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The Circle

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James Ponsoldts Film über eine junge Frau deren gesamtes Leben online stattfinden soll, ...
 
... ist ein bisschen wie die sozialen Netzwerke, vor denen der Film warnen möchte: es gibt Gutes, es gibt viel Belangloses und es gibt einiges das einfach nicht passt.
 
Buch oder Drehbuch?
 
Bei Literaturverfilmungen wird oft darüber gesprochen, was aus dem Roman übernommen wurde und was nicht und warum. Ein Film sollte immer aber für sich selbst bestehen können. Wenn eine Story an einer Stelle nicht funktioniert, kann es uns gleich sein, dass „alles im Roman viel besser erklärt wird“. Und an der Story von „The Circle“ funktioniert einiges gar nicht. Mae Holland (gespielt von Emma Watson) ist wunderschön, bezaubernd und intelligent. Sie hat trotzdem keine Beziehung, ihr Vater leidet an MS und ihr Job in einem callcenter ist furchtbar.
 
Als ihre beste Freundin Annie (Karen Gillan) ihr einen Job beim „Circle“ besorgt, ist sie begeistert. Im Film wird nie richtig erklärt, womit der „Circle“ eigentlich sein Geld verdient. Aber wir sollen das Unternehmen wohl für eine Mischung aus „google“, „facebook“ und „Apple“ halten. Das Drehbuch verlangt im Verlauf der Handlung noch öfter von uns die leeren Stellen der Handlung selbst zu füllen. So erfahren wir auch nie, warum Mae sich von ihrem Jugendfreund Mercer (Ellar Coltrane) entfremdet hat. Sie ruft ihn zwar wenn sie eine Autopanne hat, hat aber sonst keinen Kontakt zu ihm. Schwer nachvollziehbar ist auch, wie schnell die intelligente junge Frau ein fleißiges Rädchen im Getriebe ihres neuen Arbeitsgebers wird.
 
Eine Szene in der sie von zwei Kollegen dazu gedrängt wird, ihr Privatleben aufzugeben ist furchtbar geschrieben. In einer anderen Szene lässt die Betriebsärztin die Heldin einen Überwachungssensor verschlucken und klärt sie erst danach darüber auf. In den USA haben Mitarbeiter ihre Arbeitgeber schon aus geringerem Anlass auf Millionen verklagt. Die Sequenz in der Mae ein Kajak stiehlt, um damit nachts ohne Rettungsweste in der Bucht von San Francisco zu paddeln ist einfach nur lächerlich. Das sind aber alles nur Kleinigkeiten verglichen mit dem Ende des Films. Manche Filme haben ein Finale. „The Circle“ hat nicht einmal einen Schluss. Das Ende dieses Films kommt so abrupt, dass man sich fragen muss, ob die beiden Drehbuchautoren, Dave Eggers und James Ponsoldt, zu dem Zeitpunkt einfach die Lust verloren hatten.
 
Ein Film ist keine Facebook-Seite
 
Regisseur James Ponsoldt gestaltet den Film wie eine facebook-Seite. Er zeigt viele Bilder. Und wie bei den Bildern auf facebook sind nur wenige interessant. Nichts davon ist neu, nichts ist originell und einiges ist einfach schräg. Die bereits erwähnte Szene in der die Heldin von zwei Kollegen gedrängt wird, ihr Privatleben nur noch in und mit der Firma zu gestalten, kann schon im Drehbuch nicht richtig funktioniert haben. Hat James Ponsoldt sie deshalb im Still einer schlechten Sitcom inszeniert? Die beiden bemitleidenswerten Darsteller agieren wie schlechte Parodien von Sektenmitgliedern. Dass Emma Watson an der Stelle nicht laut loslacht, ist eine beachtliche Leistung.
 
 
Die Darsteller
 
Emma Watson hat u.a. in „Vielleicht lieber morgen“ und „The Bling Ring“ gezeigt, dass sie eine sehr gute Schauspielerin sein kann. Hier muss sie sowohl gegen das Drehbuch als auch gegen die Regie anspielen. Ihre Figur macht keine Entwicklung durch, sondern ändert von Szene zu Szene ihre Persönlichkeit. Daran wären größere Schauspielerinnen als sie gescheitert.
 
Tom Hanks spielt Eamon Bailey als eine Art Steve Jobs mit cooleren Pullis. Wir erfahren nie, warum seine Figur tut was sie tut. Tatsächlich erfahren wir nicht einmal wirklich, was seine Figur eigentlich genau tut. Wir sehen also einen zweifachen Oscarpreisträger, der praktisch nichts zu tun hat.
 
Patton Oswalt ist bei uns hauptsächlich als „Spence“ aus „King of Queens“ bekannt. In den beiden leider weitgehend unbekannten Filmen „Young Adult“ und „Big Fan“ hat er gezeigt, was er als dramatischer Schauspieler kann. Hier hat er noch weniger zu tun als Tom Hanks. Seine Figur trägt praktisch nichts zur Handlung bei.
 
Karen Gillian kennen die meisten als blaue, böse Schwester von Zoe Saldana aus „Guardians of the Galaxy“. Ihre Figur Annie ist zunächst eine der Strippenzieherinnen des „Circle“ um dann von einer Szene zur anderen plötzlich zu einer Ausgestoßenen zu verkommen, die aussieht und agiert als sollte sie nicht frei rumlaufen dürfen.
 
John Boyega kennen wir als „Finn“ aus „Star Wars – Das Erwachen der Macht“. Seine Figur ergibt so wenig Sinn, dass ich auf seine Darstellung gar keinen Gedanken verschwendet habe. Ich frage mich immer noch, wie die Figur von Emma Watson nicht wissen kann, wie er aussieht? Oder wie er bei Firmenveranstaltungen immer von allen unbehelligt im Hintergrund stehen kann? Oder warum Tom Hanks ihn überhaupt in der Firma behalten hat?
 
Die Talente von Ellar Coltrane (dem man in „Boyhood“ beim Erwachsenwerden zusehen konnte), Glenne Headly und Bill Paxton werden in dem Film verschwendet. Vor allem bei den beiden mittlerweile verstorbenen Darstellern Glenne Headly und Bill Paxton ist das einfach nur traurig.
 
 
Fazit
 
Selten sieht man einen Film, dessen Grundlage so vielversprechend war und dessen Ausführung dann so viel zu wünschen übrig lässt. Vor allem die Regie hat das Niveau einer mittelmäßigen Fernsehserie. Der Film lässt viele Fragen offen. Unter anderem die, was ein Regisseur vom Kaliber eines David Fincher oder Chris Nolan aus dem Material gemacht hätte.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: James Ponsoldt
  • Drehbuch: James Ponsoldt
  • Stars: Emma Watson, Tom Hanks
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