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Hard Powder - Kinostart: 28.02.2019

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Liam Neeson, dieser großartige Charakterschauspieler, ist seit einiger Zeit alle ein bis zwei ...
 
... Jahre immer wieder in mittelmäßigen, irgendwie schrägen Actionkrimis zu sehen. Tja, wie es aussieht, ist es mal wieder so weit.
 
„Sind sie schon müde, alter Mann?“
 
„Hard Powder“ ist kein Spielfilm. „Hard Powder“ ist ein Hilferuf. Vor mehr als zehn Jahren hat Liam Neeson, bis dahin ein untadeliger, kompetenter Filmschauspieler, einen schweren Fehler begangen. Dieser Fehler sollte sein Leben und die Filmwelt für immer verändern. Wie ein dummer Teenager, der sich von seinen Freunden zum Saufen überreden lässt, hat er sich von Produzent Luc Besson überreden lassen, in einem dummen, menschenverachtenden Actionkrimi mitzuspielen. Ich kann mir gut vorstellen, wie Besson auf den naiven Neeson eingeredet hat, wie er ihn weich gequatscht hat, mit seinem schweren französischen Akzent: „Komm schon, mon ami, alle coolen Leute in ´ollywood machen sowas. Und denk bloß an die viele Geld. Jeder braucht doch Geld, d’accord?“
 
Der Film, zu dem sich Liam Neeson hatte überreden lassen, hieß „Taken“. Neeson, dieser feine Charakterdarsteller musste in diesem Machwerk nicht bloß kaltblütig foltern und morden. Nein, er musste in dem Film noch eine viel schlimmere Sünde begehen; er musste so ganz nebenbei und kaltlächelnd das Kinopublikum für dumm verkaufen. Und weil das damals so gut und auch danach noch ein paar so halbwegs funktioniert hat, hat Liam Neeson natürlich lange Zeit nicht gemerkt, was sich für ihn zu einem Problem entwickelt hat.
 
Man kennt das von langjährigen Quartalssäufern; die meinen ja auch immer bloß lustig und gesellig zu sein, wenn sie sich bei Hochzeiten, Firmenfeiern und Volksfesten regelmäßig volllaufen lassen. Und es kann ja auf schräge Art und Weise witzig sein, bei solchen Gelegenheiten immer jemanden dabei zu haben, der unpassende Witze macht und mit nacktem Hintern auf der Tanzfläche abgeht, bevor er dann in eine Blumenvase kotzt. Und so ähnlich war auch „Taken“ auf seine frauenfeindliche, komplett durchgeknallte Art durchaus unterhaltsam. Einige Zeit später war „Non-Stop“ herrlich schräg, nicht obwohl, sondern gerade, weil Neesons Figur auf einem Transatlantikflug gleich mehrere Leute ermordet hat. In „Taken 2“ hat dann eine hysterische siebzehnjährige Amerikanerin in Istanbul Handgranaten aus dem Hotelfenster geworfen ohne dass es jemanden gestört hätte. Viel durchgeknallter geht es nicht mehr.
 
Aber als Neesons Figur in „Taken 3“ Sachschäden in Millionenhöhe angerichtet und einige Dutzend Polizeibeamte schwer verletzt oder umgebracht hat, ohne dafür behelligt zu werden, konnte man das Problem nicht mehr ignorieren. So wie man einem Trinker irgendwann erklären muss, dass es noch durchgehen mag, auf einem Volksfest hinter den Autoscooter zu kotzen, es aber ein Anzeichen für ein schlimmes Problem ist, wenn man bei einer Kindstaufe ins Taufbecken pinkelt, so hätte damals jemand Herrn Neeson zur Seite nehmen müssen, um ein ernstes Wort mit ihm zu reden.
 
“What are you doing?”
 
“My job“ Natürlich hat auch „Hard Powder“ einiges zu bieten, das auf schräge Art durchaus unterhaltsam ist. Ein Mord auf einer aufblasbaren Couch liefert ein ebenso skurriles Bild wie ein Zwanzig-Dollar-Schein mit einem Einschussloch darin. Aber in jeder dieser Szenen geht es um kaltblütige, brutale Morde, die uns mit einer Nebensächlichkeit gezeigt werden, als wäre das gewaltsame Ende eines Menschenlebens so wenig besonders, dass es nur als Material für halblustige Gags taugt.
 
Auch die Dialoge entlocken einem durchaus zuweilen ein Schmunzeln. Wenn der Gangsterboss seinen Sohn belehrt, obwohl er die Botschaft von „Herr der Fliegen“ ganz offensichtlich komplett falsch verstanden hat, ist das witzig. Oder wenn sich Gangster über Etikette nach einer Entführung unterhalten. Aber schon die Geschichte eines Hausmeisters ist nicht nur ekelhaft und frauenfeindlich. Sie trägt auch nichts zur Handlung bei.
 
