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ES: Kapitel 2 - Kinostart: 05.09.2019

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Es gibt tatsächlich mittlerweile knapp 300 Filme nach Werken von Stephen King.
 
„Es“ von Andy Muschietti war vor zwei Jahren der seltene Glücksfall einer gelungenen King-Verfilmung. Nun kommt das zweite Kapitel ins Kino …
 
Es lebt
 
Vor zwei Jahren hat man uns nur ungefähr die Hälfte der Handlung von Kings umfangreichem Roman gezeigt. Damals haben wir gesehen, wie der Club der Loser als Kinder gegen „Es“ gekämpft hatte. In Kapitel 2 taucht „Es“ wieder auf. Mike, der als einziger all die Jahrein Derry geblieben ist, muss seine Freunde wieder in ihre Heimatstadt zurückrufen. Auf diesen Ruf reagiert jeder unterschiedlich …
 
Kapitel Zwei muss sich mit dem überaus gelungenen erste Teil vergleichen lassen. Daran führt kein Weg vorbei. Und in meinen Kritiken hier auf CinePreview.DE habe ich bereits verschiedene große Geister wie Oscar Wilde, William Shakespeare, aber auch Wim Wenders und Otto Schenk zitiert. Weil es mir sehr wichtig ist, das Niveau weiter hoch zu halten, zitiere ich im Nachfolgenden immer wieder Auszüge aus meiner Kritik zum ersten Teil.
 
Es ist wieder da
 
Damals meinte ich „Stephen King ist immer dann am besten, wenn er das Erwachsenwerden beschreibt. Die größte Stärke des Films ist nicht der Horror, sondern die Gruppe von Kindern, die sich dem Monster entgegenstellt. Dieser „Club der Loser“ besteht nicht aus Film-Charakteren, sondern aus echten jungen Menschen.“. Und das führt uns direkt zum größten Problem von Kapitel Zwei: die erwachsenen Charaktere im neuen Film sind nicht annährend so gut geschrieben, wie die kindlichen Helden des ersten Films.
 
Die jungen Helden waren eben keine Bande von Losern. Jeder war auf seine eigene Art ein hochinteressanter Charakter mit enormem Potential. Ihre erwachsenen Versionen hingegen sind kaum mehr als Klischees (Bill ist Horrorschriftsteller geworden, Beverly lebt mit einem Mann der sie schlägt, auch Eddie hat eine Partnerin die an seine Mutter erinnert, Richie ist Comedian usw.). Drehbuchautor Gary Dauberman und Regisseur Muschietti schaffen es in einem Film mit knapp drei Stund n Laufzeit nicht, uns diese Personen näher zu bringen. Wir lernen diese Figuren gar nicht richtig kennen.
 
Bills Frau ist in einer kurzen Szene zu sehen, um dann nie wieder aufzutauchen. Wir hören, wie niemand die Enden seiner Bücher mag, erfahren aber nie warum. Damit erfahren wir aber über Bill noch mehr als über jeden anderen der ehemaligen Freunde. Jeder bekommt bloß eine kurze unergiebige Einführungsszene und das muss es dann auch gewesen sein, weil es bald gruselig werden muss. Am schlimmsten trifft es Beverly, die einzige weibliche Hauptfigur. Ihre ganze Exposition besteht darin, von ihrem Mann verprügelt zu werden. Müssen im Jahr 2019 Frauenfiguren immer noch zuallererst als Opfer von Gewalt gezeigt werden?
 
Es war nie weg
 
Vor zwei Jahren war hier über Kapitel Eins zu lesen: „Die besten Filme nach Büchern von Stephen King waren immer auch deshalb erfolgreich, weil die Filmemacher wussten, welche Teile der Vorlage sie wegzulassen und welche sie zu verändern hatten.“ und „Regie und Drehbuch zeigen nur wenig eigene Ideen.“. Die Filmemacher haben diesmal alles weggelassen, was die Charaktere interessant gemacht hätte. Dafür haben sie sehr viel Ekelhaftes und Brutales hinzugefügt, was bei einer Vorlage wie dieser schon eine gewaltige Leistung darstellt. Hier hat man ganze Eulenschwärme nach Athen getragen.
 
Der erste Mord von Pennywise ist noch sehr realistisch inszeniert und bildet gerade deshalb eine der stärksten Sequenzen des Films. Aber bereits der zweite Mord ist viel zu langatmig und vorhersehbar gestaltet. Man muss sich auch fragen, wie viele Kindermorde dieser Film noch nötig hatte? Eine Szene mit einer Paul-Bunyan-Statue mag im Buch halbwegs funktioniert haben. Im Film wirkt sie lächerlich und lehrt uns wieder einmal: größer ist nicht immer besser.
 
