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Aladdin - Kinostart: 23.05.2019

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Und wieder eine Realverfilmung eines Disney-Klassikers, … und wieder ...
 
... jede Menge Musik, Action und Comedy … und wieder eine hochwertige Besetzung, computergenerierte Effekte, ein erfahrenerer Regisseur und ein hohes neunstelliges Budget … wie unterscheidet sich „Aladdin“ also von anderen Filmen seiner Art?
 
A whole new world …?
 
Als Disney vor einigen Jahren die Realfilmversion seines Klassikers „Das Dschungelbuch“ herausgebracht hat, waren wir begeistert wie realistisch und gleichzeitig liebenswert die vielen verschiedenen Tiere wirkten. Die neue Version von „Die Schöne und das Biest“ hat uns verzaubert und ebenso wie das Biest haben wir uns beim Tanz im Ballsaal in Emma Watson verliebt. „Dumbo“ war eine herrlich schräge Neuinterpretation einer der ältesten Filme aus dem Hause Disney. Aber was bietet uns „Aladdin“?
 
Nun zunächst folgen wir in einer aufregenden Kamerafahrt erst einem Affen, dann einem Vogel durch die fantastische arabische Stadt Agrabah. Dann sehen wir den jungen Dieb Aladdin singend seinen Verfolgern quer durch die Stadt über Mauern und Dächer entkommen. Die Prinzessin ist wunderschön, singt wunderschön, trägt wunderschöne Kleider und hat einen Tiger als Haustier. Der Bösewicht ist böse. Die Höhle voller Schätze ist Hunderte Meter tief und füllt sich mit Lava. Dann wird an der Lampe gerieben, gesungen, gezaubert, getanzt, wieder gesungen, geflogen, gekämpft, gezaubert und wieder gesungen. Und nach zwei Stunden ist alles aus und wir haben fast nichts Neues gesehen.
 
„Aladdin“ ist sicher kein schlechter Film. Hätte ein anderes Studio diesen Film gemacht, wäre er ein guter Film. Kein großartiger Film, aber ein guter Film. Aber von Disney erwarten wir mittlerweile einfach mehr. „Das Dschungelbuch“, „Die Schöne und das Biest“ und selbst „Dumbo“ waren alle auf ihre Art beeindruckend. So hart es klingt: ein neuer Disney-Film hat uns gefälligst zu beeindrucken. Aber wie soll uns „Aladdin“ beeindrucken, wenn wir fast alles was er uns zeigt schon mal gesehen haben?
 
Wenn wir dem Vogel auf seinem Flug durch die mittelalterliche, arabische Stadt folgen, ist das nicht schlecht. Aber wir sind erst neulich mit einem Elefanten durch ein Zirkuszelt geflogen. Und auf dem Elefanten saß auch noch Eva Green. Wenn Aladdin über sein anstrengendes Leben als Dieb singt, ist das ganz nett anzuhören und anzusehen. Aber vor zwei Jahren hat Emma Watson in einer fantastischen Musicalnummer über das Leben in ihrer Stadt gesungen und uns begeistert. Der Tiger der Prinzessin und der Papagei des Böswichts in „Aladdin“ sind für ein paar nette, kleine Szenen gut. Aber in „Das Dschungelbuch“ haben uns großartig animierte Tiere mit komplexen Persönlichkeiten ihre Geschichten vermittelt. Hier knurrt der Tiger nur und der Papagei verpfeift ab und zu jemanden.
 
 
Aber vielleicht sollten wir „Aladdin“ nicht mit den großartigen Neuverfilmungen anderer Disney-Filme vergleichen. Vergleichen wir diese Neuverfilmung doch stattdessen mit dem Original von 1992. Einer der Höhepunkte des Originals war die Szene in der Aladdin der Prinzessin „a whole new world“ gezeigt hat. Auf dem Teppich flogen die beiden mit einem Vogelschwarm, spielen mit Wolken, überfliegen Pferdeherden, die Pyramiden und die Sphinx. In der neuen Version fliegen sie über die Stadt und einen Fluss aufs Meer, sehen dort einen Delphin und fliegen wieder zurück. Das war’s. Einen Delphin, mehr hatte Aladdin der Prinzessin nicht zu zeigen. Sowas bekommt mittlerweile jeder Pauschaltourist im Urlaub zu sehen.
 
Gerade die Filme, die während Disneys „Renaissance“-Ära zwischen 1989 und 1999 entstanden sind, haben uns immer mit fantastischen Szenarien verzaubert. Der Untergang des Schiffs in „Arielle“, der Ballsaal im Schloss des Biests, die unvergessliche Eröffnungssequenz von „König der Löwen“, das Farbenspiel des Winds in „Pocahontas“ und so weiter und so fort … und eben auch der Flug auf dem Teppich in „Aladdin“ von 1992 haben damals nicht bloß gezeigt, was im Animationsfilm möglich ist. All diese Szenen waren im wahrsten Sinne des Wortes „großes Kino“.
 
