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Zoomania

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Gleich und gleich gesellt sich gern. Vor allem in der freien Natur. Oder doch nicht?
 
Man nehme ein niedliches Häschen, zivilisiere es, statte es mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, einer Polizeiuniform sowie einem möhrchenförmigen Mehrzweck-Stift aus und schaut, ob diese Aussage immer noch gilt, wenn man ihr die Zusammenarbeit mit einem Fuchs abnötigt.
 
Die neuste Pixar-Kreation aus dem Hause Disney unter der Regie von Byron Howard und Rich Moore lässt den Zuschauer in ein Land eintauchen, in der sich Jäger und Gejagte der Tierwelt ausgesöhnt haben und mit Tablets, Mobiltelefonen und Apps - kurz: mit allem Komfort des modernen Lebens - ausgestattet, in Jeans und Turnschuhen friedlich zusammen leben. Doch auch im heilen Universum von Zoomania bedrohen dunkle Machenschaften und unbekannter Mächte den kunterbunten Tier-Multikulti. Wer würde sich da besser eignen, das entspannte Leben von Zoomania zu retten, als ein Dreamteam bestehend aus Hase und Fuchs? Bleibt nur noch herauszufinden, wen sie mehr bekämpfen: Einander oder den mysteriösen Gegner?
 
Statt Möhrchen zu knabbern und sich brav in die Gesellschaft einzufügen, träumt Häsin Judy Hopps von einer Karriere bei der Polizei von Zoomania. Dass aber ein flauschiges Hoppelhäschen die toughen Großtiere der Polizei - allesamt Nashörner, Raubkatzen, Büffel und ähnlich beeindruckende Tierarten - nicht gerade in respektvoller Ehrfurcht erstarren lässt, dürfte klar sein. Dass Judy nach der harten Ausbildung zur Polizistin keine Lust dazu hat, nur Autos von Parksündern mit Knöllchen zu verzieren, dürfte ebenso klar sein. Auch klar ist, dass es für Judy schwer sein wird, ausgerechnet mit einem Fuchs - der Erzfeind-Spezies der Hasen - namens Nick Wilde auf Verbrecherjagd zu gehen. Ob sich die beiden zum Wohle der Gemeinschaft zusammenraufen können? Auf jeden Fall verspricht die Zusammenarbeit der naiv-optimistischen Judy mit dem zynisch-großmäuligen Nick amüsante Schlagabtausche und harmlose Reibereien, die man genüsslich mit einer Tüte Popcorn in der Hand auf sich wirken lassen kann.
 
 
Die Konstruktion einer außergewöhnlichen Stadt
 
Zoomania ist mit vielen imposanten Bildern leicht und witzig erzählt. Die phantasievolle 3D-Welt, in die der Zuschauer für knapp zwei Stunden versetzt wird, macht mit ihrer Detailverliebtheit (Man beachte, dass Judy ein Smartphone der Marke „Carrot“ mit einer angebissenen Karotte drauf nutzt) besonders viel Spaß. Die Oberflächen sind mit viel Liebe gestaltet und die Hauptfigur Judy Hopps erscheint so flauschig, dass man ihr am liebsten über den Kopf streichen möchte.
 
Das Design der Stadt ist mit seinen sechs Bezirken Sahara Platz, Tundratown, Amazonas-Viertel, Nageria, Savanna Central und Klein-Nageria beeindruckend und mit viel Einfallsreichtum ausgeführt. Die einzelnen Stadtbezirke machen ihrem jeweiligen Namen alle Ehre: So ist Sahara Platz von Sanddünen überzogen, während in Tundratown klirrende Kälte herrscht. Die Unterschiede der Stadtbezirke spiegeln die Verschiedenheit der Tiere wieder, die sie bevölkern. Sie sind weitestgehend in ihrem natürlichen Maßstab zueinander dargestellt, was vor allem im Straßenverkehr, wo Mäuse und Giraffen gleichermaßen unter Wegs sind, ulkig wirkt.
 
Dass die Tiere in Zoomania zivilisiert und angezogen sind, erscheint humorvoll, ist aber nichts neues. Spielereien mit dieser Tatsache sind allerdings witzig, wenn nämlich unser Bunny-Cop peinlich berührt ist, als sie im Zuge ihrer Nachforschungen einen Nudisten-Club besuchen muss, in dem die Tiere in ihrem Naturzustand herumlaufen und „nackt“ Yogaübungen machen. Natürlich eignen sich die Eigenschaften der Tiere zudem für die Karikierung spezieller Berufsgruppen. So sind die Beamten in Zoomania Faultiere, die ihre Arbeit mit nervenaufreibender Langsamkeit verrichten und der furchteinflößende Mafiaboss eine Ratte, die sich im Don Corleone Stil gibt. Die Formen der Figuren folgen natürlich stets dem üblichen Kindchenschema.
 
Nagelneue Zoomania-Welt vs. Tradition der alten Meisterwerke
 
Man merkt, dass der Lieblingsfilm des Regisseurs Byron Howard als Kind Robin Hood (1973) war: Jener ist einer der wenigen Disney-Klassiker, deren Hauptdarsteller Tiere sind, die sich menschenähnlich bewegen und angezogen sind. Übrigens ist Robin Hood selbst auch ein frecher Fuchs, so wie Nick Wilde. Die Übertragung humaner Eigenschaften auf Tiere geschieht in Zoomania in einer modernen Umgebung. Vergleicht man Zoomania mit den meisten alten Disney-Meisterwerken wie König der Löwen oder Bambi, erscheint das Verhältnis umgedreht: Dort bewegen sich die Tiere natürlich und haben nur ganz leichte menschliche Tendenzen.
 
Abendfüllende Disney-Filme wurden stets mit großem Aufwand produziert. Die Zeichner der alten Meisterwerke beobachteten Monate lang lebendige Tiere, um sie im Film möglichst naturgetreu wiederzugeben. Auch für Zoomania wurden Tiere in ihrer ursprünglichen Umgebung beobachtet, die Gesetze der Natur allerdings im Anschluss ausgehebelt, da Tiere in freier Wildbahn nur mit ihren Artgenossen echte Gemeinschaften bilden und unter sich bleiben, während in Zoomania eine funkelnde, „schöne neue Welt“ errichtet wird, die so nicht funktionieren würde.
 
 
Fazit - Ein schöner Traum
 
Die Haupt-Aussage des Films ist - mal wieder - die Bekämpfung der Vorurteile, die jedes Lebewesen in sich trägt. Und natürlich, dass jeder seine Träume in Wirklichkeit verwandeln kann, wenn er nur intensiv genug daran glaubt und was dafür zu tun bereit ist.
 
Als Handlungsgrundlage ist dies zwar nicht besonders originell, für einen Kinderfilm aber sicherlich auch nicht verkehrt. Da es sich bei der Produktion um ein Disney-Werk handelt, ist der Verlauf der Story durchaus vorhersehbar. Alles steuert auf ein fulminantes Happy-End zu, das mit Musik von Shakira besungen und ausgiebig gefeiert wird. Alles in allem ist Zoomania ein zuckerbunter, politisch korrekter Kinderfilm, der vielleicht ein bisschen allzu naiv die Unterschiede zwischen Raubtier und dessen Beute unter den Tisch fallen lässt, aber dennoch durch Tempo, Humor und schöne Bilder der ganzen Familie Spaß macht.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Vivien Neder
  • Regisseur: Byron Howard, Rich Moore
  • Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston
  • Stars: Josefine Preuss, Frederick Lau
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