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Destroyer - Kinostart: 14.03.2019

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Nicole Kidman zeigt in „Destroyer“ nicht nur, was für eine großartige, ...
 
... mutige Darstellerin sie sein kann. Sie zeigt auch, dass die Darstellung kaputter, versoffener Typen am Ende eines langen Abstiegs keine Männerdomäne sein muss.
 
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Erin Bell (Nicole Kidman) ist am Ende. Nach einer langen Nacht kann sich die Kriminalbeamte kaum noch aufrecht halten. Ihre Kollegen meinen, sie sollte sich ausschlafen. Ihre Tochter hasst sie. Ihr Exmann hat ihr nichts mehr zu sagen. Vor vielen Jahren lief ein Undercover-Einsatz gründlich schief. Seither fühlt Bell sich verantwortlich für den Tod ihres damaligen Partners. Und plötzlich sieht es so aus, als wäre der Täter von damals wieder in der Stadt …
 
Mit ihren Auftritten in Filmen wie „Paddington“ und „Aquaman“ hat uns Nicole Kidman fast vergessen lassen, was für eine großartige, wandelbare Schauspielerin sie sein kann. Dabei hat sie allein in den letzten Jahren in „Die Verführten“ und „The Killing Of A Sacred Deer“ zwei der besten Darstellungen ihrer gesamten Karriere gezeigt. Leider haben diese beiden feinen, kleinen Filme ihr Publikum nicht erreicht (aber vielleicht ändert sich das ja noch, wenn die Leser von cinepreview.de gleichmal nachsehen, wo man diese Meisterwerke streamen kann). In Karyn Kusamas „Destroyer“ trägt sie nicht nur einen ganzen Film auf ihren schmalen Schultern. Sie schafft es auch noch, unser Interesse und sogar Mitgefühl für eine Figur zu wecken, die sich bereits am Beginn des Films längst selbst zerstört hat.
 
Allein im Streifenwagen
 
Vor mehr als fünfundzwanzig Jahren setzte Regisseur Abel Ferrara mit „Bad Lieutenant“ den Maßstab für Filme über Cops auf dem Abstieg in ihre eigene Hölle. Der Film lebte damals von der brachialen Wucht von Harvey Keitels Darstellung. Auch Gary Oldman lieferte in „Romeo is bleeding“ eine tour-de-force ab. Nicole Kidman geht einen anderen, subtileren Weg. Ihr sonst so graziler, stets gepflegter Körper scheint ihr hier in jeder Szene nur noch lästig zu sein. Offensichtlich achtet ihre Figur längst nicht mehr darauf, was ihrem Körper und ihr selbst guttut. Kidman vermittelt die Haltung eines Person, die längst aufgehört hat, auf sich zu achten.
 
Mehr noch als über den Körper, vermittelt Kidman das Innenleben ihrer Figur über ihre Art zu sprechen. Nur selten hebt ihre Figur die Stimme. Meistens teilt sie sich ihrer Umwelt in einem Ton mit, der kaum mehr als ein Flüstern ist. Abgesehen von den Actionszenen, erhebt Erin Bell im Film nur einmal ihre Stimme. Umso eindrucksvoller wirkt es, wenn sie ihrer Tochter und ihrem Exmann eine universelle Wahrheit über Verantwortung entgegen schreit. Wenn der Freund der Tochter ihr erklärt, dass ihre Tochter sie niemals lieben wird, flüstert sie ihre Antwort wieder mit weiser Selbstverständlichkeit. Ihre Worte sind ohnehin nur für sie selbst bestimmt. An den egoistischen Angeber wären sie ja doch bloß verschwendet.
 
 
Er ist zurück
 
Leider bekommen wir Nicole Kidmans großartige Darstellung in einem Film zu sehen, in dem einiges gut gemeint, aber nur wenig gut gemacht ist. Das Drehbuch von Phil Hay und Matt Manfredi („R.I.P.D.“, „Ride Along“) hat originelle Ansätze, weist aber viel zu viele Lücken auf. Niemals hätte die Hauptfigur tagelang unbehelligt all das tun können, was sie im Laufe des Films anstellt. An einer bestimmten Stelle sollen wir tatsächlich glauben, eine Figur hätte siebzehn Jahre lang niemals den Inhalt einer Tasche überprüft, die während der ganzen Zeit in ihrem Besitz war. Weite Teile der Handlung sind sowohl zeitlich als auch räumlich praktisch unmöglich.
 
Auch die Regie von Karyn Kusama („Æon Flux“, „The Man in the High Castle“) lässt gute Ideen erkennen. Seit Don Johnson in „Dead Bang“ hat wohl kein Polizeibeamter mehr sein Erbrochenes taktisch eingesetzt. Eine Szene, in der sich die Heldin erniedrigt ist kaum zu ertragen. Und in einer seltenen Ausnahme sehen wir hier Sequenzen eines Undercover-Einsatzes, in denen das Leben von Kriminellen nicht cool und lässig gezeigt wird. Aber auch die Regie kann nicht durchgängig überzeugen. Ein Raubüberfall steuert minutenlang auf ein Ende zu, das sich von Anfang an abgezeichnet hat. Nachdem die Ermittlerin während einer längeren Überwachung im Auto Übertragungen von Baseballspielen gehört hat, vergeht das Bild eines Stadions bei Nacht zu schnell, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und allzu viele Szenen sind zu langatmig geraten, um eine emotionale Wirkung zu entwickeln.
 
Mit der überraschenden Wendung am Schluss begeht Regisseurin Kusama dann aber eine Todsünde. Solche überraschenden Wendungen fallen ja leider zu oft gar nicht sehr überraschend aus. In manchen Fällen funktionieren sie dann auch nur, weil die Filmemacher die Zuseher für dumm verkaufen. „Das Leben des David Gale“ ist ein gutes Beispiel für so ein Ende, „The Village“ ein anderes. Die überraschende Wendung am Ende von „Destroyer“ ist nur möglich, weil der Film sein Publikum am Anfang des Films hereinlegt. Sowas ist aber ganz mieser Stil.
 
 
Fazit
 
Nicole Kidman zeigt in „Destroyer“ eine großartige Leistung. Leider zeigt sie diese Leistung in einem Film, der viele kleine und einen großen Fehler begeht. Trotzdem bleibt der Film sehenswert.
 
 
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Karyn Kusama
  • Drehbuch: Phil Hay
  • Besetzung: Nicole Kidman, Sebastian Stan
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