Komplett misslungen ist eine Szene mit Glückskeksen überraschenden Inhalts. Die Sequenz hätte ekelhaft ausfallen können, wenn die computergenerierten Effekte besser ausgefallen wären. So wirkt sie einfach nur lächerlich. Wir sehen hier, was zuletzt etwa bei „Spider-Man: Far from Home“ aufgefallen ist: Großproduktionen enthalten mittlerweile oft so viele CGI-Szenen, dass immer mehrere verschiedene Lieferanten beauftragt werden. Im fertigen Film sieht man dann die teilweise extrem unterschiedliche Qualität der computergenerierten Bilder.
 
Dabei hat der Film auch Interessantes zu bieten. Eine Szene mit einem kleinen Hund ist lustig und gruselig zugleich. Pennywise bildet vor allem in seinen frühen Szenen immer noch Stoff für furchtbare Alpträume. In einer Szene mit einer alten Dame in Beverlys früherer Wohnung wird die Stimmung gekonnt immer bedrohlicher und schräger gestaltet. Die Untermalung mit einer alten Melodie von Ralph Benatzky ist eine der wenigen originellen Ideen des Films. Leider wird alles wieder zunichte gemacht, wenn uns wieder mal ein Monster präsentiert wird, das eher lächerlich als gruselig wirkt.
 
 
Es zieht sich alles
 
Über Kapitel Eins schrieb ich: „Vor allem gegen Ende des Films hätte man auch rigoroser schneiden können.“ Kapitel Zwei ist mit 2 Stunden und 49 Minuten über eine halbe Stunde länger als sein Vorgänger. Hätte man aus dem neuen Film eine halbe Stunde rausgeschnitten, hätte das dem Film geholfen. Hätte man eine Stunde rausgeschnitten und 20 oder 25 Minuten eingefügt, die uns die einzelnen Figuren näher gebracht hätten, wäre er ein würdiger Nachfolgen geworden.
 
Zu Kapitel Eins fiel mir auf: „Teilweise hat man den Eindruck, einzelne Szenen zweimal gesehen zu haben.“ Diesmal hat man dafür das Gefühl Szenen verpasst zu haben. Wir bekommen Bills Frau zu sehen, die danach nie wieder auch nur erwähnt wird. Das gleiche gilt für Beverlys brutalen Ehemann. Bill bringt sich und die Freunde in Gefahr, weil er versucht einen kleinen Jungen zu retten. Drehbuch, Regie und auch die Figur des Bill vergessen den Kleinen dann für den Rest des Films komplett, sodass man als Zuseher meint, nicht aufgepasst zu haben. Und mehrmals wird Richie von Pennywise auf ein furchtbares Geheimnis angesprochen, das am Ende einfach nur unerheblich ausfällt.
 
Es wird nicht besser
 
Zitat von vor zwei Jahren: „Die jungen Schauspieler, die den „Club der Loser“ darstellen, leisten erstaunliches.“ Vergleichbares lässt sich über die erwachsenen Darsteller leider nicht sagen. Jessica Chastain hat in anspruchsvollen Dramen („Molly’s Game“) ebenso gezeigt was sie kann, wie in Blockbustern („Der Marsianer“) und sogar in Horrorfilmen („Crimson Peak“). Als verlautbart wurde, sie würde die Rolle der erwachsenen Beverly übernehmen, gab das Anlass zu Erwartungen, die weitgehend enttäuscht wurden. Für das Gekreische und das Herumlaufen in einem nassen T-Shirt hätte man keine Schauspielerin ihres Kalibers gebraucht.
 
James McAvoy zeigt eine langweiligere Leistung als in „Deadpool 2“. Die recht unbekannten Darsteller Jay Ryan, James Ransone und Isaiah Mustafa zeigen Leistungen, die nicht einmal halbwegs mit denen der jeweiligen jüngeren Schauspieler vergleichbar sind. Und vor allem Bill Hader („SNL“, „Dating Queen“) als Richie hätte man ein viel besseres Drehbuch gewünscht.
 
Ganz sicher haben die Filmemacher damals die Kritik zu Kapitel Eins auf CinePreview.DE gelesen. Daher bekommen wir auch in Kapitel Zwei wieder einige Szenen mit den jüngeren Darstellern zu sehen. Diese bilden zwar die gelungensten Teile des Films, bleiben in der Qualität aber auch hinter Kapitel Eins zurück.
 
In der Rolle eines Ladeninhabers ist ein unbekannter Nebendarsteller zu sehen, der bereits in ähnlichen Rollen in „Thinner – Der Fluch“ oder „The Stand – Das letzte Gefecht“ kaum überzeugen konnte. Hoffentlich muss der arme Mann nicht von seiner Schauspielerei leben …
 
 
Fazit
 
Kapitel Eins hat uns vor zwei Jahren Hoffnungen gemacht, die nun fast alle enttäuscht wurden. In der Hinsicht ist auch Kapitel Zwei wieder ein Film, der uns einiges über das Erwachsenwerden lehrt. In jeder anderen Hinsicht ist dieser Film kaum mit seinem Vorgänger vergleichbar.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Andy Muschietti
  • Drehbuch: Gary Dauberman
  • Besetzung: James McAvoy, Bill Skarsgård
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