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HERRliche Zeiten - Kinostart: 03.05.2018

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Herrliche Zeiten ist ein Film der besser nie gedreht worden wäre. Er basiert ...
 
... auf einem Buch das besser nie geschrieben worden wäre. Und dieses Buch wiederum beschäftigt sich mit den Mechanismen einer Ideologie die es besser nie gegeben hätte.
 
Doch leider ist es dazu nun zu spät
 
Denn alle diese Dinge sind passiert und passieren bis heute immer wieder. Und deswegen muss man sich ihnen auseinandersetzen. Das tut dieser Film auf seine ganz eigene Weise. Die gesamte politische Kontroverse zu dem Autoren der Romanvorlage (Thor Kunkel) kann man im Internet jederzeit nachlesen und sich ein eigenes Bild machen. Doch eins sei gleich vorweg gesagt, dieser Film ist als Komödie nicht brauchbar. Er ist im besten Falle ein philosophisches Planspiel über die Verführung der Macht und die Verteilung von Schuld. Im schlechtesten Fall nur der Versuch, verschwurbelte Propaganda über eine filmische Handlung zu transportieren.
 
Der ziemlich proletenhafte Schönheitschirurg Claus (Oliver Masucci) und seine depressive Gattin, die Gartenarchitektin Evi (Katja Riemann), gehören zu den Besserverdienern Deutschlands und lassen es sich in ihrer schicken Villa im noblen Grunewald gut gehen. Als ihre Putzfrau eines Tages nicht mehr zur Arbeit kommt, schaltet Claus eine Zeitungsannonce, in der er mit einem vermeintlichen Augenzwinkern einen Sklaven oder eine Sklavin sucht. Und prompt melden sich Interessenten, die die Formulierung durchaus ernst nehmen. Zunächst sind Claus und Evi schockiert, engagieren aber dann doch das gebildete und dienstwillige Pärchen Bartos (Samuel Finzi) und Lana (Lize Feryn) als ihre persönlichen Knechte.
 
Damit gewinnt Claus auch die Aufmerksamkeit und Freundschaft seines unmittelbaren Nachbarn, dem reichen Ölscheich Mohammed Al Thani (Yasin El Harrouk). Dieser ist ohnehin für sein ausschweifendes und Partyleben bekannt und lädt das deutsche Pärchen zu seiner nächsten Orgie ein. Je mehr sich die Beteiligten aber an die Situation gewöhnen, desto tiefer werden auch die menschlichen Abgründe, die in so manchem Schlummern. Als Evi jedoch wegen ihres schlechten Gewissens aussteigen möchte, wird langsam klar, dass man manche Dinge nicht ungeschehen machen kann. Das Leben ist eben doch kein Spiel.
 
 
Eine kurze Geschichte des Nationalsozialismus
 
Es ist wirklich erstaunlich mit welcher Konsequenz und in einem fast schon absurden Tempo hier die Grundzüge der Sklaverei, ethnischer Vorurteile und klassischer Rassenideologien thematisiert werden ohne wirklich Antworten zu bieten. In seiner Brutalität und Tonalität erinnert er in besseren Momenten an die Werke von Quentin Tarantino. Die Art und Weise der philosophischen Figurenexposition wiederum hat streckenweise Ähnlichkeit mit Matchpoint von Woody Allen. Der Versuch aus dem Film eine Arthouse-Produktion zu machen, scheitert aber bereits am Trailer.
 
Viel zu sehr wird versucht mit dem Marketing, also Plakat und Trailer, so zu tun als habe man es hier mit einem klassischen Comedy-Film zu tun. Doch das Gegenteil ist der Fall, man sollte sich wirklich nur entsprechend vorbereitet auf diese Erfahrung einlassen. Jeder mit einem Funken menschlicher Regung wird hier ziemlich schnell merken, dass es nicht um Unterhaltung und billige Witze gehen kann. Die Inhalte zielen eher auf die Eingangs angesprochene kontroverse Debatte, ein bisschen wie bei Ulrich Seidl in seinem Film Im Keller. Was dieser Spagat bezwecken soll wird nicht ganz klar.
 
Einerseits soll durch die gefällige Aufmachung wohl ein breiteres Publikum angesprochen werden, andererseits ist dieser Stoff viel zu heikel für ein unbeschwertes Kinoerlebnis. Die Schauspieler agieren dafür noch relativ souverän, Oliver Masucci liefert geradezu eine Klaus-Kinski-Gedächtnis Performance, das passt dann auch thematisch wieder ganz gut. Die Regie ist etwas unentschieden, was die filmische Auflösung betrifft und so impressionistisch das Farbkonzept auch manchmal wirkt, steht es doch im Gegensatz zu seltsam banalen Kulissen, oder trashigen Figuren.
 
 
Warum sollte man sich so etwas anschauen?
 
Diese Debatte auf der Metaebene soll an dieser Stelle nur ganz kurz angerissen werden, aber es stellt sich natürlich die berechtigte Frage nach dem Sinn solcher Filme. Nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD zeigen sehr klar, dass dieses Gedankengut latent nach wie vor vorhanden ist. Deren Bundestagskampagne wurde übrigens von Thor Kunkel, dem Autor der Vorlage mit verantwortet und geplant. Aber wenn man sich nicht mit diesen Inhalten auseinandersetzt, muss man sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen, seine Augen vor der Realität zu verschließen.
 
Dieser Streifen ist etwas tumb und schwerfällig, hat viele stilistische Brüche und Ungereimtheiten und schrammt öfter an den Grenzen des guten Geschmacks entlang. Doch streckenweise nimmt man auch Anstoß an diesen Figuren und es gelingt dem Film eine Anregung zum Denken zu erzeugen. Eine Anregung, seine eigene Bewertung vorzunehmen. Ob der wahrscheinlich einkalkulierte mediale Skandal jedoch auch im Bezug auf die Zuschauerzahlen aufgeht, wäre abzuwarten. Eine passende Parallele dazu ist die am 1. Januar diesen Jahres mit Schrecken erwartete Neuauflage von Hitlers Mein Kampf, deren Siegeszug ja dann doch ausblieb.
 
 
Fazit
 
Kein Meisterwerk und nicht mal ein schöner Film. Kein Unterhaltungskino aber auch kein wirkliches Arthouse. Nichts für schwache Nerven und Moralapostel. Aber dafür kontrovers.
 
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Oskar Roehler
  • Drehbuch: Jan Berger
  • Besetzung: Katja Riemann, Oliver Masucci
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