deensvtr

La La Land

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Schon mit „Whiplash“ hat Autor und Regisseur Damien Chazelle bewiesen, dass er nicht nur eine enorme Passion für Musik hat. Sondern es auch versteht, sie filmisch so umzusetzen, ...
 
... dass der Zuschauer schlichtweg in den Bann gezogen wird. „Whiplash“ scheint im direkten Vergleich mit „La La Land“ aber nur die Fingerübung gewesen zu sein, sein wahres Meisterwerk präsentiert Chazelle nun mit Emma Stone und Ryan Gosling in den Hauptrollen.
 
Durchs Leben tanzen
 
Erfolg hat die Schauspielerin Mia (Emma Stone) noch nicht, als sie den Pianisten Sebastian (Ryan Gosling) kennenlernt. Er liebt den Jazz über alles und träumt davon, einen eigenen Club zu eröffnen. Beide treffen sich mehrmals, bevor sie wirklich miteinander ausgehen.
 
Sie folgen jeder für sich ihren Träumen, finden aber ineinander die große Liebe. Doch dann wird Sebastian erfolgreich. Er tourt mit einer Band durchs Land, was nicht nur heißt, dass die Liebenden sich kaum noch sehen, sondern dass er drauf und dran ist, seinen eigenen Traum zu verraten. Schon bald kommt es zur Zerreißprobe für die Liebenden, die in verschiedene Richtungen ziehen. Kann das gut gehen?
 
Aus der Zeit gefallen
 
Chazelle liebt die großen Hollywood-Musicals der 1950er Jahre. Dementsprechend wollte er einen Film realisieren, der sich vor diesen verbeugt, aber zugleich eine moderne Neuinterpretation ist. Damit einher geht ein anachronistisches Gefühl, das sich nicht nur durch die Tanz- und Gesangseinlagen einstellt, sondern auch durch das Dekor.
 
Die Kostüme sind grandios. Sie erinnern an eine andere Zeit. Besonders Ryan Goslings Figur scheint nicht ins 21. Jahrhundert zu gehören. Auch Stone trägt Kleider, die etwas altmodisch anmuten. Die beiden Akteure komplimentieren damit einander und stellen sich gegen eine moderne Welt. Chazelle frönt – ebenso wie die männliche Hauptfigur – dem Art Deco.
 
 
Zudem hat er beschwingt locker inszeniert und bietet eine extrem vitale, lebendige und dynamische Kamera. Das zeigt sich schon bei der wunderbaren Eingangssequenz, wenn auf einem Highway der Stau von allen genutzt wird, um in eine Tanzroutine zu verfallen, die sich gewaschen hat. Man merkt es bei dieser Eingangssequenz erst spät, erkennt es dann aber weiteren Musical-Einlagen sehr gut: Chazelle hat hier in einer Einstellung inszeniert. Wenn es Schnitte gab, dann nur verborgene, an sich sind die Tanzsequenzen aber choreographischer Triumph, bei dem den Akteuren alles abverlangt wurde.
 
Hingabe
 
Es sind aber nicht nur die komplizierten Choreographien, die gefallen. Generell hat „La La Land“ ein Auge fürs Detail. Großartig ist der Moment, in dem man sieht, wie Gosling Piano sieht. Gosling hat es für den Film gelernt, so dass die Kamera in einer fließenden Bewegung zeigen kann, wozu er fähig ist, wo andere Filme auf einfache Schnitte hätten zurückgreifen müssen.
 
„La La Land“ ist ein märchenhaft schöner Film, aber er kommt nicht mit dem Zuckerguss daher, der Musicals früher inne war. Stattdessen erzählt Chazelle eine realistische Geschichte, bei der er nicht darauf abzielt, es allen recht zu machen. Im Gegenteil, er findet ein konsequentes, ehrliches, schmerzlich-schönes Ende, das dem Werk mehr als angemessen ist. Und das umso mehr, weil er dem Zuschauer noch eine andere Version offeriert, einen Traum von dem, was hätte sein können, aber nicht war.
 
 
Fazit
 
„La La Land“ ist eine huldvolle Verbeugung vor der großen Zeit der Musicals, zugleich aber auch ein sehr ehrlicher Film. Er ergeht sich nicht in den Zynismen, die das heutige Kino so häufig auszeichnet, sondern präsentiert eine gefühlvolle und authentische Geschichte, die immer dann ins Märchenhafte abgleitet, wenn die Tanz- und Gesangseinlagen kommen. Die sind visuell und akustisch atemberaubend.
 
