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Euphoria - Kinostart: 24.05.2018

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Euphoria ist ein sehr nachdenklicher Film, mit vielen Reflexionsmöglichkeiten.
 
Sehr behutsam nähert er sich dem Thema Sterbehilfe. Das ist nicht unbedingt neu, aber stimmig.
 
Komm wir fahren zum Sterben in die Schweiz
 
Das Thema Sterbehilfe hat in den letzten Jahren immer mehr an gesellschaftlicher Relevanz gewonnen und genießt mittlerwiele auch eine entsprechende Popularität als Motiv im Film.
 
Allein die sehr heterogene Gesetzeslage in den verschiedenen europäischen Ländern zeigt, wie kontrovers diese Frage diskutiert werden kann. Dass es dabei keine einfachen Antworten gibt und jede Lösung nur ein schmerzhafter Kompromiss bleibt, zwischen dem Leiden des Einzelnen und der Trauer der Hinterbliebenen, zeigt nun auch dieser Film. Die erfolgreiche Malerin Ines ist zunächst etwas irritiert, als ihre seit Jahren entfremdete Schwester sie zu einem gemeinsamen Urlaub einlädt. Mit dem Chauffeur geht die Reise ins Nichts, mitten im Wald werden die beiden Schwestern ausgesetzt und müssen mit der spirituellen Führerin Marina (Charlotte Rampling) zu Fuß zu einem geheimnisvollen Schloss laufen, dass in einer verwunschenen Waldlichtung liegt. Sechs Tage haben die Schwestern nun Zeit sich dort voneinander zu verabschieden, denn Emilie möchte hier sterben.
 
Ines ist sehr skeptisch, nicht nur bezüglich des Wunsches ihrer Schwester, sondern auch was die seltsamen Vorgänge auf dem Schloss betrifft. Sie lernt dort auch andere Menschen kennen, die sich aus verschiedensten Gründen für diese luxuriöse Form der Sterbehilfe entschieden haben, doch nicht alle Beweggründe kommen ihr richtig vor. Immer wieder stößt sie dabei an Grenzen, auch in ihrem eigenen Kopf, bis sie schließlich am liebsten nur noch fliehen möchte. Kann Marina sie davon abhalten, oder muss Emilie nun ganz alleine sterben?
 
Ein Film wie ein Bild von Caspar David Friedrich
 
Die größte Stärke dieses Films liegt eindeutig in der Bildsprache. Die Kameraarbeit (Rob Hardy) ist sehr eindrucksvoll und das ganze Schloss hat als Kulisse eine mystische Qualität, die perfekt die Ambivalenz der Thematik darstellt. Gedreht wurden alle Szenen auf dem Landschloss Dennenlohe, bei Dinkelsbühl und man ist mal wieder erstaunt, dass auch Deutschland durchaus solche cineastischen Orte zu bieten hat, wenn sie entsprechend gekonnt in Szene gesetzt werden (Szenenbild: Christian M. Goldbeck). Allein deshalb lohnt es sich diesen Film anzuschauen.
 
Auch der Cast ist durchweg international und bietet einige Hochkaräter. Alicia Vikander ist seit ihrem Oscar für The Danish Girl eine feste Hollywoodgröße und turnt gerade als Lara Croft durch die Kinosäle. Dieser Film ist gewissermaßen die Antithese dazu und wohl auch der Versuch eine gewisse Balance in ihrer Karriere zu schaffen. Eva Green als totkranke Schwester ist ebenso ein Glücksgriff, sie wirft sich mit ganzer Seele in die Rolle und zeigt wieder einmal ihre Qualitäten als Charakterdarstellerin. Auch Charles Dance, bekannt aus Game of Thrones und Charlotte Rampling geben dem Film einen sehr fein gezeichneten Charakter.
 
 
In dieser Filmsaison gab es bereits einen Versuche sich dem Stoff eher komödiantisch zu nähern, mit Josef Hader in Arthur & Claire. Dabei gingen dann doch einige eher subtile Töne verloren und man läuft hierbei generell Gefahr im Banalen zu enden. In diese Falle tappt Euphoria nicht, indem bewusst auf Länderbezeichnungen und allzu konkrete Aussagen verzichtet wird. Die eher philosophische und elegische Herangehensweise bietet außerdem viel Raum, sich als Zuschauer selbst Gedanken zu machen, gerät aber dafür manchmal zu langatmig.
 
Wenn es zwischen den Darstellern (nicht) knistert
 
Ein weiterer Störfaktor in diesem ansonsten sehr soliden Werk ist die fehlende Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen. Es will einfach keine wirklich Spannung entstehen zwischen diesen zwei Frauen, es fehlt eine überzeugende emotionale Bindung. Überhaupt fühlen sich die Gefühlsausbrüche nicht sehr organisch an, im Gesamtkontext des Filmes. Da hätte Lisa Langseth, die sich für Buch und Regie verantwortlich zeigt, besser noch einmal etwas genauer hingeschaut was die Figurenentwicklung betrifft.
 
 
Trotzdem überzeugt die Gesamtidee und die Geschichte ist über weite Strecken stimmig erzählt. Abgesehen von einigen gefühligen Momenten wurde versucht mit genügend Ruhe und auch Abstand an dieses komplexe Thema heranzugehen und verschiedenen Ansichten Raum zu geben. Obwohl er mit den entsprechenden Motiven spielt, erliegt der Film zu keiner Zeit der Versuchung, dem Kitsch nachzugeben, oder sich in ein billiges Horror-Szenario zu verwandeln. Er bleibt immer auf philosophischer Distanz zum Geschehen und bietet ein vielleicht unspektakuläres aber doch schlüssiges Ende.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Lisa Langseth
  • Drehbuch: Lisa Langseth
  • Besetzung: Alicia Vikander, Eva Green
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