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The Silence - Kinostart: 16.05.2019

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Ein gehörloses junges Mädchen erlebt das Ende der Menschheit in ...
 
... einem Film, der verdächtig kurz und dann doch zu lang ist.
 
Hello darkness, my old friend …
 
Höhlenforscher klopfen in einem „unerforschtem Höhlensystem in Pennsylvania, 800 Meter unter dem Appalachian Trail“ mit einem Hammer ein kleines Loch in eine Felswand. Damit setzen Sie eine lächerlich große Zahl von Lebewesen frei, die den Rest des Films „Avispa“, das ist spanisch für Wespe, genannt werden, obwohl sie mit Wespen rein gar nichts zu tun haben. Diese Geschöpfe sehen aus, wie eine Mischung aus H.R. Gigers „Aliens“ und Fledermäussen und fressen innerhalb weniger Tage große Teile der Menschheit.
 
Die sechzehnjährige Ally hat bei einem Unfall vor drei Jahren ihr Gehör verloren. Deshalb haben ihre typisch überprotektiven Hollywood-Eltern längst in den hyperprotektiven Modus geschaltet und führen in den Anfangsszenen des Films verstörende Gespräche mit ihrer Tochter. Aber bald hat die Familie andere Sorgen. Denn die Alienfledermausviecher greifen an und Ally flüchtet mit Mutter, Vater, Oma, Bruder und Vaters bestem Freund aufs Land. Weil die Monster blind sind und sich nur an Geräuschen orientieren und Ally gehörlos ist ….
 
An der Stelle, an der Ally meint, wegen ihrer Gehörlosigkeit einen Vorteil gegenüber den Monstern zu haben und die Familie dazu verständnisvoll nickt, ist nicht nur das Auto des Onkels sondern der ganze Film von der Fahrbahn abgekommen. „The Silence“ war von Anfang an so schlampig und unaufmerksam gelenkt worden, dass der Film nur in Schlangenlinien unterwegs war. Aber in dieser Szene trägt es den Film endgültig aus der Kurve. Man kann nur noch zusehen, wie er sich überschlägt, auf dem Dach zu liegen kommt und wie langsam Öl und Benzin auslaufen. Da hilft kein Pannendienst mehr.
 
Silence is golden …
 
Die Brüder Shane und Carey van Dyke („Chernobyl Diaries“) haben hier ein Drehbuch geschrieben, in dem zu Anfang viel über die Gehörlosigkeit der Hauptfigur gesprochen wird. Im weiteren Verlauf wird dieses Thema aber dann weitgehend fallengelassen. Vermutlich haben die Autoren selbst gemerkt, dass Gehörlosigkeit einen nicht geräuschlos macht. Wenn schon, dann ist Allys Gehörlosigkeit ganz offensichtlich ein großer Nachteil. Immerhin kann sie sie nicht hören, welche Geräusche in ihrer Nähe die Monster anlocken könnten. Als genau das gegen Ende des Films einmal passiert, gehen die Filmemacher einfach darüber hinweg als wäre das Thema mittlerweile uninteressant geworden.
 
Und viel Interesse lässt auch Regisseur John R. Leonetti („Annabelle“) nicht an seinem Film erkennen. Schnell und lustlos wirkt der Film runtergedreht. Die Inszenierung nimmt sich für nichts Zeit. Nicht für den Horror, wie man an einer Sequenz mit einem schreienden Baby in einer U-Bahn erkennen kann. Diese Szene hätte in den Händen eines halbwegs kompetenten und vor allem interessierten Regisseurs Material für Alpträume liefern können. Aber der Film steigt viel zu spät in die Szene ein, um noch Spannung aufbauen zu können. Dann kommt das Ende viel zu schnell. Und dann zeigt man uns nicht mal die Reaktionen der anderen Fahrgäste.
 
Aber die Regie nimmt sich auch keine Zeit für das Drama. Nach einer Stunde sehen wir eine unbeholfen inszenierte Szene in der die Eltern einander Trost spenden wollen und bemerken, dass diese bis dahin noch nicht wirklich im Umgang miteinander gezeigt wurden. Der von allen geliebte Onkel der Familie hat genau drei Szenen. In seiner ersten Szene will er den Vater zum Saufen überreden, in der zweiten schießt er jemanden ins Bein und in der dritten geht er drauf weil er sich strohdumm angestellt hat. Bei dem Tempo nimmt das Publikum doch keinen Anteil am Schicksal der Protagonisten.
 
