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The Commuter

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"The Commuter" soll der letzte Actionfilm sein, in dem Liam Neeson mitwirkt. Man bietet
 
... ihm zwar, wie er unlängst erklärte, immer noch jede Menge Actionstoffe an, aber im Alter von 65 Jahren fühlt er sich nun doch schon etwas zu alt, um noch weiterhin den ganz harten Brocken zu spielen. In „The Commuter“ macht Neeson das aber noch einmal. Und es ist passend, dass es hier geschieht, denn der Film stellt auch die vierte Zusammenarbeit mit Regisseur Jaume Collet-Serra dar. Beide haben zuvor „Unknown Identity“, „Non-Stop“ und „Run all Night“ verwirklicht.
 
Die Aufgabe
 
Michael MacCauley (Liam Neeson) pendelt seit zehn Jahren mit dem selben Zug von einem Vorort nach Manhattan. Doch an seinem letzten Arbeitstag, der für ihn unerwartet kam, ist alles anders. Denn diesmal wird er von der Frau Joanna (Vera Farmiga) angesprochen, die ihm eine hypothetische Aufgabe stellt – nur, dass sie schnell zeigt, dass daran gar nichts hypothetisch ist.
 
Er bekommt 100.000 Dollar, wenn er in dem Zug einen ganz bestimmten Passagier ausfindig macht. Jemanden, der zu einem bestimmten Ort fährt, aber keiner der üblichen Pendler ist. Als MacCauley genauer darüber nachdenkt, lehnt er ab. Aber Joanna hat noch ein Druckmittel parat: Wenn MacCauley nicht tut, was sie sagt, wird seine Familie sterben.
 
 
Thriller mit Action-Aspekten
 
„The Commuter“ ist kein reiner Actionfilm. Im Grunde funktioniert er sogar mehr als ein Thriller, aber es gibt schon ein paar Momente, die zeigen, wieso Liam Neeson in späten Jahren noch zum Actionstar aufgestiegen ist. Entsprechend hat man hier ein paar Kämpfe Mann gegen Mann, aber auch größeres Spektakel zum Ende hin, wenn die Hauptfigur versuchen muss, jeden im Zug zu retten.
 
Bis dahin ist der Streifen aber tatsächlich mehr ein klassischer Thriller. Man möchte nicht soweit gehen, ihn hitchcockesk zu nennen, wie es die Macher gerne tun, aber es geht zumindest in diese Richtung. Das liegt auch daran, dass der Film nie cleverer ist als seine Hauptfigur - und der Zuschauer auch nicht. Wenn Neesons Figur versucht, herauszufinden, wer die Zielperson ist, dann ist man als Zuschauer direkt dabei, da man selbst keine Anhaltspunkte erhält, die Michael McCauley nicht hätte.
 
 
Weitere Würze erlangt die Geschichte, weil sie fast in Echtzeit erzählt ist. In dem Moment, in dem die Hauptfigur den Zug besteigt, ist das auf jeden Fall so. Das erinnert natürlich ein wenig an „Non-Stop“, der fast ausschließlich in einem Flugzeug spielte. Neesons Figur hebt sich aber von seinem damaligen, gebrochenen Helden ab. Weil Michael McCauley eben nicht gebrochen ist.
 
Allenfalls gebeutelt, aber das auch nur in Hinblick darauf, dass die Arbeitswelt hart und ungerecht ist. Wie sagt es sein Vorgesetzter so schön: „Sie sind ein guter Soldat und haben tapfer gedient, aber manchmal enden auch die besten Soldaten als Kollateralschaden.“
 
Entgleist?
 
Die Idee ist eher klassisch. Geschichten wie diese sind Teil der Thriller-DNS, allerdings gibt es hier zusätzlich die moralische Frage danach, was für ein Mensch man ist, da McCauley nicht nur gezwungen werden soll, zu tun, was getan werden muss, sondern auch finanziellen Anreiz erhält. Die Prämisse dabei: Man macht etwas, das einem leichtfällt und für das eigene Leben nichts bedeutet, für jemand anderen aber ernste Konsequenzen hat, wovon man aber nie erfahren wird.
 
In diesen ersten Minuten ist „The Commuter“ am reizvollsten, da man sich mit dieser Fragestellung als Zuschauer auch auseinandersetzen kann. Hier hat die Geschichte noch einen Hauch von Realismus, der später schnell flöten geht (und bei der Zug-Action dann völlig, was für ein Wortspiel, entgleist).
 
So dass die Akte der Unterdrücker im Grunde bedeutungslos sind. Ebenso wie es bedeutungslos ist, ob man sich ihnen beugt oder nicht. Das spricht der Film nicht aus, aber er zeigt es, während er zugleich betrauert, dass Gewalt und Tod nur einer Idee wegen die Oberhand gewinnen. Das macht „The Commuter“ sehr clever, da er sowohl dem Nichtgläubigen als auch dem Gläubigen etwas bietet, das seine Sicht der Welt bestätigt.
 
 
Fazit
 
Dieser Abschied vom Actionstar Liam Neeson (womit man automatisch demnächst auch wieder den ernsthaften Schauspieler Liam Neeson begrüßen darf) ist solide inszeniert, schnell erzählt und durchweg unterhaltsam.
 
Dies ist kein Film, der in irgendeiner Weise originell wäre, aber innerhalb seiner gesteckten Parameter funktioniert er. Für angenehm-leichte Feierabendunterhaltung ist das vollkommen ausreichend. Es muss ja schließlich nicht immer schwere Kost sein, über die man angestrengt und lange nachdenken soll. Manchmal reicht auch Gedanken-Fast-Food.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Jaume Collet-Serra
  • Drehbuch: Byron Willinger
  • Besetzung: Liam Neeson, Vera Farmiga
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