deensvtr

Aquaman - Kinostart: 20.12.2018

Artikel bewerten
(43 Stimmen)
Nachdem man uns letztes Jahr mit „Wonder Woman“ angenehm überrascht ...
 
... und mit „Justice League“ wieder enttäuscht hat, stellt sich natürlich die Frage, ob der neueste Film aus dem DC-Universum ein Schlag ins Wasser ist ...
 
Way down below the ocean …
 
Arthur Curry ist der Sohn eines Leuchtturmwärters und einer Prinzessin aus Atlantis. Deshalb kann er nicht bloß unter Wasser atmen, er kann auch mit Meereslebewesen kommunizieren und verfügt sowohl im Wasser als auch an Land über übermenschliche Kräfte, Geschwindigkeit und Widerstandsfähigkeit. Leider gelten für Superhelden die gleichen Regeln wie für Disneyfiguren; sie dürfen keinen vollständigen Satz Eltern haben. Daher musste Arthurs Mama auch schon vor langer Zeit ins Meer zurückkehren. Auf dem Grund des Meeres plant mittlerweile sein Halbruder, König Orm, den totalen Krieg gegen alle Landbewohner. Weil in der Verfassung von Atlantis für solche Fälle ein Prozedere vorgesehen ist, braucht er dazu aus formalrechtlichen Gründen die Unterstützung weiterer atlantischer Königreiche (davon gibt es nämlich einige).
 
Da passt es König Orm natürlich gar nicht, dass plötzlich sein Halbbruder auftaucht (also eigentlich „abtaucht“, weil der ja von der Oberfläche nach unten … naja, lassen wir das). Auch widersprüchliche Königsansprüche sind in Atlantis gesetzlich geregelt. Es muss zu einem Kampf zwischen den Halbbrüdern kommen, dann zu einer Flucht, dann muss sich Aquaman mit Prinzessin Mera auf die Suche nach dem verschollenen Dreizack des ersten Königs von Atlantis machen, dann kommt es zu weiteren Kämpfen mit unterschiedlichen Gegnern, irgendwann werden neue Verbündete gefunden, Aquaman muss sich beweisen, dann kommt es zu einer großen Schlacht und so weiter und so fort und nach knapp zweieinhalb Stunden bekommen wir dann auch die überflüssigste Mid-Credit-Scene der Filmgeschichte zu sehen.
 
Unter dem Meer, unter dem Meer …
 
„Aquaman“ ist natürlich kein schlechter Film. Kaum etwas daran ist komplett misslungen. Aber während 143 Minuten bekommt man schlicht nichts zu sehen, was irgendwie originell wäre. Oder wirklich witzig. Oder wenigstens irgendwie cool. Natürlich ist die Story ziemlicher Unsinn. Das ist bei anderen Superheldenfilmen auch nicht anders. Aber was wir hier an Handlung geboten bekommen, ist zum Teil recht schlecht geklaut. Nicht nur einzelne Szenen, sondern ganze Handlungsstränge erinnern an bessere Filme und Filmserien. Und zwar nicht nur an die naheliegen Vorbilder. Ich fühlte mich mehr als einmal an „Findet Nemo“ erinnert. Übrigens, wer sich den Namen des bösen Halbbruders nicht merken kann, kann ihn auch einfach „nasser Loki“ nennen. Mache ich genauso.
 
Was nicht „entliehen“ ist, ist oft einfach nur langweilig. An einer Stelle erzählt ein Pirat namens „Manta“ mitten in einem Überfall auf ein russisches Atom-Unterseeboot seinem Sohn, der wohl auch „Manta“ heißt, von dessen Großvater, der auch „Manta“ hieß ohne das diese Geschichte irgendwo hinführen würde. Gut, mir gibt das die Gelegenheit zu einem kleinen Kfz-Wortspiel wenn ich den Großvater „Opa Manta“ nenne. Aber dafür haben sich die Filmemacher ja wohl nicht die ganze Mühe gemacht, oder?
 