 
The things we do for love
 
Bereits das Drehbuch zu “Taken“ war damals offensichtlich von einem Mann geschrieben worden, der kurz zuvor eine wirklich üble Scheidung samt Sorgerechtsstreit hinter sich gebracht hatte. Einen vergleichbar frauenfeindlichen Film hatte man 2008 schon lange nicht mehr gesehen. Danach dann noch öfter, weil Liam Neeson sein Problem ja, wie bereits erwähnt, lange nicht wahrhaben wollte.
 
Auch „Hard Powder“ hat es wieder in sich. Die Ehefrau der Hauptfigur ist eine verständnislose Kuh, die den Mann in der Krise verlässt, um dann nie wieder erwähnt zu werden. Die zickige Exfrau des Gangsterbosses droht dauernd mit dem Anwalt, bleibt aber geduldig, nachdem ihr Sohn entführt wurde. Emmy Rossum spielt eine Polizeibeamtin, deren ehrgeiziger Opportunismus geradezu widerlich wirkt. Aber was will man von einer Frau in einem Männerberuf auch anderes erwarten? Dann sehen wir noch eine Witwe, die auf das Grab ihres Mannes spuckt. Und eine Unterhaltung unter Gangstern, darüber wie man Zimmermädchen in Hotels am einfachsten sexuell ausbeutet, fällt dann so menschenverachtend aus, dass man es kaum erwarten kann, bis die beiden abgemurkst werden.
 
Und abgemurkst werden die beiden. Darauf kann man sich verlassen. Ich habe nicht mitgezählt wie viele Menschen in diesem Film gewaltsam ums Leben kommen. Das wäre auch zu anstrengend gewesen. Deutlich einfacher ist es, zu zählen wie viele Leute am Ende des Films noch leben. Sind es sechs oder sieben? Nein, es sind doch bloß sechs. Die Filmemacher hielten es für witzig, uns am Ende noch einen sinnlosen, gewaltsamen Tod quasi als „Rausschmeißer“ mit auf den Weg zu geben. So oder so, man sieht genug Menschen umkommen.
 
Spoiler (ich mach sowas wirklich ungern)
 
Wovon man nicht viel zu sehen bekommt, das ist Liam Neeson. Aufmerksamen Filmfans wird nicht entgehen, wie selten der Star des Films tatsächlich im Bild ist. Offensichtlich hat Liam Neeson nur für einen vergleichsweise kleinen Teil der Drehzeit zur Verfügung gestanden. Hatte der Hauptdarsteller vielleicht nicht allzu viel Lust, seine Zeit an ein Machwerk zu verschwenden, in dem er nicht bloß - wieder einmal - kaltblütig foltert und mordet, sondern sogar tatsächlich ein unschuldiges Kind entführt? Jawohl, der … ähem … „Held“ dieses Films entführt ein unschuldiges Kind. Kann man ja mal machen. Wieso auch nicht? Der Zweck mittelt das Heil, oder wie das heißt …
 
Vermutlich hat Liam Neeson irgendwann mittendrin dann doch bemerkt, auf was er sich da eingelassen hat. Natürlich kann man Dreck wie „Hard Powder“ nicht mit Meisterwerken wie „Schindlers Liste“, „Tatsächlich … Liebe“ oder „Königreich der Himmel“ vergleichen. Aber man kann diesen Film ja nicht mal mit weniger gelungenen Filmen aus Neesons Karriere wie „Ein Herz & eine Kanone“, „Ted 2“ oder „Star Wars – Episode I“ vergleichen. Man kann „Hard Powder“ überhaupt nicht mit anderen Spielfilmen vergleichen. Weil „Hard Powder“ tatsächlich gar kein Spielfilm ist, sondern bloß Liam Neesons Art der Welt zu zeigen, wie schlimm sein Problem mittlerweile geworden ist. „Hard Powder“ ist ein Hilferuf eines verzweifelten Menschen, der sein Leben allein nicht mehr in den Griff bekommt. Wir wollen hoffen, dass Liam Neeson bald die Hilfe findet, die er so dringend braucht.
 
 
Fazit
 
Natürlich kann man sich „Hard Powder“ im Kino ansehen. Genauso kann man zusehen, wie sich ein Säufer auf einer Feier sinnlos betrinkt, dann die Gastgeberin belästigt und eine Schlägerei anfängt. Menschen mit Stil und Lebensart betrachten sowas aber nicht als Unterhaltung.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Hans Petter Moland
  • Drehbuch: Frank Baldwin
  • Besetzung: Liam Neeson, Emmy Rossum
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