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Ad Astra: Zu den Sternen - Kinostart: 19.09.2019

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„Per aspera ad astra” bedeutet so viel wie “durch das Raue zu ...
 
... den Sternen“. Rau ist auch der Weg den Brad Pitt ans andere Ende unseres Sonnensystems nehmen muss. Und für den Zuschauer ist der Film auch kein Spaziergang …
 
Take your protein pills and put your helmet on
 
In der Zukunft sind Mond und Mars bereits besiedelt. Und das obwohl in der Raumfahrt nur Leute beschäftigt sind, die entweder schwere emotionale Probleme haben oder furchtbar inkompetent sind oder beides. Roy McBride (Brad Pitt) hat zu Anfang des Films auf einer Konstruktion zu tun, die verrät, dass mindestens einer der Drehbuchautoren als Jugendlicher Arthur C. Clarkes Klassiker „Fahrstuhl zu den Sternen“ gelesen aber leider nicht verstanden hat. Doch macht nichts, denn diese Konstruktion bildet nur die Kulisse für eine Actionsequenz, die zwar nicht schlecht aber so gut wieder auch nicht gestaltet wurde um ganz ohne Bezug zum Rest der Handlung zu bleiben.
 
McBride muss zunächst mit einem kommerziellen Flug zum Mond reisen. Am Erdtrabanten angekommen werden er und sein hochbetagter Begleiter (Donald Sutherland) in einem Konvoi aus drei Fahrzeugen durch feindliches Territorium … Verzeihung, … durch feindliches Lunitorium auf die dunkle Seite des Mondes gebracht. Dort wartet eine Rakete auf ihn, die unseren Helden zum Mars bringen soll. Auf dieser Reise geht alles schief, was nur schief gehen kann. Was also hat unser Held denn so wichtiges auf dem Mars zu erledigen, das seine umständliche Anreise rechtfertigen würde?
 
Er soll dort von einer unterirdischen … sorry, … untermarsischen Station einen Funkspruch an seinen Vater senden. Dieser Clifford McBride (Tommy Lee Jones) war nämlich der Leiter von „Project Lima“, das irgendwie das All außerhalb unseres Sonnensystems erforschen sollte. Offiziell ist McBride Senior seit Jahrzehnten tot, inoffiziell lebt er aber ganz allein in seinem Schiff im Orbit des Neptuns und bedroht das Schicksal des Sonnensystems.
 
Now it’s time to leave the capsule if you dare
 
Das Drehbuch wurde von Regisseur James Gray zusammen mit Ethan Cross geschrieben. Cross hat bisher nur für das Fernsehen gearbeitet. Gray hat bereits u.a. die Drehbücher zu seinen Filmen „Little Odessa“, „Helden der Nacht“ oder „Die versunkene Stadt Z“ verfasst. Die Handlungen von Grays Filmen sind meistens düster, selten sehr spannend und kaum jemals besonders originell gewesen. Die Geschichte zu „Ad Astra“ zieht einen aber einfach nur runter. Und wenn Grays frühere Filme von der gekonnten Umsetzung gerettet werden konnten, reicht das diesmal leider nicht.
 
Ich kann es natürlich nicht belegen. Aber ich schwöre, als Gray die Entscheidungsträger bei 20th Century Fox von seinem Projekt überzeugen wollte, hat er die Reise seines Helden mehr als einmal mit Martin Sheens Flussfahrt in „Apocalypse Now“ verglichen. Vermutlich lautete sein pitch mehr oder weniger „‘2001-Odysse im Weltraum‘ trifft ‚Apocalypse Now‘“. Selten waren die Vorbilder eines Filmemachers so offensichtlich wie bei „Ad Astra“.
 
Aber „2001-Odysse im Weltraum“ und auch „Apocalypse Now“ waren Meisterwerke nicht wegen sondern trotz ihrer Handlungen. Kubricks Weltraumepos überzeugte durch Bilder, die damals mit nichts vergleichbar waren. Und Coppolas auf Film gebannter Vietnam-Alptraum überzeugte durch die gewaltigen und gewalttätigen Bilder ebenso wie seine skurrilen und trotzdem realistisch wirkenden Charaktere. Gray hat in „Ad Astra“ nichts Vergleichbares zu bieten.
 
