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Werk Ohne Autor - Kinostart: 03.10.2018

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Das Klischee kursiert schon lange und hält sich ...
 
... eisern: Deutsche Filme sind schlecht. Mit Werk ohne Autor ist jedoch ein Film auf die Leinwand gebracht worden, der es schaffen kann, seine Zuschauer umzustimmen.
 
Der Film ist ein Kunstwerk – man kann darin das sehen, was man gerne sehen möchte
 
Die Handlung des Filmes basiert auf dem Leben des Künstlers Gerhard Richter. Jedoch dient dies nur zur Inspiration, vieles wurde zusätzlich erfunden. So geht der Streifen auch über eine typische Biographie hinaus und erzählt eine spannende Geschichte. Jeder Zuschauer kann sich hier einen Aspekt herausgreifen, der ihn besonders interessiert – so könnte so mancher beispielsweise den Film als eine Antwort aufgreifen, darauf, wie man denn Künstler wird.
 
Ob man dazu besonders schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben muss, von denen man der Welt später – verschlüsselt, in einem Kunstwerk - erzählen kann. Auf Kurt Barnert, die Hauptfigur des Films, trifft das zu, er verliert bereits in jungen Jahren durch die Herrschaft der Nationalsozialisten mehrere Mitglieder seiner Familie. Hier kommt der Teil der Zuschauer auf seinen Geschmack, der sich für historische Filme interessiert, da die verschiedenen Zeitgeister des 20. Jahrhunderts sehr authentisch gezeigt werden. Zufälligerweise und ohne, dass Kurt davon einen blassen Schimmer hätte, wird einer der Hauptverantwortlichen der Morde später sein Schwiegervater: der Arzt, der veranlasst hat, Kurts Lieblingstante Elisabeth aufgrund von angeblicher Schizophrenie zu vergasen.
 
Als wäre dies nicht schlimm genug, versucht besagter Schwiegervater Kurts Beziehung zu zerstören, indem er an seiner eigenen Tochter ohne deren Wissen eine Abtreibung vornimmt. Kurt habe mehr gesehen, als andere, wird ihm später einmal unterstellt und das eben Aufgezählte ist nur ein Auszug aus seinen Schicksalsschlägen. Vielleicht aufgrund seines Talents, vielleicht aus Aussichtslosigkeit auf etwas anderes oder vielleicht auch, um diese Ereignisse zu verarbeiten, beginnt Kurt Malerei zu studieren und lässt die Zuschauer an seiner Entwicklung zum erfolgreichen Künstler teilhaben.
 
Keine einzige überflüssige Sekunde
 
Das muss dem Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck erstmal nachgemacht werden, dass man sich während seines dreistündigen Werks in keiner Sekunde langweilt. Im Gegenteil, die Zeit vergeht wie im Flug und nach Sichtung des Filmes ist man ganz erstaunt, dass dieser bereits zu Ende ist. Bestimmt liegt das auch an dem überzeugenden Drehbuch, dass reichlich mit Ereignissen und vor allem Konfliktsituationen gefüllt ist. Alleine die Frage, was aus Kurt wird, ob seine Malerei Erfolg hat, trägt bereits durch den Film. Noch dazu kommen die Spannungsmomente, wenn die kriminelle Vergangenheit von Kurts Stiefvater aufzufliegen droht.
 
 
Authentische Figuren
 
Bestimmt gründet die Freude am Film auch darin, dass man als Zuschauer nicht das Gefühl bekommt, etwas zu müssen. Es gibt keine Botschaft, die einem zu offensichtlich entgegengeschleudert wird, der Film wirkt nicht, als wollte er einen auf seine Seite ziehen, sondern als wollte er einfach nur erzählen. Wie es im Titel heißt: Ein Werk ohne Autor – ein neutraler Streifen, der berichtet. Hier wird nichts verschwiegen und verschönert, selbst Elisabeths Vergasung ist zu sehen. Jedoch wird man als Zuschauer niemals gezwungen, eine ganz bestimmte Erkenntnis zu haben; man darf den Figuren einfach beim Leben zusehen. Und es wirkt tatsächlich wie deren echtes Leben, was u.a. an der großartigen Leistung der Schauspieler liegt (vor allem Saskia Rosendahl als Tante Elisabeth). Aber auch daran, dass die Figuren vielschichtig sind und alle ihr kleines Päckchen tragen, wodurch man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. So erscheint beispielsweise der Leiter von Kurts Kunstakademie in Düsseldorf erst sehr kurios, da sich seine Kunst ausschließlich aus Fett zusammensetzt. Im Laufe des Filmes wird jedoch deutlich, warum den Professor das so sehr beschäftigt und dem Zuschauer werden tiefe Einblicke in dessen Innenleben geboten.
 
 
Negatives gibt es immer
 
Selbstverständlich ist kein Film perfekt. Hier könnte man beispielsweise bemängeln, dass Frauen sehr passiv dargestellt werden. Kurt lernt seine Frau während seines Studiums kennen. Im Laufe des Filmes kann man nur verfolgen, was ihn beschäftigt und wie er Karriere macht. Was sie beispielsweise über deren verlorenes Kind oder ihren (kriminellen) Vater denkt, bleibt geheim. Noch dazu unterstützt der Film das Format „Der Mann ist erfolgreich, geht arbeiten und kümmert sich um das Geld, die Frau um die Familie“, da nicht gezeigt wird, ob sie ihren künstlerischen Leidenschaften und Talenten ebenfalls erfolgreich nachgeht. Allerdings muss hierzu gesagt, sein, dass der Film nicht im Hier und Jetzt, sondern im 20. Jahrhundert spielt, also noch ein anderes Denken repräsentiert. Zudem liegt der Erzählfokus auf Kurt, weswegen es durchaus sein kann, dass auch seine Frau Erfolge feiert, man es als Zuschauer nur einfach nicht mitverfolgen kann.
 
 
Zu Recht ein Oscar Kandidat
 
Werk ohne Autor erzählt eine spannende Geschichte, der man aufgrund ihrer liebevollen, poetischen Machart unglaublich gut zugucken kann. Der Film bietet viel Spielraum für eigene Interpretationen und deswegen auch bunte Farben für ein breit gemischtes Publikum. Die authentischen Figuren lassen den Streifen beinahe real erscheinen. Ein Film, der es absolut verdient, im Gespräch für die Oscars zu sein!
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Katharina Mühl
  • Regisseur: Florian Henckel von Donnersmarck
  • Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck
  • Besetzung: Tom Schilling, Paula Beer
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