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Drei Engel für Charly - Kinostart: 02.01.2020

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Noch eine Version einer alten Fernsehserie? Fällt Hollywood denn ...
 
... gar nichts Neues mehr ein? Im Fall von Elizabeth Banks‘ neuestem Film kann man aber auch die Frage stellen, ob Filmkritikern nichts Neues mehr einfällt …
 
Bad Girls
 
Geheime Detektivorganisation die nur schöne Frauen beschäftigt, Boss kommuniziert bloß über Telefon mit Freisprechanlage, und so weiter … Nach einer Fernsehserie mit fünf Staffeln und zwei Kinofilmen in den frühen 2000er-Jahren werde ich hier nicht nochmal das Prinzip dieses Franchise erklären. Diesmal müssen die Engel Sabina (Kristen Stewart) und Jane (Ella Balinska) der jungen Wissenschaftlerin Elena (Naomi Scott) helfen. Ihre Firma hat etwas erfunden hat, das saubere Energie erzeugt aber zu einer Waffe umfunktioniert werden kann und daher nun gestohlen wurde. Gleichzeitig haben die Engel einen Verräter aus den eigenen Reihen aufzuspüren …
 
Als ich vor einem Jahr von einer weiteren Verfilmung dieser mittelmäßigen Fernsehserie aus den späten 70er-Jahren gelesen habe, konnte ich sicher nicht verhindern mit den Augen zu rollen. Vermutlich habe ich auch einen ironischen Kommentar abgegeben, aber da bin ich nicht sicher. Ich müsste meine Frau fragen, die merkt sich jeden meiner dummen Kommentare, auch Jahre später noch. Als ich dann aber den Auftrag bekommen habe, über diesen Film zu berichten, bin ich mit der gleichen vorsichtigen Unvoreingenommenheit in die Pressevorführung gegangen, mit der ich mir auch jeden anderen Film ansehe. Und das war gut so.
 
„3 Engel für Charlie“ ist einfach eine nette, unterhaltsame Actionkomödie mit tollen Darstellern. Sicher kein Meisterwerk. Aber auch weit davon entfernt, komplett misslungen zu sein. Leider hat man sich weltweit bereits im Vorfeld auf diesen Film eingeschossen. Im renommierten Magazin „TIME“ erschien eine Kritik, in der die sonst so verlässliche Stephanie Zacharek den Film bereits im zweiten Absatz als „zottig, lustlos und zu chaotisch um lustig zu sein“ bezeichnet. Und das ist einfach unfair. Elizabeth Banks ist sicher (noch) keine große Regisseurin. Aber der Film ist witzig und kurzweilig inszeniert. Vor allem die Darstellerinnen versprühen einen wunderbar natürlichen Charme, der weit sympathischer wirkt als die aufgesetzte „Hihihi, we are BFFs“-Manie des Teams aus den beiden früheren Filmen.
 
Bad to You
 
Natürlich hat Zacharek Recht, wenn sie die Inszenierung der Actionszenen kritisiert. Allerdings geht sie nicht darauf ein, was an diesen Szenen nicht stimmt. Ich wage zu behaupten, Elizabeth Banks ist kein Fan von Actionfilmen. Die Actionszenen in ihrem Film hat sie nämlich ungefähr so inszeniert, wie jemand der keine Actionfilme mag, solche Szenen beschreiben würde: Jemand zieht eine Waffe, eine andere Figur stürzt auf ihn zu, Dinge fallen um, Menschen ringen miteinander, es wird geschossen, andere Figuren tauchen auf, werden erschossen, dann sitzen Figuren in Autos, die Autos fahren schnell … und das alles ohne ein Gefühl für den Raum oder den Zeitraum in dem sich alles abspielt. Während einer Sequenz in der Halle eines Steinbruchs stehen nach mehreren Minuten plötzlich mittendrin zusätzliche Gegner wo vorher keine waren. Und zwar bloß, weil die Engel an der Stelle zusätzliche Gegner zu bekämpfen haben. So kann und darf man keine Kampfszenen inszenieren.
 
