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The Book of Henry

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"The Book of Henry" ist ein höchst poetischer Film über das Leben eines hochbegabten ...
 
... Elfjährigen, dessen eigentliche Stärke in dem unbedingten Willen liegt, Gutes zu tun. Selbst der eigene Tod kann ihn nicht stoppen.
 
Von Kindern für Erwachsene
 
Man weiß ja bereits von Pixar, dass es möglich ist, lustige Kinderfilme zu erschaffen die auch Erwachsenen ein paar Tränen entlocken können. Hier wird nun eigentlich das Gegenteil versucht, ein trauriger Erwachsenenfilm, den Kinder bestimmt auch lustig finden können. Die Geschichte handelt von Henry, seinem kleinen Bruder Peter und deren alleinerziehenden Mutter Susan. Zusammen bewältigen sie die Tücken des Alltags, wobei Henry eindeutig den Familienvater spielt und von den Finanzen, über die Erziehung seines kleinen Bruders, bis hin zum psychologischen Beistand seiner Mutter alle Fäden in der Hand hält.
 
Besondere Fürsorge entwickelt Henry auch für das Nachbarmädchen und Schulkameradin Christina, die seltsam abwesend und gleichgültig scheint. Er identifiziert in ihrem übergriffigen Stiefvater Glenn bald den Schuldigen für diese Apathie und beginnt einen Plan zu Christinas Rettung zu schmieden. Als völlig unvermutet bei Henry ein Tumor im Hirn entdeckt wird, der nicht mehr operabel ist, bricht die kleine heile Welt zusammen und Henry ist gezwungen seine Mutter und seinen Bruder auf das Leben nach seinem Tod vorzubereiten. Auch sein letzter Wille ist minutiös formuliert und in einem roten Buch festgehalten.
 
Darin steht unter anderem der genaue Plan wie Glenn zu beseitigen ist. Er beauftragt seine Mutter posthum mit dessen Durchführung. Die ist aber zunächst heillos überfordert ohne die Hilfe des kleinen Genies und zudem wegen der eigenen Trauer emotional höchst instabil. Doch kann sie ihrem Sohn den letzten Willen verweigern? Und kann sie einfach wegschauen, wenn nebenan ein junges Mädchen sichtlich leidet? Voller Zweifel beginnt sie trotzdem die Tat zu planen. Und es zeigt sich wieder einmal wie erwachsen Kinder sein können und wie kindisch sich manche Erwachsene verhalten.
 
Die Welt aus der Froschperspektive
 
Es ist wirklich erfrischend wenn Filme für Erwachsene aus der Kinderperspektive erzählt werden. So bekommen bekannte Problemstellungen einen neuen Blickwinkel und es macht wieder Spaß sich damit auseinanderzusetzen. Der Film erinnert deswegen in seinem Aufbau an Extrem laut & unglaublich nah der die Terroranschläge von 9/11 aus kindlicher Sicht noch einmal neu aufrollt und damit dem ganzen Thema eine persönliche emotionale Note verliehen hat. Diesmal geht es vor allem auch um die Dekonstruktion bekannter stereotyper Familienmuster, indem man zum Beispiel einfach mal die Mutter Ballerspiele an der Playstation zocken lässt.
 
Natürlich hängt der Erfolg eines solchen Vorhabens sehr davon ab, passende Kinderdarsteller zu finden, die auch schauspielerisch mit ihren erwachsenen Pendants mithalten können. Doch Jaeden Lieberher hat bereits in St. Vincent eindrucksvoll bewiesen, dass er diese Aufgabe mit Bravour meistern kann. Sein kleiner Bruder auf der Leinwand wird ebenso souverän gespielt von Jacob Tremblay. Maddie Ziegler als das Mädchen von Nebenan macht mit einer traurigen Tanznummer den Reigen der jungen Talente komplett. Zu dritt stemmen sie eigentlich große Teile des Filmes alleine, nur Naomi Watts schafft es, sich daneben zu behaupten.
 
 
Die Regie von Colin Trevorrow, Kameraarbeit von John Schwartzman und das Produktionsdesign von Kalina Ivanov schaffen eine sehr bunte, manchmal sogar überzeichnete Welt, die sehr bewusst eine gewisse Kinderfilm-Optik zitiert. Zum Beispiel das Baumhaus, als Rückzugsort von Henry, oder auch das Klischee-Diner in dem seine Mutter arbeitet. Trotzdem bleibt die Tonalität der Charaktere authentisch und die emotionale Tiefe immer spürbar. Dieser Kontrast von einem ernsten Thema in einem lieblichen Gewand funktioniert als Erfolgsrezept also nicht nur bei Pixar im Animationsbereich sondern lässt sich auch auf den Realfilm übertragen.
 
Moderne Eltern als unmoralische Wegweiser
 
Es ist nicht ganz klar, ob die Ballerspiele der Mutter den elfjährigen Henry bewusst zu dessen Mordplänen animiert haben, oder ob die Filmemacher überhaupt soweit gedacht haben. Es ist jedoch ein weiterer Film der zur öffentlichen Debatte über die Generation X, deren fehlende moralische Leitkultur und grundsätzliche Überforderung im Alltag beiträgt. Manchmal sitzt man als Zuschauer dann doch fassungslos vor der Leinwand, sieht das Verhalten der Erwachsenen und schüttelt den Kopf. Obwohl Amerika vermutlich ein paar Längen voraus ist, was Vergnügungssucht und Unverantwortlichkeit bei Eltern betrifft, stimmen diese Filme nachdenklich.
 
Ist es eine beunruhigende Entwicklung, dass unsere Kinder immer früher gezwungen werden erwachsen zu handeln, während die Erwachsenen im Gegenzug degenerieren? Ist es nicht bedenklich wie heutzutage Kinder mit ihrem vollen Terminkalender und tadellosen Umgangsformen gezwungen werden sich nahtlos und störungsfrei in die Gesellschaft einzugliedern? Und dieselben Erwachsenen, die sich über schreiende Kinder und Ruhestörung am Spielplatz beschweren, üben dann am Wochenende in Diskotheken selbst die volle Eskalation. Zugegeben, diese Überlegung hat nun wirklich wenig mit dem Film zu tun, ist aber spannend.
 
 
Fazit
 
Ein traurig-poetischer Film mit überzeugenden Darstellern. Taschentücher bereithalten. Auch zu empfehlen für Pixar-Fans, die mal einen Film ohne animierte Tiere sehen wollen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Colin Trevorrow
  • Drehbuch: Gregg Hurwitz
  • Stars: Naomi Watts, Jaeden Lieberher
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