 
Holy night, silent night …
 
Der Film wirkt wie in schlampiger Eile gedreht. Und er ist mit knapp 90 Minuten auch recht kurz ausgefallen (nicht nur, nachdem man „Avengers: Endlessgame“ gesehen hat). So fehlen vor allem Szenen, die uns die Figuren und ihre Motivation näher bringen würden. In einer Szene kommt es in dunkler Nacht zu einer Schießerei. Der Sohn will deshalb aber erst am helllichten Tag plötzlich das Auto wechseln. Fehlt hier eine Sequenz dazwischen, die etwas erklärt hätte?
 
Ausschreitungen werden kurz erwähnt, aber nie gezeigt. Man spricht davon, die Kreaturen würden Kälte meiden aber auch das bekommen wir nie gezeigt. Weil das zu solchen Geschichten dazugehört, treffen die Überlebenden auf eine andere Gruppe Überlebender, die sich als gefährlicher herausstellt als die Monster. Aber was mit dieser Gruppe los ist, erfahren wir nie. Auf dem Filmplakat sieht man die Hauptfiguren in einer Landschaft, die im Film nie zu sehen ist.
 
Egal ob hier Szenen herausgeschnitten oder nie gedreht wurden; der ganze Film erweckt den Eindruck, als wären die Macher von ihrer eigenen, wirren Geschichte gelangweilt oder überfordert gewesen. Auch die Art wie dieser Film seine Darsteller einsetzt macht das deutlich.
 
Stanley Tucci ist einer der unterschätztesten Darsteller Hollywoods. Dieser Mann kann alles. Er hat in Filmen wie „In meinem Himmel“ und dem zu Unrecht vergessenen „Big Night“ gezeigt, was für ein feiner Charakterdarsteller er ist. Er kann aber auch in Blockbustern seinem Affen Zucker geben, wie zum Beispiel in „Die Tribute von Panem“ oder „The Core“. Oder er kann beides kombinieren wie in „Captain America: The First Avenger“. Hier liefert das Drehbuch Tucci praktisch nichts mit dem er arbeiten könnte.
 
Kiernan Shipka („Mad Men“) spielt die jugendliche Heldin Ally. Ihre Figur ist so schlecht geschrieben, dass die Gehörlose im Laufe des Films irgendwann sogar aufhört in Gebärdensprache zu kommunizieren und einfach nur noch spricht, obwohl ja alle still sein sollten. Wie soll eine junge Darstellerin aus einer Hauptrolle, an der die Drehbuchautoren und der Regisseur im Laufe des Films das Interesse verloren haben, irgendwas Interessantes erschaffen? Da helfen auch Pfeil und Bogen nichts.
 
Miranda Otto ist eine kompetente Darstellerin, die wir in Filmen wie „Krieg der Welten“, „Der Flug des Phoenix“ und der „Herr der Ringe“-Trilogie gesehen haben. Wenn die Filmemacher an der Figur der Tochter irgendwann das Interesse verloren haben, hatten sie an der Figur der Mutter von Anfang an nie irgendwelches Interesse gehabt. Zusammen mit der Figur des Sohnes und der Großmutter ist sie nur da, damit die Leinwand nicht zu leer wirkt.
 
Das einzig Gute an John Corbetts Rolle des Onkels ist, dass sie von einem kaukasischen Darsteller gespielt wird. Der Part der dämlichen Nebenfigur, die früh draufgehen muss damit wir die Bedrohung vermittelt bekommen, ging früher immer an afroamerikanische Darsteller. Nach „Black Panther“ ist das ein weiterer wichtiger Schritt für die Gleichberechtigung schwarzer Darsteller in Hollywood und verdient mindestens ebenso gefeiert zu werden …
 
 
Fazit
 
„The Silence“ ist mit gerade mal 90 Minuten verdächtig kurz ausgefallen. Das ungeschickte Drehbuch und eine furchtbar schlampige Regie lassen diesen Film aber viel länger wirken.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: John R. Leonetti
  • Drehbuch: Shane Van Dyke
  • Besetzung: Kiernan Shipka, Stanley Tucci
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