Kann oder will uns Regisseur Guy Ritchie nichts Vergleichbares zeigen? Richie hat bisher so unterschiedliche Filme wie „Snatch“, „Sherlock Holmes“ oder „Codename U.N.C.L.E.“ inszeniert. Aber so verschieden diese Filme waren, große beindruckende Bilder hat uns Ritchie kaum jemals gezeigt. Vielleicht wirken deshalb die Lavamassen in der Höhle oder der Riesenvogel am Ende kein bisschen bedrohlich. Vielleicht wirken deshalb die Musiknummern meist statisch, wie Jasmins „Speechless“, oder zerschnitten, wie die Tanznummer während eines Balls am Hof des Sultans.
 
Selbst wenn uns der Regisseur einmal etwas mehr von der Szenerie zeigen würde, bekommen wir alles nur undeutlich zu sehen. Seit Jahren predige ich, Filme wie diesen NICHT in 3D anzusehen. Durch die 3D-Projektion sieht man immer nur das Objekt im Bildmittelpunkt scharf während der Rest des Geschehens unscharf und düster bleibt. Speziell bei Filmen aus dem Hause Disney entgehen dem Betrachter so viel zu viele Details. Nun „Aladdin“ ist der erste Film der sogar in 2D so aussieht als wäre er in 3D projiziert. Während jeder großen Musicalszene und während jeder Actionsequenz bleiben in diesem Film die Umgebung und die Hintergründe immer düster und unscharf. Es ist nicht überraschend, wenn das Finale während eines Sandsturms stattfindet, der alles nur noch düsterer und unschärfer werden lässt.
 
 
Fresh Prince of Agrabah
 
Die Dramatik, die Musik und die Action dieses Films liegen einfach nicht ganz auf Disney-Niveau. Wie sieht es also mit dem Humor aus? Das Original hatte Robin Williams als Dschinni. Und der mittlerweile leider verstorbene Williams zeigte damals bloß mit seiner Stimme eine der besten Leistungen seiner Karriere. Es war also mutig von Will Smith, dieses schwere Erbe anzutreten. Und es war sicher die richtige Entscheidung, den verstorbenen Meister nicht kopieren zu wollen. Stattdessen hat Smith diese Rolle in seinem eigenen Stil zu gestalten versucht. Aber warum hat er sich für seinen Stil von vor fast Dreißig Jahren entschieden?
 
Smith kann auf verschiedene Arten witzig sein. Er hatte seinen eigenen Stil in „Independence Day“, in „Men in Black“, in „Hancock“ und eben auch ganz zu Anfang seiner Karriere in der Serie „Der Prinz von Bel-Air“. Aber der Stil, der damals für die Rolle des jungen Mannes aus Philadelphia gepasst hatte, wirkt heute in der Rolle des Dschinni oft unpassend. Sicher ist Smith in dieser Rolle witzig. Aber hätte er diese Rolle anders gestalten können? Hätte er diese Rolle anders gestalten sollen? Und hätte er in dieser Rolle witziger sein können? Ja, ja und ganz eindeutig ja.
 
Der noch recht unbekannte Mena Massoud wirkt als Aladdin recht sympathisch. Aber seine Darstellung wirkt altmodisch und kaum realistisch. Immer wieder verträumt zum Himmel zu blicken, dazwischen passabel zu singen und nett zu lächeln, ergibt zusammen noch keine vollwertige Darstellung. Hier hätte der junge Schauspieler die Hilfe und Anleitung des Regisseurs gebraucht.
 
Naomi Scott („Power Rangers“) ist bildhübsch und singt ganz bezaubernd. Aber sie immer wieder erzählen zu lassen, was für eine Herrscherin sie sein würde, verleihen ihrer Figur noch kein Profil. Zwischen Massouds Aladdin und ihrer Prinzessin ist keinerlei Chemie spürbar.
 
Der tunesische Schauspieler Marwan Kenzari („Mord im Orient-Express“) spielt den Bösewicht Dschafar kompetent.
 
Nasim Pedrad („New Girl“) spielt die Dienerin Dalia mit grandiosem Comedy-Timing. Einige zusätzliche Szenen mit ihr hätten diesem Film gutgetan.
 
 
Fazit
 
Natürlich ist es Jammern … ähm, … Kritisieren auf hohem Niveau, wenn man die Schwächen dieses Films aufzählt. Aber mit dieser Besetzung, mit diesem Budget und vor allem aus diesem Studio hätten wir mehr erwarten dürfen. So bleibt uns nur, auf „The Lion King“ zu warten. Bis dahin sage ich nur: „Nants ingonyama bagithi Baba, Sithi uhm ingonyama!“
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Guy Ritchie
  • Drehbuch: Vanessa Taylor
  • Besetzung: Mena Massoud, Will Smith
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