nicht auf. Ebenso verzichtet Nolan auf die historische Einordnung, dass das Vorrücken der Panzer der Wehrmacht gestoppt wurde, weil zu diesem frühen Zeitpunkt des Krieges auf deutscher Seite noch der Glauben vorherrschte, man könnte mit den Briten einen Separatfrieden aushandeln. All das ist hier nicht von Belang. Stattdessen zeigt Nolan in eindringlichen Bildern die Schrecken des Kriegs.
 
„Dunkirk“ ist für Nolans Verhältnisse mit gut 100 Minuten Laufzeit sehr kurz. Aber er ist dadurch auch verdichtet, wobei der Autor und Regisseur drei Erzählstränge bedient, die auch einzeln betitelt sind. Er erzählt dabei ziemlich kühl. Fast schon unterkühlt. Pathos gibt es nicht. Es könnte einem Kriegsfilm guttun, man läuft aber auch Gefahr, ins Manipulative zu verfallen. Nolan wollte eben keinen Film wie Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“. Vielmehr wollte er mit einer Authentizität erzählen, die den Zuschauer fast schon aus dem Kinosessel fegt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass man als Zuschauer nur wenig Mitgefühl für die Protagonisten entwickelt.
 
 
Was für eine Musik
 
Die Figuren bleiben unterentwickelt, weil sie austauschbar sind. Chiffren, die für die Hundertausenden stehen, von denen Nolan nicht im Einzelnen erzählen kann. Tom Hardy schafft es, hinter der Fliegermaske zu spielen – und das nur durch den Ausdruck seiner Augen. Mark Rylance als Captain eines kleinen Boots liefert die andere große Leistung. Harry Styles von der Band One Direction ist gut, aber nicht überragend. Die größte Überraschung stellt wohl eher Tom Glynn-Carney als Sohn des Captains dar, der eine interessante Wandlung durchmacht und für den menschlichsten Moment des Films sorgt.
 
Der eigentliche Star des Films ist aber die Musik von Hans Zimmer. Für sich genommen ist dies sicherlich kein Score, den man gerne hören würde, aber mit seiner dringlichen, sirrenden Art sorgt er für ein konstantes Gefühl der Bedrängung. Er unterstreicht die Dramatik des Geschehens auf eine teils schon atonale, aber dafür umso intensivere Art und Weise. In Kombination mit den Bildern, die Nolans Kameramann Hoyte van Hoytema erschafft, wird so ein filmisches Ereignis geboren, das sich wohltuend von üblichen Kriegsfilmen abhebt.
 
 
Fazit
 
Christopher Nolan hat mit „Dunkirk“ erneut ein Meisterwerk abgeliefert, aber eines, das in einer gänzlich anderen Riege als seine bisherigen Filme spielt, weil er sich stärker darauf konzentriert, der historischen Tragweite der Geschichte gerecht zu werden und dafür die Figuren in den Hintergrund treten lässt.
 
Dafür wartet er mit einer interessanten Struktur auf, da er für die drei Teile der Geschichte – Pier, Meer und Himmel – tatsächlich auch einen festen Zeitkorridor schafft. „Dunkirk“ ist ein Film, der den Zuschauer mit in den Krieg nimmt und ihm auch dank der intensiven Musik ein Gefühl dafür gibt, wie allumfassend Angst sein kann.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Christopher Nolan
  • Drehbuch: Christopher Nolan
  • Stars: Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney
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