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Geostorm

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Dean Devlin hat einige von Roland Emmerichs bekanntesten Filmen produziert.
 
Mit seiner ersten Regiearbeit macht er seinen Meister sicher nicht stolz. Er macht ihn vor allem nach. Und das nicht besonders gut.
 
So weit so bekannt …
 
Üblicherweise beginnen Rezensionen mit einer Zusammenfassung der Handlung. Bitteschön: In der Zukunft wird das Wetter mit einem globalen Netzwerk von Satelliten gesteuert. Dieses Netzwerk beginnt eines Tages verrückt zu spielen und bedroht das Leben auf der Erde. Nur ein Mann kann helfen …. Tut mir leid, aber ich breche hier ab. Jeder der den Trailer gesehen hat, weiß worum es in „Geostorm“ geht. Sogar das Plakat verrät 70% der Handlung. Und auch wenn es hart klingt; mehr kommt nicht. Tut mir leid. Dieser Film ist komplett frei von Überraschungen. Jeder Kinogänger, der in seinem Leben mehr als eine Handvoll Filme gesehen hat, kann jede Wendung der Handlung exakt voraussagen.
 
Vertreiben wir uns die Zeit lieber mit einem lustigen kleinen Spiel, das ich „Film-Klischee-Bingo“ nennen möchte.
 
Wir haben also eine weltweite Krise und nur einen Mann, der das Problem lösen kann? Check.
 
Muss der Kerl erst überredet werden, die Aufgabe zu übernehmen? Check.
 
Gibt es ein altkluges Kind? Check
 
Hegt der Held einen Groll gegen seinen Vorgesetzten oder ein Familienmitglied? Check und check
 
Trägt der Held coole Klamotten, hat einen klassischen, amerikanischen Oldtimer und lebt er in einem Wohnwagen? Check, check und check
 
Ringt das Kind ihm das Versprechen ab, wieder zurückzukehren? Check und BINGO!
 
Das waren 9 Klischees und der Held hat noch nicht einmal die Erde verlassen. Wer möchte kann das Spiel während des gesamten Films weiterspielen. Hat der Böse Killer eine Narbe im Gesicht? Sind sowohl die Wissenschaftlerin als auch die Secret-Service-Agentin bildhübsch? Muss der Held ständig mit der Wissenschaftlerin diskutieren? Gibt es eine Verschwörung auf höchster Ebene? Schwarze Nebenfigur mit vorlautem Mundwerk? Benutzt der Held einen Code um mit seinem Bruder zu kommunizieren? Wird es einen Countdown geben? Und so weiter und so fort.
 
Das Drehbuch stammt von Regisseur Dean Devlin. Aber was für eine Geschichte hat er hier geschrieben? Und wann spielt sie? Mode, Autos, Gebäude und andere Hinweise lassen vermuten, der Film könnte ungefähr zwei Jahre in der Zukunft spielen. Aber die NASA hat dann ungefähr 30 oder 40 identische Shuttles, die alle ständig zur Raumstation und wieder zurück pendeln.
 
Unser Held wird sogar als einziger Passagier in einem ansonsten leeren Shuttle zur Raumstation geflogen. Dort landet er in einem luftdichten Hangar, der größer ist als der in dem der Imperator den zweiten Todesstern betreten hat. Die Raumstation verfügt über künstliche Schwerkraft. Bei Gesprächen mit der Erde sieht man den Gesprächspartner dort auf einem Hologramm von der Größe einer Kinoleinwand. An Ressourcen mangelt es der NASA in dieser Zukunft also nicht. Ach ja, auf der Raumstation sind mehrere Schusswaffen in Umlauf. Man wird also offensichtlich nicht groß kontrolliert, bevor man ins All fliegt. Wenn ich innerhalb Deutschlands fliege, muss ich meinen Gürtel ablegen weil es sonst piepst.
 
 
Katastrophale Katastrophen …
 
Genug über das Drehbuch. Wie fällt die Regie aus? Gerade aus Filmen von Roland Emmerich kennen wir Szenen katastrophaler Verwüstungen. In „Geostorm“ wird eine Stadt nach der anderen überflutet, schockgefroren, in die Luft gejagt oder anders zerstört. Alles ist so schlampig montiert, dass man die Orte schnell nicht mehr unterscheiden kann oder möchte. Die computergenerierten Bilder wären 1997 fantastisch gewesen. 2007 wären sie immer noch ganz gut gewesen. Leider haben wir 2017. Der Monolog des Kinds am Ende passt dann eher in einen Fernsehfilm von 1987.
 
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung …
 
Gerard Butler war vor mehr als 10 Jahren sehr effektiv als Leonidas in „300“. Seither hat er in keinem Film mitgewirkt, den man ein zweites Mal sehen müsste. In Action-Filmen wirkt er zu bemüht, cool zu sein. Und in romantischen Komödien wirkt er wenig sympathisch. In „Geostorm“ sieht man beides.
 
Jim Sturgess kennt man vielleicht aus „Cloud Atlas“ oder „Zwei an einem Tag“. Als Bruder und Vorgesetzter des Helden ist er verantwortlich für das Satellitennetzwerk. Nach 10 Minuten hat er zum ersten Mal feuchte Augen und spielt den Rest des Films am Rande eines Nervenzusammenbruchs.
 
Abbie Cornish hat unter anderem in „Sucker Punch“ gezeigt, was sie kann. Ihre Rolle gibt ihr praktisch nichts zu tun, außer hübsch zu sein.
 
Falls Alexandra Maria Laras Agent ihr erklärt haben sollte, dass „Geostorm“ ihr Sprungbrett für eine internationale Karriere sein würde, hat sie ihn in der Zwischenzeit hoffentlich auf den Mond geschossen.
 
Ed Harris kann jeden Film durch seine Mitwirkung aufwerten. Man müsste ihm dazu aber zunächst mal eine richtige Rolle schreiben.
 
Andy Garcias Figur darf mal überrascht sein und dann nochmal. Das muss wohl reichen.
 
 
Fazit
 
Selbst schlechte Filme haben oft noch irgendetwas Gutes. Manchmal gibt es den einen oder anderen Aspekt, der einen doch noch ansprechen kann. In „Geostorm“ sieht man in einer der verwüsteten Städte einen Hund. In welcher Stadt ist schwer zu sagen. Aber der Hund war gut. Braver Hund.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Dean Devlin
  • Drehbuch: Paul Guyot
  • Stars: Gerard Butler, Alexandra Maria Lara
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