deensvtr

White Boy Rick - Kinostart: 07.03.2019

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Drogen. Bandenkriminalität. Korruption. Matthew Mcconaughey.
 
Da sollte doch eigentlich nichts schief gehen. Schauen wir mal…
 
Aufstieg und Fall
 
Irgendwann in den 80ern. Detroit. Reagan-Ära. Die Depression in der Motor City der USA ist an allen Ecken deutlich spürbar. Die Kriminalitätsrate geht durch die Decke - Drogen und Mord geben in den Straßen den Ton an. Irgendwo in diesem Sumpf versucht Richard Wershe (Matthew Mcconaughey) sich mit kleinen Waffenschiebereien über Wasser zu halten. Sein Sohn, Richard Wershe Junior (Richie Merritt) ist 14 und lernt von seinem Vater alles für ein Leben auf der Straße. Alles für den schnellen Dollar. Als irgendwann Undercover-Cops den Jungen mit Geld locken, um Drogendealer zu bespitzeln, greift er natürlich zu. Und so wird aus Richard Wershe Junior der jüngste Drogendealer und Polizeiinformant: White Boy Rick.
 
Soweit die Basis des Films mal - ohne zu spoilern. Basierend auf dem realen Schicksal des Richard Wershe Junior, der nun bereits seit fast 30 Jahren im Gefängnis sitzt, wird im Film der tragische Werdegang Wershes vom kleinen Informant zum erfolgreichen Drogenboss porträitiert. Der Trailer im Vorfeld ließ auf ein Crime-Drama à la „Donnie Brasco“ oder „Goodfellas“ hoffen. Denn der Fall „White Boy Rick“ beschäftigt Behörden und Bevölkerung der USA gleichermaßen – auch Jahrzehnte nach der Inhaftierung Wershes. Somit bietet der Fall genügend brisantes Material für einen Blockbuster dieser Größenordnung.
 
Aber leider weit gefehlt…
 
Schwarz und Weiß
 
…denn „White Boy Rick“ macht aus all den Möglichkeiten nicht wirklich was. Konzentriert wird sich nur auf den Aufstieg und Fall, bis der böse Bube im Gefängnis sitzt. Schade, denn was bis zum heutigen Tag (!) noch für neue und haarsträubende Entwicklungen im Leben des Richard Wershe Junior ans Tageslicht kommen, wäre schon eine TV-Serie wert. Aber naja. Wir sind bereits 10 Minuten im Film und es sind schon alle Charaktere und deren Motive klar. Viel mehr Background gibt es dann später im Film auch nicht mehr für den Zuschauer. Ich habe also keine große Verbundenheit zu irgendeinem der Charaktere verspürt, was bei diesem Stoff aus dem echten Leben ein doppelter Fail in meinen Augen ist. Besonders die Beziehung Vater-Sohn-Tochter Wershe lässt mich absolut kalt, denn so ist auch die Chemie der drei Darsteller zueinander. Einen echten Funken Familienbande unter der ganzen Milieu-Problematik fehlt mir gänzlich bzw. wollte bei mir einfach nicht überspringen. Besonders die Storyline der Schwester war einfach reinquetscht und passt nur zähneknirschend ins Gesamtbild des Streifens.
 
 
Aber auch am Gesamtbild kann ich kein wirklich gutes Haar lassen, denn der Film schwankt so aggressiv zwischen Gangster-Film und Familien-Drama, dass mir nicht viel Zeit bleibt, bei dem einen oder anderen Motiv Emotionen für die Charaktere und deren Situation zu entwicklen. Wie in vielen Filme heute, hier auch wieder ein schlimmer Anfall von „Im-Drehbuch-steht-es-so-also-ist-es-so!“. Der Film plätschert vor sich hin, Dinge passieren einfach, eine organische Entfaltung der Charaktere und des Plots sucht man hier vergebens. Da kann auch der gute Matthew M. nichts retten, seine Starpower reicht einfach nicht, den Rest gut da stehen zu lassen. Der Cast ist ok, aber irgendwie hat keiner richtig was zu tun.
 
Der britische Regisseur-Newcomer Yann Demange setzt auf Tristesse in Farben und Bildern, welche die Geschichte visuell schön trägt. Passend für eine Serie auf Netflix, für einen Kinobesuch war ich aber etwas enttäuscht. Selbst die Las Vegas-Montage war, wie der Rest des Films, sehr unspektakulär und unspannend in Szene gesetzt. Also, wenn man in Vegas keine guten Bilder für seinen Film rausholt, dann weiß ich auch nicht so recht. Versteht mich nicht falsch, die Stadt Detroit ist der heimliche Star des Films. Dreckig, düster und beklemmend – aber sicherlich hätte hier auch noch mehr rausgeholt werden können.
 
