deensvtr

Avengers: Infinity War - Kinostart: 26.04.2018

Artikel bewerten
(56 Stimmen)
Zu behaupten, dieser Film würde zu viel des Guten bieten, wäre eine Untertreibung.
 
Dieser Film bietet viel zu viel des Guten. Allzu viel. Und dann noch ein bisschen mehr. Und dann legt er noch was drauf. Und am Ende wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
 
„Thanos kommt. Er kommt.“
 
Nachdem wir die verschiedenen Infinity-Steine nun in mittlerweile zehn verschiedenen Filmen zu sehen bekommen haben und nachdem der böse Thanos bereits vor einigen Jahren im Abspann von „The Avengers“ zum ersten Mal zu sehen war, ist es nun endlich so weit: Thanos kommt auf die Erde um alle Infinity-Steine zu sammeln und die Avengers stellen sich ihm entgegen. Aber so stimmt das tatsächlich ja gar nicht. Thanos kommt erst mal gar nicht auf die Erde. Er schickt seine Unterschurken. Er selbst sucht andere Infinity-Steine auf anderen Planeten.
 
Und ihm und seinen Helfern stellen sich auch nicht die Avengers entgegen, zumindest nicht alle. Thor verliert gleich zu Anfang einen Kampf gegen Thanos und ist dann den größten Teil des Films damit beschäftigt, sich einen neuen Hammer für den Rückkampf zu bauen. Iron-Man, Spider-Man und Dr. Strange bekämpfen zwei von Thanos‘ Schergen in New York und später an Bord eines Raumschiffes um dann einige, aber nicht alle, der Guardians of the Galaxy zu treffen. Derweil müssen sich Scarlett Witch und Vision in Schottland gegen weitere von Thanos Laufburschen wehren und bekommen dabei Hilfe von Captain America, Black Widow und Falcon.
 
Bruce Banner kommt aus dem Weltall zurück, hat aber Mühe zum Hulk zu werden. War Machine wartet inzwischen im Hauptquartier der Avengers auf die anderen. Und Bucky Barnes erholt sich in Wakanda als Gast des Black Panther. Alles klar? Nein? Überblick verloren? Macht nichts. Das wird nämlich auch nicht besser, wenn man den Film sieht.
 
„Es ist ein bißchen viel“
 
Schon vor „Avengers – Infintiy War“ musste man feststellen; die Ensemble-Filme sind nicht die besten Beiträge zur Serie. Der ausgewogenste Film ist immer noch „Captain America – The First Avenger“. Der witzigste war „Thor – Ragnarok“. Der coolste war „Ant-Man“ und der überraschendste war „Iron-Man 3“. Die Filme in denen alle Avengers zusammen auftreten, sind immer ein bisschen zu voll. Nun, „Avengers – Infintiy War“ ist ungefähr so voll wie eine U-Bahn in Tokio zur Stoßzeit.
 
Wir sehen eine der interessantesten und witzigsten Figuren des Marvel-Universums nach gerade mal 5 Minuten sterben (und selbst Thor vermutet, dass die Figur diesmal wohl tot bleiben wird). Wir sehen Bruce Banner, der während des ganzen Films kaum jemals zum Hulk wird. Wir sehen Vision für ungefähr zwei Minuten als Menschen. Wir erfahren, dass Tony Stark geheiratet hat. Wir sehen die Guardians of the Galaxy, die sich nach wenigen Minuten in zwei Gruppen trennen, nur damit Gamora sich dann kurze Zeit später wieder verabschieden muss. Black Widow hat eingesehen, dass es immer schon doof war, mit Pistolen auf Aliens zu schießen und schwingt nun einen Speer. Und Captain America trägt Bart, langes Haar und einen neuen Schild. Damit sieht er nun in praktisch jedem Film anders aus und erinnert so endgültig an die Entwicklungsstadien eines Pokemon. Irgendwo mittendrin hüpft auch der junge Peter Parker herum und ist wirklich witzig.
 
 
Leider sieht man von all den einzelnen Figuren immer viel zu wenig. So wird nichts was die Personen betrifft irgendwie erklärt, entwickelt oder nachvollziehbar gezeigt. Am Ende wirkt das Ganze wie ein Episodenfilm, der bloß sehr merkwürdig geschnitten ist. Handlungsstränge laufen hier nicht parallel, sondern komplett getrennt voneinander. Nach ihrem Kampf in New York sehen wir Spider-Man, Iron-Man und Dr. Strange fast eine Stunde lang nicht wieder. Als sie wieder auftauchen, können bei ihnen höchstens Minuten vergangen sein. Währenddessen sind die anderen Gruppen um die halbe Welt gereist, haben neue Schlachten geschlagen oder haben das Universum durchquert. Also warum haben die Filmemacher aus diesem neuen Beitrag zum Marvel-Universum eine Nummern-Revue statt eines Spielfilmes gemacht? Und kann das überhaupt funktionieren?
 