Überhaupt wird in diesem Film sehr viel Dialog gesprochen. „Aquaman“ ist einer dieser Filme, in denen alles was gezeigt wird, auch erklärt wird. Manchmal bevor es gezeigt wird, manchmal danach und meistens sowohl davor als auch danach. In einer Sequenz sprechen Mera und Aquaman davon, sich demnächst in einen „Graben“ am Meeresboden begeben zu müssen. Der „Graben“, so wird uns minutenlang erklärt, sei nämlich sehr gefährlich, weil die Bewohner des „Königreichs des Grabens“ sehr gefährlich sind. Wir hören, dass man nun bald am „Graben“ ankommen werde und schon werden Heldin und Held auf ihrem Boot von gefährlichen Kreaturen angegriffen, die von Mera als Bewohner des „Grabens“ identifiziert werden. Daraufhin tauchen die beiden ganz tief hinab, in einen Spalt am Meeresgrund, den man durchaus auch als „Graben“ bezeichnen könnte. Dort angekommen wird dann auch noch der Schriftzug „Königreich des Grabens“ eingeblendet. Und so geht das den ganzen Film.
 
Somewhere beyond the sea …
 
Es ist immer wieder die Regie, die jede Spannung und Originalität vermissen lässt. James Wan hat nach dem großartigen „Saw“ zuerst das formelhafte Rachedrama „Death Sentence“ inszeniert. Danach kamen die formelhaften Horrorfilme „Conjuring 1 und 2“ und „Insidious 1 und 2“. Dazwischen inszenierte er „Fast & Furious 7“ der so formelhaft war, dass er von anderen Filmen der Serie praktisch nicht zu unterscheiden ist.
 
 
Alles was in „Aquaman“ zu sehen ist, von den Actionszenen, über die romantischen Szenen bis zu den Sequenzen rund um die Machtspiele unter Wasser, hat man schon dutzende Male gesehen. Und meistens besser. Und wenn einem etwas nicht längst bekannt vorkommt, muss man sich über die Regieentscheidungen manchmal sehr wundern. Warum ist Aquaman als Neunjähriger einen ganzen Kopf kleiner als all seine Klassenkameraden? Jason Momoa ist 193 cm groß. Hat Aquaman erst mit 25 zu wachsen aufgehört? Warum löst ein Tsunami Feuer und Explosionen aus? Warum wird immer wieder von Atlannas „Dreizack“ gesprochen, wenn das Ding doch, wie jeder sehen kann, fünf Zacken hat? Warum trägt Aquaman plötzlich die Klamotten eines Toten? Und was sollen die eingeblendeten Statistiken beim Zweikampf zwischen den Halbbrüdern? Wird der Kampf etwa von HBO übertragen? Oder bloß von RTL?
 
Bei Blockbustern, und vor allem bei Superheldenfilmen, kommt es vor allen auf den Look an. Aber visuell hat „Aquaman“ nicht viel zu bieten. Natürlich sind die computergenerierten Effekte nicht schlecht. Aber der größte Teil des Films spielt tief unter Wasser, im Halbdunkel. Und auch an Land wird nur einmal bei Tageslicht gekämpft. Alle anderen Actionsequenzen finden bei Regen und nachts statt. Das erinnert an die Blockbuster der Neunziger Jahre, wie „Jurassic Park“ und „Godzilla“. In diesen Filmen war es auch immer dunkel und meistens regnerisch, weil auf die Art damals die computergenerierten Effekte leichter zu errechnen waren.
 
Was wir im Halbdunkel zu sehen bekommen ist dann auch nicht wirklich beeindruckend. Die Bewohner von Atlantis reiten auf Buckelwalen mit Killerwalzähnen, Megalodons, Liopleurodons und elefantengroßen Seepferdchen. Warum diese Riesenseepferdchen 4 Beine haben und was diese Beine unter Wasser wohl bringen sollen, bleibt ungeklärt. Die Bewohner des „Grabens“ sehen den Aliens aus der gleichnamigen Filmreihe ein bisschen sehr ähnlich und ein Riesenmonster erinnert zu sehr an das Tier aus „Kampf der Titanen“. Die Rüstungen der atlantischen Soldaten lassen diese wie „Power Rangers“ aussehen. Sowas trägt auch nicht zu einem coolen Look bei.
 
Meerschaum und Abschaum
 
Jason Momoa hat Aquaman bereits in zwei Filmen verkörpert. Der Biker-Look steht ihm gut, die blonden Strähnen weniger. Das Kostüm im letzten Akt soll wohl an die Optik der Comics erinnern. Über Momoas schauspielerische Fähigkeiten lässt sich nicht viel sagen. Der Held dieses Films hat ironisch zu lächeln und zu kämpfen, sonst nichts.
 
Und auch Amber Heard hat als Mera nicht viel zu tun. Sie muss vor allem wie eine Mischung aus Arielle und Lara Croft aussehen. Das schafft Frau Heard so halbwegs, mehr aber auch nicht.
 