Der Soundtrack sei noch positiv erwähnt. Manchmal ein bisschen zu „80s-in-your-face“, aber dennoch auch mit vielen kleinen Überraschungen in der Songauswahl.
 
 
Fazit
 
Ich erwartete Großes für die Augen. Wie gesagt, der Trailer hatte für mich schon „Donnie Brasco“ und „Goodfellas“-Flavour mit einem neuen Spin. Leider ist das Endergebnis blass, unspektakulär und irgendwie ein totales Chaos. Teilweise fühlte es sich eher wie „Winter´s Bone“ oder „Out of the furnace“ an. Also entscheiden, wer er inhaltlich sein möchte, kann „White Boy Rick“ irgendwie nicht so richtig. Am Ende war es mir eigentlich echt egal, was mit allen passiert.
 
Und das ist das Traurige daran. Hier wurde eine echt spannende Geschichte, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann, irgendwie zu einem halbgaren B-Titel für die Streaming-Dienste verarbeitet. Als ich im Vorfeld recherchierte und mir eine 40-minütige Doku über den Fall reingezogen habe, habe ich um einiges mehr mit den Beteiligten mitgelitten. Wenn der Film hilft, Bewusstsein für das Schicksal von Richard Wershe Junior zu schaffen, dann will ich nichts gesagt haben. Aber einfach als Film an sich: Lame.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Mord im Orientexpress Mord im Orient-Express ist ein Klassiker in der Welt der Krimis und ganz ...   ... klassisch inszeniert gibt er sich nun auch auf der Kinoleinwand. Eine bekannte Geschichte mit vielen bekannten Gesichtern.   Treffen sich fünf Hollywoodstars in einem Zug   Es ist erstaunli...
Gimme Danger Man kennt Jim Jarmush vor allem für seine Filme. Kleine, sehr persönliche Produktionen, die nicht immer ...   ... ganz leicht zugänglich sind, Jarmush aber zu einem Star der Arthaus-Szene gemacht haben. Das ist er bereits seit vielen Jahrzehnten, aber nun präsentiert er ...
Born to be Blue Sowohl für Hauptdarsteller Ethan Hawke als auch Regisseur Robert Budreau ist „Born to be Blue“ ...   ... eine Herzensangelegenheit gewesen. Beide haben sich in ihrer Karriere schon mit der Jazz-Legende Chet Baker befasst, aber erst mit diesem Film kulminieren ihre Bemü...
Immer noch Jung Immer noch jung ist ein dokumentarischer Einblick in die schnelllebigen Mechanismen ...   ... unserer Musikindustrie. Die Killerpilze haben sich selbst gefilmt auf ihrem Weg durch den dichten Dschungel des Showbusiness.   Die verzweifelte Suche nach Authentizität   Am Anf...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Allan F
  • Regisseur: Yann Demange
  • Drehbuch: Yann Demange
  • Besetzung: Richie Merritt, Matthew McConaughey
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…
hnews dumbo tburton
Diese Woche hat Disney den Teaser-Trailer für seine neueste Live-Action-Adaption eines animierten Klassikers veröffentlicht: Dumbo. Basierend auf dem…
hnews 007ds
Daniel Craig wird als 007, der legendäre britische Geheimagent, zurückkehren. Und der mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur Danny Boyle (Slumdog…
hnews 2019
2019 scheint gefühlt noch ziemlich weit weg zu sein, aber in Hollywood ist man schon jetzt damit beschäftigt, die nächsten Blockbuster zu…
hnews i5ds
Regisseur Steven Spielberg höchstpersönlich hat in seiner Dankesrede am 18.03.2018 bei den „Rakuten TV Empire Awards“ bestätigt, dass die…
hnews oscar2018
Die Oscars haben ihren 90. Geburtstag gefeiert. Und das politisch sehr korrekt und anfangs auch noch ziemlich unterhaltsam, doch dann wurde die…
bp mag header
Fans auf der ganzen Welt können Tom Cruise nun so nah sein wie nie zu vor, denn ab sofort betreibt er seinen ersten offiziellen Instagram-Channel…
hnews mm wof
Am 22. Januar 2018 ehrte die Handelskammer von Hollywood Disneys Minnie Maus offiziell mit einem Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“. Zu den…
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…