Aber abgesehen von den wirklich wirren Actionszenen funktioniert dieser Film. Die Handlung spielt unter anderem in Hamburg. Berlin und Istanbul. Und der Film vermittelt ein Gefühl für jeden dieser Orte, ohne die Heldinnen dauernd an Sehenswürdigkeiten vorbeilaufen oder diese erklettern zu lassen wie Tom Cruise das in vergleichbaren Filmen immer wieder tun muss. Natürlich tragen die attraktiven Darstellerinnen lächerlich schöne Kostüme. Was haben wir erwartet? Und natürlich fahren sie teure Autos. Aber sogar das Product-Placement fällt hier weniger aufdringlich aus als in anderen Filmen.
 
 
Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks ignorieren komplett, wie erfrischend sich die Dialoge in „3 Engel für Charlie“ von denen vergleichbarer Filme unterscheiden. Wo Hauptdarsteller sonst hauptsächlich die Handlung erklären dürfen, versucht Regisseurin und Co-Autorin Banks mal etwas ganz anderes und lässt ihre Darstellerriege witzige aber auch intelligente Sätze von sich geben! Was für ein schräges Konzept! In einer der besten Szenen des Films erfährt die knallharte Detektivin Jane vom Tod eines Kollegen. Als Bosley (Banks) sie umarmen will, wehrt sie ab: „Ich brauche keine Umarmung“. Bosley umarmt sie trotzdem und erklärt: “Aber ich brauche eine. Er war auch mein Freund.“
 
Die Autoren dieses Films sind so gut, sie wissen sogar, dass man nicht immer alles laut aussprechen muss. Wie zum Beispiel wenn Detektivin Sabina erklärt, welche schlechten Erfahrungen sie in Istanbul gemacht hat und Kollegin Jane ihre Gründe ausdrücklich nicht erläutert und dafür einen verdienten Lacher erntet. Kristen Stewart darf dafür gleich in ihrer ersten Szene einige zutreffende Beobachtungen über die Wahrnehmung von Frauen in unserer Gesellschaft formulieren, während sie gleichzeitig ein Zielobjekt ausschaltet. So ganz nebenbei bekommt das Publikum so auch noch Stoff zum Nachdenken serviert.
 
Got Her Own
 
Patrick Stewart spielt den ersten „Bosley“ und damit die einzige männliche Figur, die kein bloßes Handlungselement ist. Und das macht er großartig. Sir Patrick wird demnächst 80 und spielt in jeder seiner Szenen Darsteller an die Wand, die seine Kinder und Enkelkinder sein könnten.
 
Elizabeth Banks („Hunger Games“) hält sich als weiterer „Bosley“ den größten Teil des Films vornehm zurück. Aber einige der besten Dialogzeilen hat sie dann doch für sich selbst reserviert. Und diese liefert sie nicht einfach nur ab, sie serviert sie mit Gusto.
 
Naomi Scott hat zuletzt als Prinzessin in „Aladdin“ niemanden wirklich beeindruckt. Hier spielt sie die neugierige Wissenschaftlerin sympathisch und mit viel Energie. Wenn sie sich in die Welt der Detektivinnen eingewöhnen muss, stellt sie sich nie dümmer an als es zu ihrer Figur passen würde.
 
Die noch recht unbekannte Ella Balinska wirkt knallhart und doch menschlich als ehemalige Elitesoldatin. Sie wirkt in den Kampszenen ebenso authentisch wie im verbalen Schlagabtausch mit Kristen Stewart.
 
Kristen Stewart, hat eine komplette Filmserie um glitzernde Vampire mit einem einzigen Gesichtsausdruck bestritten. Hier ist die ganz große Überraschung des Films. Sie spielt witzig, schlagfertig, cool und noch viel mehr und zeigt dabei eine Energie, die man ihr kaum zugetraut hätte. Wenn Regisseurin Elizabeth Banks bei den Actionszenen versagt hat, ist es doch beeindruckend, welche Leistung sie aus dieser Darstellerin herausgeholt hat.
 
 
Fazit
 
Für einfallslose Kritiker ist dieser Film bloß ein Aufguss einer alten TV-Serie. Aber es kommt eben auch darauf an, wie aufgegossen wird und womit. Und abgesehen von den etwas faden Actionszenen, verleihen die tollen Darsteller und die witzigen Dialoge diesem Aufguss ein beachtliches Aroma.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Elizabeth Banks
  • Drehbuch: Elizabeth Banks
  • Besetzung: Kristen Stewart, Naomi Scott
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