Willem Dafoe spielt seit mehr als drei Jahrzehnten entweder coole Charaktere („Platoon“, „Leben und Sterben in L.A.“) oder komplett durchgeknallte Typen („Straßen in Flammen“, „Wild at Heart“, „Spiderman“ und zu viele andere Filme, um sie aufzuzählen). Sein Talent hier in einer nichtssagenden Rolle komplett verschwendet zu sehen, ist die einzige Überraschung in einem Film, der ansonsten praktisch frei von Überraschungen ist.
 
Patrick Wilson hingegen hat bereits in so unterschiedlichen Filmen wie „Das Phantom der Oper“, „Little Children“ oder „Das A-Team“ immer wieder Armleuchter gespielt. Und auch hier schafft er es nicht, die Rolle des bösen Halbbruders Orm interessant zu gestalten. Wenn der Film dann die Rückkehr der Figur in der Fortsetzung eindeutig ankündigt, lässt uns das komplett kalt.
 
 
Fazit
 
„Aquaman“ ist mit großem Aufwand hergestellte Dutzendware. Nicht eine Szene reißt einem vom Hocker. Nicht ein Gag lässt einen laut loslachen. So bleibt – trotz des vielen Wassers – jedes Auge trocken.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Shape of Water Die meisten Hollywoodfilme sind "Produkte". Sie werden "produziert" wie ...   ... Autos, Kaugummi, Möbel oder andere Konsumgüter. Guillermo Del Toro hat mit seinem neuesten Film wieder mal kein Produkt, sondern ein Kunstwerk geschaffen.   You'll Never Know   In ...
Plan B - Scheiss auf Plan A Was man „Plan B – Scheiß auf Plan A“ zumindest zugutehalten muss, ist der Umstand, ...   ... dass hier versucht wurde, einen Film abseits der typischen deutschen Genres zu produzieren. Hier gibt es reichlich Action, kombiniert mit ein paar Gags – und das alles ...
Venom - Kinostart: 03.10.2018 Tom Hardy als Marvel-Antiheld: Im Spider-Man-Spin-off ...   ... „Venom“ liefert der britische Charaktermime eine fulminante Berserker-Performance ab, kann mit seinem zügellosen Auftritt aber nicht kaschieren, dass es an allen Ecken und Enden knirscht. Wer sich auf eine star...
Deadpool 2 - Kinostart: 17.05.2018 Dass „Deadpool“ eine Fortsetzung erfahren würde, stand schon fest, bevor ...   ... der erste Teil in die Kinos kam. Nun kommt der zweitbeste … Verzeihung, … der zweite Teil in die Kinos.   Wolverine, Yentl, James Bond, ….   Deadpool i...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: James Wan
  • Drehbuch: Will Beall
  • Besetzung: Jason Momoa, Amber Heard
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…
hnews dumbo tburton
Diese Woche hat Disney den Teaser-Trailer für seine neueste Live-Action-Adaption eines animierten Klassikers veröffentlicht: Dumbo. Basierend auf dem…
hnews 007ds
Daniel Craig wird als 007, der legendäre britische Geheimagent, zurückkehren. Und der mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur Danny Boyle (Slumdog…
hnews 2019
2019 scheint gefühlt noch ziemlich weit weg zu sein, aber in Hollywood ist man schon jetzt damit beschäftigt, die nächsten Blockbuster zu…
hnews i5ds
Regisseur Steven Spielberg höchstpersönlich hat in seiner Dankesrede am 18.03.2018 bei den „Rakuten TV Empire Awards“ bestätigt, dass die…
hnews oscar2018
Die Oscars haben ihren 90. Geburtstag gefeiert. Und das politisch sehr korrekt und anfangs auch noch ziemlich unterhaltsam, doch dann wurde die…
bp mag header
Fans auf der ganzen Welt können Tom Cruise nun so nah sein wie nie zu vor, denn ab sofort betreibt er seinen ersten offiziellen Instagram-Channel…
hnews mm wof
Am 22. Januar 2018 ehrte die Handelskammer von Hollywood Disneys Minnie Maus offiziell mit einem Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“. Zu den…
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…
hnews mdamon trauer
"Kent Damon hat den langen Kampf gegen den Krebs verloren!" Diese weniger erfreuliche Mitteilung veröffentlichte Matt Damon´s Pressesprecher…