Die visuelle Gestaltung ist noch das Beste an diesem Film. Alles sieht sehr hochwertig aus. Die Effekte wirken immer überzeugend. Aber was nutzen überzeugende Effekte, wenn uns die Handlung nicht überzeugt? Wenn uns die Charaktere kalt lassen? Schöne Bilder und hochwertige Effekte allein rechtfertigen im Jahr 2019 den Kauf einer Kinokarte nicht mehr. Dazu haben wir Ähnliches in ebenso guter Qualität in letzter Zeit zu oft gesehen.
 
Und so toll die Bilder auch sind, allzu oft ergibt das was sie zeigen einfach keinen Sinn. Ein Pavianangriff in der Schwerelosigkeit klingt zunächst interessant, wirft aber die Frage auf, wozu Astronauten derart gefährliche Tiere an Bord eines Raumschiffs halten sollten? Den Helden im Raumanzug auf dem Mars durch eine Zisterne tauchen zu lassen, ist einfach Unsinn. Und warum parkt man sein Raumschiff auf der einen Seite der Neptunringe, wenn man zu einem Schiff auf der anderen Seite der Ringe will?
 
 
And I’m floating in a most peculiar way
 
Noch weniger Sinn als die Bilder ergeben die Dialoge. Wenn die Gespräche in diesem Film der Exposition dienen, sind sie langweilig. Wenn sie tiefsinnig klingen sollen, sind sie sinnlos. Noch weniger Sinn als die Dialoge ergeben nur die Monologe. Denn Brad Pitt erzählt weite Teile des Films aus dem Off. Klar, auch das ist wieder aus „Apocalypse Now“ gestohlen … ähm … entlehnt. Aber dort haben die Gedanken und Reflektionen der Hauptfigur Sinn ergeben.
 
Hier erklärt man uns erst lang und breit, der Puls des Helden wäre selbst in Ausnahmesituationen noch nie über 80 gestiegen. Wenn der Mann, der im ganzen Film keine Gefühlsregung gezeigt hat, dann meint, er hätte die Wut eines tollwütigen Pavians auch schon in sich selbst gesehen, ergibt das leider keinen Sinn. Am Ende des Films muss der Held uns dann noch ganz schnell den Grund für den Wahnsinn seines Vaters und damit auch den Grund für seine ganze Reise erklären. Diese Erklärung klingt unvollständig, wie ein nachträglicher Einfall und ergibt leider auch keinerlei Sinn.
 
And the stars look very different today
 
Brad Pitt hat erst kürzlich in „Once upon a time in Hollywood …“ wieder gezeigt, was er kann. Hier muss er einen Mann darstellen, der keine Emotionen zeigt und spielt diesen Mann so, als hätte er gar keine Emotionen. Sicher wären auch andere Darsteller an dieser Aufgabe gescheitert.
 
Zwanzig Jahre lang meinte ich, Tommy Lee Jones könne allein durch seine Mitwirkung jeden noch so mittelmäßigen Film aufwerten. „Ad Astra“ belehrt mich eines Besseren.
 
Donald Sutherland, Jones alter Kollege aus „Space Cowboys“, ist wieder mal in seiner Paraderolle des dubiosen älteren Herrn zu sehen. Weder der Film noch Sutherland selbst hätten diesen Auftritt gebraucht.
 
Apropos „Space Cowboys“: Loren Dean hat in diesem Film aus dem Jahr 2000 in der mittelmäßig geschriebenen Rolle eines inkompetenten Astronauten eine schwache Leistung gezeigt. Wenn er nun 19 Jahre später eine praktisch identische aber noch schlechter geschriebene Rolle nochmal schlechter spielt, ist das vielleicht eine Art Meta-Insider-Scherz für Filmfreaks. Welchen Sinn das sonst ergeben sollte, ist unklar.
 
Liv Tyler spielt in diesem Film eine Rolle, die nicht annährend so anspruchsvoll ist wie ihre Rolle in dem Musikvideo zu „Crazy“ von Aerosmith. Ihre darstellerische Leistung fällt zwar nicht ganz so überzeugend aus, dafür ist sie aber auch nicht halb so lange zu sehen wie damals in dem Video.
 
 
Fazit
 
Ein Drehbuch, das viel schlauer sein will als es ist, wurde zwar technisch hochwertig aber dramaturgisch langweilig umgesetzt. Die Darsteller wirken leblos wie Mondgestein. So fällt dieser Weg zu den Sternen für den Zuseher zu rau und zu anstrengend aus.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: James Gray
  • Drehbuch: Ethan Gross
  • Besetzung: Dede Gardner, Brad Pitt
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