deensvtr

Star Wars: Die letzten Jedi

Artikel bewerten
(46 Stimmen)
„Star Wars“ ist schon lange keine Filmreihe mehr. „Star Wars“ ist ein ...
 
... Phänomen. Daher stellt sich auch gar nicht die Frage, ob Episode 8 nun ein guter oder schlechter Film ist. Die Frage lautet, ist Episode 8 ein guter oder schlechter „Star Wars“-Film?
 
Neues Licht in alten Schwertern
 
Wir erinnern uns: Am Ende des Films hat Rey den alten Luke Skywalker in seinem selbstgewählten Exil aufgespürt und ihm sein verlorenes Lichtschwert hingehalten (irgendwann muss mal geklärt werden, warum Jedis sich immer irgendwo jahrelang verstecken, nachdem sie den Karren so richtig in den Dreck gefahren haben). Wie Luke auf das alte Lichtschwert seines Vaters reagiert, ist eine der wenigen echten Überraschungen des Films.
 
Und das ist der Punkt, der vor allem die älteren Kinogänger beschäftigen wird. Praktisch nichts in diesem Film ist irgendwie neu. Nichts kommt irgendwie überraschend. Dieser Film ist wie ein Konzert der Rolling Stones. Die Stones spielen bei Konzerten auch immer all ihre Hits. Und sie spielen sie besser als je zuvor. Kein Wunder; die Bühnentechnik ist auf dem neuesten Stand und die Back-up-Musiker sind besser als es die alten Herren selbst jemals waren. Man hört also nicht bloß alle alten Hits, wegen derer man überhaupt zum Konzert gekommen ist. Man hört all diese alten Hits in besserer Qualität als man sie je zuvor hätte hören können. Und trotzdem ist das einfach nicht die Berliner Waldbühne 1965. Und auch nicht der Madison Square Garden 1969.
 
Und ähnlich geht es uns bei „Die letzten Jedi“. Die Raumschlacht am Anfang ist „Start me up“. Und genauso wie Keith Richards immer nur 5 Saiten auf seine Gitarren aufzieht, haben die Rebellen noch nie einen Schlachtplan gehabt, der nicht lächerlich gewesen wäre. Und so vertraut geht es mehr als zwei Stunden weiter. Wie man bei den Stones nicht lange auf die „Jumpin‘ Jack Flash“, „Gimme Shelter“ und die anderen Hits warten muss, so folgt auch in Episode 8 ein Klassiker auf den nächsten. Wir erinnern uns noch wie in „Das Imperium schlägt zurück“ der junge Jedi-Adept den Meister in seinem Exil aufgespürt hat.
 
Daher können wir den Text in einigen Szenen zwischen Luke und Rey auch fast mitsingen. Und wer weiß nicht mehr, wie Luke sich anschließend auf den Weg machte, um mit Vader zu kämpfen, obwohl er seine Ausbildung kaum begonnen hatte? Hör, sie spielen unser Lied. Wer war nicht begeistert, als der Falke in „Rückkehr der Jedi-Ritter“ durch die Tunnel des halbfertigen Todessterns geflogen ist und die viel kleineren Tie-Fighter dauernd gegen die Wände prallten? Gegen Ende des Films einfach von der Stimmung mitreißen lassen und mitklatschen.
 
Und wer könnte die putzigen Ewoks vergessen? Holt schon mal die Feuerzeuge raus, es gibt nun komische kleine Hamstervögel, von denen einer Chewbaccas neuer Kopilot wird. So weit so bekannt. Und gerade weil fast alles sehr vertraut wirkt, erkennt man schnell die hervorragende Qualität vieler Szenen. Der Look des Films ist einfach großartig. Angefangen bei dem Landeplatz von Lukes X-Flügler, über die Höhle die von der dunkles Seite der Macht erfüllt ist, bis zu Snokes Thronraum und den imperialen Kriegsgeräten sieht alles besser aus als man es je gesehen hätte.
 
Die Story ist natürlich hanebüchen und voller Lücken. Wie gelangt Rey eigentlich im dritten Akt wieder an Bord des Falken? Und wer war jetzt Snoke und wo kam er her? General Leia zeigt einen Stunt, bei dem man sich nur fragt, „Ach, seit wann funktioniert denn sowas?“. Später wird das von Luke sogar noch übertroffen. Je weniger man darüber nachdenkt, umso besser. „Star Wars“ sehen wir uns nicht wegen der Logik der Handlung an. Wir kaufen ja auch keine Karten für ein Stones-Konzert, um Mick Jagger tanzen zu sehen. Beides nimmt man einfach in Kauf.
 
 
Rebellenabschaum
 
Der Heldin dieser Geschichte ist ganz klar Rey. Und ihre Darstellerin Daisy Ridley ist die Heldin der Serie. Mehr noch als im letzten Film, ist es ihre Darstellung die der Geschichte die Glaubwürdigkeit verleiht, die sie so dringend braucht. Sie verkörpert naive Ehrlichkeit ebenso wie Entschlossenheit und Kraft.
 