Chazelles Film ist ein Kunstwerk von immenser Pracht und Schönheit, von der man schlicht und ergreifend mitgerissen wird. Einer der ganz großen Kinofilme des Jahres!
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Why Him? Die Idee für die Geschichte von „Why Him?“ hatten Jonah Hill und Regisseur John Hamburg schon vor einiger Zeit. Auch damals war die Story an sich schon recht ausgelutscht, ...   ... denn gerade diese Art Film, in der der Vater einer Frau mit dem Schwiegersohn in spe so...
Florence Foster Jenkins Florence Foster Jenkins ist ein stimmiger Film über eine facettenreiche Frau.   Florence Foster Jenkins ist ein stimmiger Film über eine facettenreiche Frau. Meryl Streep spielt in der Hauptrolle mal wieder so gut, dass ihr die Oscar-Nominierung fast sicher ist. Aber auch alle anderen Da...
Voll Verkatert Dass die Eindeutschung eines ausländischen Films teilweise auch dessen Wirkung gänzlich verändern kann, wird häufig übersehen.   Besonders bei Komödien lässt sich dies beobachten, da manche Gags nur im Original funktionieren oder sogar die deutsche Fassun...
Office Christmas Party Einen wunderschönen Weihnachtsfilm für die ganze Familie präsentiert uns Constantin Film in der Vorweihnachtszeit…   Ja, okay, vielleicht nicht ganz. „Office Christmas Party“ ist eine Weihnachtskomödie mit „Hangover“-Ambitionen, die den sch...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Damien Chazelle
  • Drehbuch: Damien Chazelle
  • Stars: Ryan Gosling, Emma Stone
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…
hnews mdamon trauer
"Kent Damon hat den langen Kampf gegen den Krebs verloren!" Diese weniger erfreuliche Mitteilung veröffentlichte Matt Damon´s Pressesprecher…
hnews jgblum
„Wenn man älter wird, geht ein Sommer nur so vorbei – bomb-ding, bomb-dang. Und dann ist es plötzlich September – bam-dat sca-dat – wissen Sie, was…
hnews hsolo rh
Ron Howard ist der Regisseur des immer noch titellosen “Star Wars”-Ablegers zu Han Solo. Dank Howard und dessen Twitter-Konto wissen wir, dass die…
hnews br 1
Am 27. Dezember 2018 kehrt eine der größten Musik-Ikonen aller Zeiten auf die große Leinwand zurück! In BOHEMIAN RHAPSODY verkörpert Rami Malek („Mr.…
hnews jfranco1
Elysium Bandini Studios ist in Hollywood einzigartig. Das Filmstudio produziert nämlich nicht für den größtmöglichen Gewinn, sondern für den guten…
hnews bond craig
Endlich gibt es Klarheit: Daniel Craig, der seit “Casino Royale” 2006 den smarten Agenten im Auftrag seiner Majestät mimt, wird noch einmal zu “007”!…
hnews 007 re
Fans von James Bond sollten sich den 8. November 2019 rot im Kalender markieren. Dann kommt der 25. Bond-Film ins Kino, wie “The Hollywood Reporter”…
laff srm header2
“Jetzt haben wir es geschafft, sind aber auch fast pleite”, lacht Gabriele Hayes, als FantasticMovies sie zur Premiere ihrer Dokumentation “Skid Row…
laff header1
Kurioserweise findet das Film Festival von Los Angeles nicht in Hollywood, sondern im ziemlich verschlafenen Stadtteil Culver City im Südwesten der…
hnews mioe
Regisseur Kenneth Branagh ist es gelungen, zur Neuverfilmung des Klassikers "Mord im Orient Express", nach dem gleichnamigen Bestseller von Agatha…
hnews duniverse
Das „Dark Universe“ wird uns das Fürchten lehren! Zum Kinostart von DIE MUMIE hat Universal Studios das geplante Filmuniversum rund um die legendären…
hnews mmia2a
"Mamma mia, here we go again" - unser liebster Musical-Film kommt zurück! Universal Pictures bringt nächsten Sommer die Fortsetzung zu "Mamma Mia" in…
hnews pmc1
Paul McCartney ist bereit, in See zu stechen! Der Sänger teilte auf seinem Twitter-Profil das erste offizielle Foto in Piraten-Kostüm. Mit langem…