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Unser Team - Kinostart: 28.03.2019

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Als das Flugzeug mit der Mannschaft des brasilianischen Flussballclubs Chapecoense ...
 
... 2016 abgestürzt ist, war das ein furchtbarer Schicksalsschlag für die Hinterbliebenen, die wenigen Überlebenden, den Verein und seine Heimatstadt Chapecó. Die Brüder Michael und Jeff Zimbalist erzählen in ihrer Dokumentation einen Teil dieser Geschichten.
 
„LMI2933 Wie ist ihre Position?“
 
Am 28.11.2016 startete eine Maschine der bolivianischen Fluglinie LaMia von Santa Cruz in Bolivien nach Medellin in Kolumbien. An Bord befanden sich die Mannschaft und die Funktionäre des brasilianischen Erstligavereins Chapecoense, Journalisten, die das Team zum Finale des Copa Sudamericana begleiteten, die Besatzung und drei weitere Passagiere. Weil die Flugstrecke länger war als die maximale Reichweite des Flugzeugs ging der Maschine kurz vor der Landung der Treibstoff aus und sie stürzte ab. Nur sechs Menschen überlebten den Absturz. 71 Menschen kamen ums Leben. Die Hinterblieben hatten geliebte Menschen verloren.
 
Und die Stadt Chapecó hatte ihre Fußballmannschaft verloren. Michael und Jeff Zimbalist haben bereits vor einigen Jahren ein Drama über Pelé, einen der besten und berühmtesten Fußballspieler aller Zeiten gedreht. Nun haben sie eine Dokumentation über eine der größten Fußballtragödien aller Zeiten gedreht. Aber vielleicht ist dieses Thema zu groß für diesen Film. Denn bereits in den ersten Minuten wirken die Filmemacher vom Thema überfordert. Natürlich beginnt der Film nach einer kurzen Einleitung mit dem Absturz. Wir sehen Archivmaterial, das nach dem Absturz gedreht wurden, dann Bilder, die davor gedreht wurden und dann wieder Material aus der Zeit nach dem Absturz. Das hilft nicht, das Geschehen nachzuvollziehen.
 
Berührend wirken die Bilder von Fußballfans die in ihrer Hilflosigkeit das leere Stadion mit „Vamos“-Bannern und Bengalischen Fackeln füllen. Wie sonst sollen Fans trauern? Und es ist die Frage der Fans, was aus einem Verein werden soll, der mit einem Schlag fast seiner ganzen Mannschaft beraubt wurde, die den Rest des Films bestimmen wird.
 
Ein Team aus dem Nichts
 
Dramatisch wird es, wenn wir gezeigt bekommen, wie der Rest des Vorstands in weniger als zwei Monaten ein neues Team aufstellen und einen Trainer finden muss. Wenn das erste reguläre Spiel mit Mühe unentschieden endet, erkennen wir welchen langen Weg dieses Team noch vor sich hat. Das nächste Spiel verliert „Chape“ und auch das darauffolgende endet mit einer Niederlage. Der neue Trainer meint, man könne nicht einfach nur trauern. Von den neuen Spielern wird viel erwartet.
 
Aber als kurz einige der Witwen im Gespräch miteinander gezeigt werden, lernen wir, dass man zwar Ersatz für Spieler finden kann, aber nicht für Männer und Väter. Viel zu selten beschäftigt sich der Film mit den Familien der Verstorbenen. Kurz wird erwähnt, wie eine Witwe nicht allein sein kann. Zweimal wird eine Auseinandersetzung um Bildrechte der Spieler zwischen den Erben und dem Verein erwähnt. Nie geht der Film auf die wirtschaftlichen Probleme der Hinterbliebenen ein. Und auch über ihre seelischen Probleme erfahren wir zu wenig.
 
 
Schnell sind wir wieder beim sportlichen Aufstieg des Vereins. Die ersten sportlichen Erfolge werden gefeiert. Zwischendurch widmet sich der Film noch den drei Spielern, die den Absturz überlebt haben. Alan Ruschel war relativ leicht verletzt und möchte unbedingt wieder spielen. Jakson Follmann hat ein Bein verloren. Noch Monate nach dem Absturz hat er große gesundheitliche Probleme. Nur bei dem Spieler Neto wird wenigstens im Ansatz gezeigt, welche seelischen Folgen der Absturz, die Verletzungen und die Einschränkungen zeigen können.
 
Und dann werden doch wieder die Erfolge des Clubs gezeigt. Und bald wird klar, „Nossa Chape“ ist vor allem eine Sportdokumentation. Der größte Teil des Films behandelt den sportlichen Wiederaufbau des Vereins. Wenn wir Chape am Ende des Films im Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona mit dem Star Messi sehen, soll uns das wohl zeigen wie der Verein ein Trauma bewältigt hat. Aber über das Unglück selbst haben wir dann nur wenig erfahren und kaum mehr über das Trauma der Überlebenden und die schwierige Situation der Hinterbliebenen.
 
Man kann die Entscheidung der Filmemacher, sich auf das Schicksal des Vereins zu konzentrieren, durchaus nachvollziehen. Aber die wenigen Szenen, in denen die Witwen zu Wort kommen, unterstreichen noch wie ihr Schicksal fast links liegen gelassen wird. Da wundert es auch nicht, wenn die toten Besatzungsmitglieder, Journalisten und anderen Passagiere des Unglücksflugs unerwähnt und damit ungewürdigt bleiben. Bei einem Besuch der Absturzstelle ein Jahr nach dem Unglück gibt es ein Wiedersehen der Überlebenden mit einigen Ersthelfern. Wie diese Menschen Leichen aus den Trümmern geborgen haben und wie sie dieses Erlebnis bewältigen müssen, wird im Film nicht erwähnt.
 
 
Fazit
 
„Unser Team – Nossa Chape“ hätte viele Geschichten erzählen können. Man hätte zeigen können, wie Menschen mit tragischen Verlusten umgehen oder darüber berichten, wie Fußballstars plötzlich als Invaliden leben müssen. Michael und Jeff Zimbalist haben eine Sportdokumentation gemacht. Die ist ganz gut gelungen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Michael Zimbalist
  • Drehbuch: Jeff Zimbalist
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