Mark Hamill hatte schon in der ersten Trilogie eine undankbare Rolle. Daran hat sich nicht viel geändert. In einer Szene gegen Ende wirkt er plötzlich athletischer als je zuvor während der letzten 34 Jahre. Das ergibt dann aber danach sogar einen Sinn. Naja, irgendwie …
 
Oscar Isaac spielt wieder den Piloten Poe Dameron. Auch wenn er diesmal ein bißchen mehr zu tun hat als im letzten Film, wird aus ihm kein Held. Wir lernen seinen Charakter auch einfach nie kennen. John Boyega kann einem fast leidtun. Hatte er im letzten Film als Finn noch wirklich etwas zur Handlung beizutragen, hätte man seine Rolle in Episode 8 auch ersatzlos streichen können. Der Film hätte dadurch deutlich an Tempo gewonnen.
 
Die verstorbene Carrie Fisher ein letztes Mal als Leia zu sehen, ist natürlich etwas Besonderes. Aber über weite Strecken übernimmt dann doch Laura Dern ihren Job. Warum sie dabei aussieht als würde sie gleichzeitig in „Sunset Boulevard“ und „101 Dalmatiner“ mitspielen, bleibt unklar.
 
Die dunkle Seite der Macht
 
Das größte Problem von „Das Erwachen der Macht“ waren die schwachen Schurkenrollen. Adam Drivers Rolle als zorniges ADHS-Kind Kylo Ren hat Episode 7 nicht aufgewertet. Im neuen Film hat er zwar gleich zu Beginn wieder einen Wutanfall, im Lauf der Handlung wird sein Part aber doch noch interessant. An sein Vorbild Darth Vader reicht er trotzdem niemals heran.
 
Den von Andy Serkis im Motion-Capture-Verfahren dargestellten Supreme Leader Snoke schließt man zwar bald ins Herz, weil er als einziger ausspricht, was die ganze Galaxis über Kylos Maske denkt. Mit dieser Figur hätten sich die Drehbuchautoren aber sehr viel mehr Mühe geben müssen.
 
Domhall Gleesons Rolle als General Hux ist wieder kaum der Rede wert.
 
 
Fazit
 
„Die letzten Jedi“ ist deutlich besser als sein Vorgänger „Das Erwachen der Macht“. Leider ist der Film nicht annähernd so ausgereift und erwachsen wie „Rogue One“, der vorerst den Standard für die neuen „Star Wars“-Filme gesetzt hat. Aber Ende 2018 kommt ja der „Han Solo“-Film ….
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Avengers: Infinity War - Kinostart: 26.04.2018 Zu behaupten, dieser Film würde zu viel des Guten bieten, wäre eine Untertreibung.   Dieser Film bietet viel zu viel des Guten. Allzu viel. Und dann noch ein bisschen mehr. Und dann legt er noch was drauf. Und am Ende wäre weniger vielleicht mehr gewesen.   „Tha...
Ant-Man and the Wasp - Kinostart: 26.07.2018 Zum zweiten Mal schaltet das Marvel Cinematic Universe in den Schrumpfmodus.   Wie schon im ersten Ant-Man-Abenteuer demonstriert Regisseur Peyton Reed („Der Ja-Sager“), dass man nicht unbedingt groß sein muss, um spektakuläre Taten zu vollbringen.   Verscholle...
Solo: A Star Wars Story - Kinostart: 24.05.2018 Nach dem Ausscheiden der ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller, ...   ... drehte Ron Howard 80% (!) der Szenen von „Solo“ nochmal neu. Dieser Film stand also von Anfang an unter keinem guten Stern. Aber kann das erste Solo von Han trotzdem funktionieren...
Papillon - Kinostart: 26.07.2018 Henri Charrières Buch über seine Haftzeit in Französisch-Guayana, wurde ...   ... bereits 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hofmann verfilmt. Die Neuverfilmung wirft viele Fragen auf. Zum Beispiel “Warum?“, „Wozu?“, „Was soll das?“ oder &...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Rian Johnson
  • Drehbuch: Rian Johnson
  • Besetzung: Mark Hamill, Carrie Fisher
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…
hnews dumbo tburton
Diese Woche hat Disney den Teaser-Trailer für seine neueste Live-Action-Adaption eines animierten Klassikers veröffentlicht: Dumbo. Basierend auf dem…
hnews 007ds
Daniel Craig wird als 007, der legendäre britische Geheimagent, zurückkehren. Und der mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur Danny Boyle (Slumdog…
hnews 2019
2019 scheint gefühlt noch ziemlich weit weg zu sein, aber in Hollywood ist man schon jetzt damit beschäftigt, die nächsten Blockbuster zu…
hnews i5ds
Regisseur Steven Spielberg höchstpersönlich hat in seiner Dankesrede am 18.03.2018 bei den „Rakuten TV Empire Awards“ bestätigt, dass die…
hnews oscar2018
Die Oscars haben ihren 90. Geburtstag gefeiert. Und das politisch sehr korrekt und anfangs auch noch ziemlich unterhaltsam, doch dann wurde die…
bp mag header
Fans auf der ganzen Welt können Tom Cruise nun so nah sein wie nie zu vor, denn ab sofort betreibt er seinen ersten offiziellen Instagram-Channel…
hnews mm wof
Am 22. Januar 2018 ehrte die Handelskammer von Hollywood Disneys Minnie Maus offiziell mit einem Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“. Zu den…
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…
hnews mdamon trauer
"Kent Damon hat den langen Kampf gegen den Krebs verloren!" Diese weniger erfreuliche Mitteilung veröffentlichte Matt Damon´s Pressesprecher…