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Liebe bringt alles ins Rollen - Kinostart: 05.07.2018

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Diese romantische Komödie hat mit 107 Minuten nicht unbedingt Überlänge.
 
Trotzdem ist der Film viel zu lang.
 
Samstag anrufen, Sonntag vögeln, Montag verlassen, …
 
Jocelyn ist Ende Vierzig, erfolgreich und ein Schürzenjäger. Wegen eines Missverständnisses, das nun wirklich viel zu blöd ist, um es hier auch noch nachzuerzählen, denkt die junge Julie, er säße im Rollstuhl. Julie hat sichtbare Brüste und das reicht bereits, um Jocelyns Interesse zu wecken. Aus Gründen die im Film beim besten Willen nie nachvollziehbar erklärt werden, hält Jocelyn es für eine gute Idee, weiter so zu tun, als sei er querschnittgelähmt.
 
Irgendwie soll ihm das dabei helfen, die attraktive Julie baldmöglichst penetrieren zu können … oder soll es das Ganze irgendwie aufregender machen? Schwer zu sagen ... jedenfalls nimmt er Julies Einladung zu einem Grillfest mit ihrer Familie an. Dort lernt der Betrüger Florence, Julies Schwester, kennen. Florence scheint nicht bloß nicht ganz so dumm wie ihre jüngere Schwester zu sein. Sie ist auch tatsächlich von der Hüfte abwärts gelähmt und muss daher im Rollstuhl sitzen. Nach einer weiteren zufälligen Begegnung entwickelt der oberflächliche Weiberheld ein Interesse an der intelligenten, vielseitig begabten Frau im Rollstuhl. Weil es sämtlichen Protagonisten dieses Films an der Fähigkeit zu rationalem Denken und Handeln fehlt, führt das natürlich zu Verwicklungen …
 
Idiot Plot
 
Auf der anderen Seite des Atlantik kennt man den Begriff des „Idiot Plot“. Darunter versteht man eine Handlung, die nur funktioniert, weil jeder einzelne Beteiligte ein Idiot ist. Viele Thriller aber auch Dramen haben solche Plots. Sitcoms funktionieren fast ausschließlich so. Aber die wunderbarsten Beispiele für „Idiot Plots“ findet man immer unter den romantischen Komödien. Selbst Großmeister wie Alfred Hitchcock oder Billy Wilder haben solche Filme gedreht. Oder will jemand behaupten, die Protagonisten in Klassikern wie „Immer Ärger mit Harry“ oder „Eins, Zwei, Drei“ hätten sich nicht die ganze Zeit wie Idioten benommen? Na, also. Wenn so ein Film gut gemacht ist, kann er durchaus funktionieren.
 
„Liebe bringt alles ins Rollen“ ist nicht gut gemacht. Gar nicht gut. Nichts an dem Film ist gut. Der in Frankreich bekannte Schauspieler Franck Dubosc hat hier seinen ersten Film inszeniert. Dazu hat er noch das Drehbuch zusammengeklaut, … ähm … geschrieben und spielt die männliche Hauptrolle. Wenn wir uns daran erinnern, dass er ja eigentlich ein Schauspieler ist, hat das was von dem berühmten Ausspruch Alfred Polgars über eine wenig begabte Sängerin: „Eigentlich ist sie ein Mezzosopran.“
 
 
„Form ist Substanz, die an die Oberfläche dringt“
 
Die Regie findet in diesem Film nie den richtigen Ton. Niemals. Nicht ein einziges Mal während des ganzen Films. In einer Szene, in der wir den Helden um seine Mutter trauern sehen, nervt die unruhige Handkamera. Die Art wie die Nachbarin ins Bild gesetzt wird, ist weder sexy noch lustig sondern erfüllt einfach den Tatbestand der visuellen Vergewaltigung. Eine ausgebildete Krankenpflegerin sieht sich Erwachsenenwindeln an, als hätte sie diese nie zuvor gesehen.
 
Ein Essen im Familienkreis wird so nebenbei gezeigt, dass man es kaum wahrnimmt. Ein läppisches Witzchen über Lourdes wird erst zu lang erklärt (wenn man einen Witz erklärt, ist das immer „zu lang“) und dann tatsächlich noch länger ernsthaft umgesetzt. Eine kleine Episode mit einem Priester in einer Kirche hätte ein kompetenter Regisseur vielleicht so inszeniert, dass sie funktioniert hätte. Am dramatischen Höhepunkt des Films sieht Florence eine andere Person vor sich auf der anderen Seite eines Parkplatzes und Sekunden später steht diese Person hinter ihr und kann den Rollstuhl von hinten zurückreißen. Die Schlussszene des Films ist sicher nett gemeint, funktioniert aber einfach nicht.
 
Weite Teile des Drehbuchs hätte aber auch ein besserer Regisseur nicht retten können. Der Held macht gleich in der ersten Szene des Films einen Scherz, für den man sich an seiner Stelle schämen möchte. Die Szene in der wir die Nachbarin kennenlernen, ist nicht nur widerlich in Szene gesetzt, sondern auch frauenfeindlich geschrieben. Als sie feststellt, dass der ältere Mann ihr auf den Busen glotzt, meint die junge Frau doch tatsächlich: „Ein Glück. Sonst wäre ich beleidigt.“. Die jüngere Schwester, die Mutter, die Assistentin, … fast alle Frauen in diesem Film sind einfach strohdumm. Bezeichnend ist auch die Szene in der Jocelyn in einem Hotel in schlechtem Englisch einen Rollstuhl leihen möchte und der Concierge natürlich annimmt, sein Gast würde nach einer Prostituierten fragen. Die beiden Szenen mit Rektaluntersuchungen und mehrere unkomische Witze über Menschen mit schwarzer Hautfarbe runden das Gesamtbild eines verfilmten Herrenwitzes ab.
 
Menschen wie Du und ich …
 
Auch als Schauspieler wirkt Franck Dubosc nie überzeugend. Daher wird er uns auch am Ende des Films nie sympathisch.
 
Alexandra Lamy wirkt als Florence wiederum sehr sympathisch. Leider darf sie den ganzen Film nur nett und sympathisch spielen. Das wirkt schnell eintönig, etwas so als hätte sie auf ihrer Geige nur eine Saite aufgezogen.
 
Caroline Anglade und Elsa Zylberstein gehören vermutlich nicht zu den größten Schauspielerinnen Frankreichs. Aber sie haben sicher mehr drauf, als sie hier in ihren jeweiligen Rollen als jüngere Schwester und Assistentin zeigen dürfen.
 
Die Menschen mit tatsächlichen Behinderungen, die in diesem Film mitwirken, haben unser Mitleid verdient. Aber nicht wegen ihrer Behinderungen, sondern wegen ihrer Mitwirkung an diesem Film.
 
 
Fazit
 
Hier wird die Handlung einer schwachen Folge einer mittelmäßigen Sitcom auf 107 Minuten ausgerollt. Ansonsten bringt die Liebe hier nichts ins Rollen.
 
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Franck Dubosc
  • Drehbuch: Franck Dubosc
  • Stars: Franck Dubosc, Alexandra Lamy
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