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Why Him?

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Die Idee für die Geschichte von „Why Him?“ hatten Jonah Hill und Regisseur John Hamburg schon vor einiger Zeit. Auch damals war die Story an sich schon recht ausgelutscht, ...
 
... denn gerade diese Art Film, in der der Vater einer Frau mit dem Schwiegersohn in spe so gar nicht zurechtkommt, ist nun wirklich nichts Neues. Das war auch Hill und Hamburg klar, weswegen sie wohl entschieden, dass nur die Flucht nach vorne hilft. Heißt: So viele krude und niveaulose Gags wie möglich mussten her.
 
Wie Pech und Schwefel
 
Stephanie (Zoey Deutch) hat einen Freund, von dem sie ihren Eltern aber noch nichts erzählt hat. Die finden das erst heraus, als die Studentin ihrem Vater Ned (Bryan Cranston) ein Geburtstagsständchen via Skype singt und Laird (James Franco) plötzlich seinen nackten Hintern in die Kamera hält. Kurz darauf lädt Stephanie ihre Eltern nach Los Angeles ein, damit sie Laird kennen lernen.
 
Doch dort wartet auf die Familie eine Überraschung. Laird ist nicht nur zehn Jahre älter als Stephanie, er ist auch ein millionenschwerer Exzentriker, der mit Online-Spielen reich geworden ist. Sein Haus ist gigantisch, aber nichts ist so, wie Ned es sich vorstellt. Weder, dass Laird schwer tätowiert ist – und das u.a. mit den Gesichtern der gesamten Familie –, noch, dass überall Gemälde mit tierisch-sexuellen Motiven hängen. Und dann ist da noch die lose, recht dreckige Zunge des jungen Mannes, der aber eigentlich ganz nett ist.
 
Ned und seine Frau wollen ihn also kennen lernen, aber kann der stocksteife Mann aus dem Mittelwesten seiner Tochter zuliebe wirklich über seinen Schatten springen?
 
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
 
Feingeister haben bei „Why Him?“ nichts verloren. Der Humor bewegt sich auf Bodenniveau. Jenseits des guten Geschmacks. Eigentlich sogar tief im schlechten Geschmack suhlend. Aber das kann der Film tatsächlich ganz gut. Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, dass hier Toiletten-Humor geboten ist, dann sind tatsächlich auch ein paar gute Lacher dabei.
 
Kaum zu glauben, dass der Film dabei sogar zu etwas Filigranerem fähig ist. Etwa, als Francos Figur erzählt, wie der Sex mit Neds Tochter war, dass er transformativ war und sie sich wie eine Blume geöffnet hat. Natürlich erkennt er dabei nicht, wie sexualisiert seine Metapher ist. Anderer Humor ist da weit offensiver. Wenn Ned auf dem Klo entdeckt, dass dies ein papierloses Haus ist. Oder wenn Bukkake-Porno-Gags eingewoben werden. Oder wenn der deutsche Concierge Gustav, der so überhaupt nicht Deutsch anmutet, versucht, die Wogen zu glätten.
 
Dabei gibt es immer wieder Momente, die dann selbst für einen Film wie diesen zu abgehoben sind.
 
Zu lang
 
Komödien profitieren selten davon, wenn sie richtig lang laufen. Knapp zwei Stunden Laufzeit ist für „Why Him?“ viel zu viel. Es treten Ermüdungserscheinungen auf. Beim Skript, den Schauspielern, aber auch beim Publikum, dem mit weniger deutlich mehr geholfen wäre. Es gibt immer wieder Momente des Leerlaufs, die man nur deswegen überbrückt, weil es tatsächlich Spaß macht, James Franco als Exzentriker zu sehen. Dabei persifliert er einmal mehr sein eigenes Image, auch wenn Laird doch sehr weit vom poesieschreibenden Franco entfernt ist.
 
Er harmoniert sehr gut mit Bryan Cranston, der hier den „straight man“ geben muss, den Nichtkomischen, der nicht agiert, sondern immer nur reagiert. Das macht er aber ausgezeichnet. Bisweilen fühlt man sich bei seiner Figur sogar an seine Paraderolle aus „Malcolm in the Middle“ erinnert.
 
 
Fazit
 
Überragend ist „Why Him?“ nicht, wer aber mit Fäkalhumor etwas anfangen kann – und wer kann das schon nicht?“ – der hat hier zumindest ein paar ganz gelungene Gags, die zudem noch von einem wunderbar harmonierenden Duo getragen werden. Denn Bryan Cranston und James Franco spielen sich die Bälle nur so zu. Wären sie nicht die Hauptdarsteller, der Film hätte wohl nicht überzeugt. So macht es aber schlicht Spaß, den beiden zuzusehen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: John Hamburg
  • Drehbuch: John Hamburg, Ian Helfer
  • Stars: James Franco, Bryan Cranston
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