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Tulpenfieber

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Es war der erste Börsencrash der Weltgeschichte: Die Tulpenmanie, ...
 
... die die Holländer in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ergriff, als Tulpenzwiebeln zu Spekulationsobjekten wurden, deren Preis ist Unermessliche schoss. Bis zu dem Moment, da alles vorbei war und der Crash Existenzen quer durch alle Gesellschaftsschichten vernichtete. Das ist der Hintergrund von „Tulpenfieber“, einem Film, der bereits 2014 gedreht worden ist, aufgrund schlechter Testergebnisse aber immer weiter nach hinten geschoben wurde. Nun debütiert er und die Frage ist: Hat das Warten auf diesen Film gelohnt?
 
Drama mit und ohne Tulpen
 
Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) heiratet die aus dem Waisenhaus kommende Sophia (Alicia Vikander), von der er eigentlich nur eines will: einen Erben. Dafür hat der reiche Amsterdamer Kaufmann ein luxuriöses Leben zu bieten. Aber auch nach drei Jahren ist kein Erbe in Sicht, so dass der Mann ungeduldig wird.
 
Als er den Porträtmaler Jan van Loos (Dane DeHaan) anheuert, um von seiner Gemahlin und ihm ein Porträt für die Ewigkeit zu machen, bemerkt er nicht, dass sich Sophia in den Künstler verliebt. Und er sich in sie. Immer öfters treffen die beiden sich, müssen ihre Liebe aber geheim halten. Sophia sucht nach einem Ausweg, wie sie sich von Cornelis trennen und für immer mit Jan zusammen sein kann. Doch dafür muss ein wagemutiger Plan klappen – und das Tulpenfieber noch lange grassieren.
 
Eine Augenweide
 
Die Grundlage für den Film bildet Deborah Moggachs erfolgreicher Roman, der von Tom Stoppard in ein Drehbuch umgesetzt wurde. Die Geschichte ist dabei eigentlich recht einfach gestrickt. Im Grunde folgt man den üblichen Mustern eines Dramas, in dem es um die große Liebe geht, die aber einige Hindernisse überwinden muss. Das ist nur insofern prickelnd, da der Film zumindest den Mumm hat, ein Ende zu finden, das man so nicht erwartet hätte.
 
Einerseits, weil der doch recht komplex umzusetzende Plan von Sophia aus dem Ruder läuft, andererseits, weil die Figuren Entscheidungen treffen, die nicht immer ganz nachzuvollziehen sind. Das gilt für Sophia, aber auch für Cornelis. Dazu kommt, dass die Geschichte manchmal etwas sprunghaft ist. Etwa in dem Moment, in dem sich Sophia und Jan das erste Mal lieben. Das kommt etwas unvermittelt.
 
 
Immerhin kann „Tulpenfieber“ aber durch schöne Sets und Exterieurs punkten. Gedreht wurde in England, aber das merkt man inmitten all der exakt gestalteten Kostüme nicht wirklich. Wenn überhaupt, dann irritieren die britischen Akzente, sofern man den Film im Original sieht.
 
Der Crash
 
Wo die Geschichte um die Romanze – oder eigentlich derer zwei, da auch Sophias Bedienstete Maria in den Fokus rückt – eher simpel erscheint, ist der Hintergrund mit der Tulpenmanie deutlich interessanter. Weil die Geschichte dadurch sehr viel aktueller wird, kann man doch Bezüge zur heutigen Zeit ziehen und fast fassungslos mitansehen, dass sich in knapp 500 Jahren nicht viel verändert hat. Wenn die Gier den Verstand aussetzt, dann ist das für die Wirtschaft gefährlich.
 
Schön anzusehen ist „Tulpenfieber“ auf alle Fälle. Weil Alicia Vikander süß und zeigefreudig ist, aber auch, weil die Schauspieler in ihren Rollen durchaus aufgehen. Sogar Christoph Waltz gefällt mal, weil er eine vielschichtige Rolle hat, die nicht der Schurke, sondern das Opfer dieses Spiels ist, auch wenn Schattenseiten vorhanden sind.
 
 
Fazit
 
„Tulpenfieber“ ist sicherlich kein Film, der sich an ein jugendliches Publikum richten würde. Ein Kostümdrama dieser Couleur schielt auf älteres Publikum, das auch mit einer langsameren Erzählweise zufrieden ist bzw. ein Interesse für die geschichtlichen Hintergründe hat. Gerade darum dürfte es diese Romanverfilmung im Kino aber auch schwer haben, denn der bemerkenswerten Besetzung zum Trotz ist das Gebotene eben auch sehr einfach gestrickt und kann nur mit dem eher unkonventionellen Ende punkten, das aber auch nicht gänzlich sinnig ist.
 
Amüsant ist aber, dass Dane DeHaan und Cara Delevingne dabei sind, die dieses Jahr in „Valerian und die Stadt der tausend Planeten“ zu sehen sind. Eine gemeinsame Szene haben sie hier nur insofern, als dass beide in einem Raum zugegen sind, in dem Tulpenzwiebeln versteigert werden.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Justin Chadwick
  • Drehbuch: Tom Stoppard
  • Stars: Alicia Vikander, Christoph Waltz
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