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Shape of Water

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Die meisten Hollywoodfilme sind "Produkte". Sie werden "produziert" wie ...
 
... Autos, Kaugummi, Möbel oder andere Konsumgüter. Guillermo Del Toro hat mit seinem neuesten Film wieder mal kein Produkt, sondern ein Kunstwerk geschaffen.
 
You'll Never Know
 
In den frühen 60er-jahren arbeitet die stumme Elisa (Sally Hawkins) als Putzfrau in einer geheimen Einrichtung der US-Regierung. Eines Tages wird dort ein hominides Amphibienwesen untergebracht. Während Militär und Geheimdienst das Wesen so bald als möglich sezieren wollen und der zuständige Wissenschaftler es aus eigenen Gründen am Leben erhalten möchte, entwickelt sich eine Beziehung zwischen der Reinigungskraft und dem Geschöpf ….
 
"Shape of Water" (den dummen deutschen Titel "Das Flüstern des Wassers" wollen wir einfach ignorieren) ist ein packendes Drama, eine berührende Liebesgeschichte, ein Märchen für Erwachsene und ganz nebenbei ein intelligentes Portrait der amerikanischen Gesellschafft während der frühen 60er-Jahre. Vor allem die Beschreibung des Alltags und der Beziehungen der einfachen Menschen ist es, die diesem Film eine Tiefe verleiht, die man im Fantasy-Genre selten findet. Del Toro zeigt uns nicht nur das Amphibienwesen als Außenseiter.
 
In dieser Zeit war jeder Mensch ein Außenseiter, der kein weißer, heterosexueller Mann mit Macht war. Der homosexuelle Werbegrafiker, die afroamerikanische Putzfrau, ja praktisch jede Frau, … sie alle waren damals der Willkür "mächtiger Männer" ausgeliefert. Der für das Projekt verantwortliche General bringt es in einer der besten Dialogzeilen des Films auf den Punkt, wenn er meint, die Sterne auf seiner Schulter beuteten, er könne tun und lassen was er möchte.
 
My Unusual Man
 
Guillermo Del Toro ist einer der wenigen echten Künstler unter den aktuellen Hollywood-Regisseuren. Tim Burton und Christopher Nolan fallen einem vielleicht noch ein, aber dann wird es schon dünn. Del Toro macht seine Filme nicht damit sie von möglichst vielen Menschen gesehen werden. Die Menschen sollen einfach einen möglichst schönen und guten Film sehen. So schön und gut, wie Del Toro ihn zu schaffen vermag. Manchmal entspricht das dem Geschmack eines größeren Teils des Publikums, wie z.B. bei "Hellboy" oder "Pacific Rim". Manchmal spricht das weniger Menschen an, wie im Fall von "Pan's Labyrinth" oder zuletzt "Crimson Peak". Aber egal ob einem die einzelnen Filme gefallen, die Del Toro in den letzten Jahren gemacht hat, muss man doch immer feststellen, welch hohe künstlerischen Ansprüche dieser Filmemacher immer umgesetzt hat.
 
Und auch in "Shape of Water" zeigt Del Toro ganz große Kunst. Der visuelle Stil ist atemberaubend. Exakte Details fügen sich zu großen Bildern zusammen. Aber wir bekommen nicht nur Bilder gezeigt, sondern auch eine Geschichte erzählt. Einzelne Szenen sind so brillant komponiert, sie erzählen Geschichten in der Geschichte. Als Elisa zum ersten Mal zur Arbeit fährt, sehen wir einen dicken Mann mit einer Torte an einer Bushaltestelle. Wer aufmerksam genug auf die Torte achtet, bekommt in einer einzigen Einstellung eine ganze Komödie gezeigt. Oder eine Tragödie je nach Betrachtung.
 
 
Bei wahrer Kunst kommt es immer auf den Betrachter an. Manch einem fällt bloß auf, dass die Mona Lisa keine Augenbrauen hat. Und manch einer wird hier eine Liebesszene zwischen zwei Spezies in einer Badewanne lächerlich finden. Vielen Menschen ist der Spiraleffekt in Van Gogh's "Sternennacht" egal. Und viele Menschen wird es gleichgültig lassen, wenn Außenseiter sich hier mutig gegen das Establishment stellen.
 
Chica Chica Boom Chic
 
Sally Hawkins hat erst kürzlich in "Maudie" gezeigt, wie sie auf subtile Weise ein ganzes Leben in einzelne Szenen legen kann. Hier zeigt sie Kraft, Mut, Angst und Verletzlichkeit wie man sie in Hollywoodfilmen selten zu sehen bekommt.
 
Doug Jones hat für Del Toro bereits Abe Sapien und andere fantastische Figuren in "Hellboy" und "Pan's Labyrinth" verkörpert. Das Verb "verkörpern" beschreibt am besten, wie er auch hier wieder das Amphibienwesen zum Leben erweckt.
 
Michael Shannon ("Take Shelter") zeigt uns hier ganz großartig, wie viel Böses in der Welt von Spießern mit Macht ausgeht.
 
Richard Jenkins hat jeder von uns seit "Die Hexen von Eastwick" in Dutzenden Nebenrollen gesehen. Hier breitet er in wenigen Szenen das traurige Leben von Elisas Nachbarn vor uns aus.
 
Octavia Spencer spielt hier wieder einmal die resolute Afroamerikanerin mit dem Herzen aus Gold. Und natürlich macht sie das ganz großartig. Wie immer. Passend zum Film spielt sie hier sogar ein bisschen zurückhaltender als sonst.
 
 
Fazit
 
Große, wahrhaft bedeutende Kunst hat selten dem Massengeschmack ihrer Zeit entsprochen. "Shape of Water" ist nicht nur ganz großes Kino, sondern auch ganz große Kunst.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Guillermo del Toro
  • Drehbuch: Vanessa Taylor
  • Besetzung: Doug Jones, Sally Hawkins
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