Avengers assemble
 
Vor 30 oder 40 Jahren war es üblich, billige Produktionen durch die Mitwirkung eines internationalen Stars aufzuwerten. Der hatte dann meistens nur wenige Szenen, und war in fast allen Einstellungen nur allein zu sehen. Auf die Art hatte der teure Star nur wenige Drehtage und war entsprechend halbwegs billig zu bekommen.
 
In „Wildgänse 2“ musste man bis wenige Minuten vor Ende des Films warten, um endlich Laurence Olivier zu sehen. In „Auf dem Highway ist die Hölle los – Teil 2“ war Frank Sinatra in keiner einzigen Einstellung mit einem seiner Co-Stars gemeinsam zu sehen. Nun was hat dieser filmhistorische Exkurs denn mit „Avengers – Infintiy War“ zu tun? Sagen wir mal so: die verschiedenen voneinander weitgehend getrennten Handlungsstränge führen dazu, dass keiner der vielen Stars, wie Robert Downey jr., Chris Hemsworth oder Chris Evans, insgesamt länger als zwanzig Minuten auf der Leinwand zu sehen ist. Bei Scarlett Johansson sind es tatsächlich keine zehn Minuten. Bei einer Gesamtdrehzeit von einem halben Jahr musste vermutlich keiner der Stars länger als einige Wochen zur Verfügung stehen. Und so spart eine ohnehin teure Produktion sehr viel Geld.
 
Kann so etwas funktionieren? Klar. Die Spezialeffekte sind – wie immer bei Marvel – von allerfeinster Qualität. Und der Film enthält praktisch keine Szenen ohne Spezialeffekte. Ständig fliegen Superhelden und/oder Raumschiffe auf uns zu. Ständig tauchen neue fremde Wesen auf. Ständig wird gekämpft. Action findet fast nonstop statt. Weniger einfallsreiche Kritiker bezeichnen Filme wie diesen gerne als „Action-Feuerwerk“. Und wie bei einem Feuerwerk ist das alles auch schön bunt und laut. Nach zweieinhalb Stunden ist man dann aber nicht unglücklich, wenn das Ganze endlich vorbei ist. Der Film war ohnehin nur der Auftakt zur Fortsetzung die 2019 rauskommen soll.
 
 
Fazit
 
Mehr Helden, mehr Action, mehr fremde Welten, …. mehr von vielem. Das bietet „Avengers – Infintiy War“. Das bedeutet zwar weniger Handlung, weniger Witz und die Charaktere bleiben auch ein bisschen auf der Strecke. Aber was soll’s, wenn alles so schön bunt und laut ist?
 
 
aiwar gewinn banner2
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Shape of Water Die meisten Hollywoodfilme sind "Produkte". Sie werden "produziert" wie ...   ... Autos, Kaugummi, Möbel oder andere Konsumgüter. Guillermo Del Toro hat mit seinem neuesten Film wieder mal kein Produkt, sondern ein Kunstwerk geschaffen.   You'll Never Know   In ...
Iron Sky: The Comming Race - Kinostart: 21.03.2019 2012 kam „Iron Sky“ in die Kinos. Der Film hatte eine halbwegs originelle, ...   ... schräge Grundidee, war aber leider in jeder Hinsicht mittelmäßig bis schlecht gemacht. Nun kommt Teil 2 in die Kinos. Und der hat nicht einmal mehr eine originelle Grundidee...
Hellboy - Kinostart: 11.04.2019 Der übellaunige Höllendämon mit der harten Rechten ist zurück. Ohne Ron Pearlman?   Ohne Abe Sapien? Ohne Guillermo del Toro? Ok, wir schauen mal rein...   Irgendwas mit Weltuntergang   …und vergessen zunächst mal alles, was wir durch die ersten...
Die Schöne und das Biest Endlich im Kino: Disneys „Die Schöne und das Biest“. Nein, dies ist kein Déjà-vu. Nach dem animierten Kinohit der Traumfabrik ...   ... aus dem Jahr 1991, folgt hierzu nun der zweite Streich der Walt Disney Company. Mit der Realverfilmung des Klassikers der An...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Anthony Russo, Joe Russo
  • Drehbuch: Christopher Markus
  • Besetzung: Robert Downey Jr., Josh Brolin
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…