deensvtr

Lindenberg! Mach dein Ding - Kinostart: 16.01.2020

Artikel bewerten
(21 Stimmen)
Udo Lindenberg hat immer sein Ding gemacht. Selbst als er noch nicht ...
 
... der bekannteste Hutträger Deutschlands war. Die Geschichte dieser frühen Jahre kommt jetzt ins Kino.
 
Bei Onkel Pö spielt ’ne Rentnerband …
 
Der kleine Udo wächst in der westfälischen Provinz auf. Der Vater säuft, die Mutter fügt sich drein, eine typische Mittelklassefamilie der Wirtschaftswunderjahre eben. Aber Udo will mehr. Er will die Welt sehen und Schlagzeug spielen. Eine Kellnerlehre wird bald abgebrochen und Udo treibt sich rum. Irgendwann in den frühen 70ern landet Udo in Hamburg. Als Trommler in einem Stripschuppen und für Film- und Werbemusik verdient er sich seine Brötchen, seine Schnäpse und seine Biere. Das erste Album auf Englisch floppt. Aber mit dem zweiten Album kommt der ganz große Erfolg. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte …
 
Jedermann kennt Udo Lindenberg, auch wenn kaum jemand tatsächlich eine Platte von ihm zuhause hat. Und weil nach „Bohemian Rhapsody“ und „Rocketman“ Biografien von Musikern aus den 70ern international gerade hoch im Kurs stehen, … naja, … deutsche Filmstudios möchten eben auch mit den ganz Großen mitspielen. Aber ähnlich wie Udo Lindenberg, der vor allem gemessen am Standard der Bundesrepublik in den spießigen 70ern „cool“ und außerhalb Deutschlands nie erfolgreich war, möchte auch der Film über sein frühen Jahre zwar „cool“ und wild rüberkommen, kann aber seine biedere Herkunft nie abschütteln.
 
... seit zwanzig Jahren Dixieland
 
Regisseurin Hermine Huntgeburth hat bisher Filme wie „Bibi Blocksberg“, „Die weiße Massai“ und „Effi Briest“ inszeniert. Für das Fernsehen hat sie unter anderem zwei „Tatort“-Folgen gedreht. Für Filmfans die mit der Reihe nicht vertraut sind: „Tatort“ das sind Fernsehkrimis für Leute, die eigentlich keine Krimis mögen. Und auch wenn die Regie sich redlich Mühe gibt und sogar einmal ganz crazy in der Zeit herumspringt (auf „Gronau 1951“ folgt „Hamburg 1971“ und dann doch wieder „Gronau 1959“, also aufpassen!), fällt die Regie dieser „wilden Jahre“ doch leider allzu brav aus. Eine Episode aus dem Leben des Meisters folgt auf die andere. Der Reihe nach werden die Udo-Anekdoten abgehakt. Legenden, Mythen und Erfindung werden zu einem gefälligen Ganzen kombiniert. Das Ergebnis überrascht niemanden und bietet keine echten Höhepunkte.
 
Dabei bekommt die Regie auch keine Hilfe vom Drehbuch. Alexander Rümelin hat bisher vor allem für mittelmäßige Fernsehserien wie „Die Cleveren“ und „Notruf Hafenkante“ geschrieben. Sebastian Wehling hat die Drehbücher zu 4 Filmen der „Fünf Freunde“ geschrieben und zusammen mit dem dritten Co-Autor Christian Lyra das Drehbuch zur vernachlässigbaren Matthias-Schweighöfer- Komödie „Vaterfreuden“ verfasst. Wie man auf die Idee kommen konnte, diese drei Autoren und diese Regisseurin könnten zusammen eine wilde Story voll Sex, Drugs and Rock’n’Roll erzählen, wird wohl ein ungelöstes Rätsel bleiben.
 
 
´n Groupie haben die auch, die heißt Rosa oder so
 
So wie bei Udo nicht die Musik im Mittelpunkt seiner Berühmtheit steht, sondern seine Persönlichkeit, so ist es bei diesem Film nicht die vorhersehbare Story, sondern die Besetzung die seinen Reiz ausmacht.
 
Der noch recht unbekannte junge Darsteller Jan Bülow („Dogs of Berlin“) macht in seiner Rolle als Udo alles richtig. Er sieht dem jungen Lindenberg gar nicht besonders ähnlich (der Haaransatz ist viel zu weit vorne) und spricht – zum Glück – nicht annährend so undeutlich. Aber Bülow bietet uns seine eigene Interpretation des Portraits des Künstlers als junger Mann an. Und diese Interpretation funktioniert. Sie gefällt. Sie ist schlüssig. Bülow nimmt diese von den Drehbuchautoren nur halb ausgearbeitete Rolle eines ziemlich einfältigen und nicht besonders sympathischen jungen Mannes der einfach Glück hat und macht daraus einen charmanten Peter Pan, der nicht erwachsen aber ein Star werden will. Hoffentlich kann Bülow seinen natürlichen Charme bald auch in besseren Filmen einsetzen.
 
Charly Hübner („Das Leben der Anderen“) spielt nicht nur Udos Vater, sondern die ganze Verzweiflung und Depression des unzufriedenen Spießers in der Bundesrepublik. Julia Jentsch („Sophie Scholl – Die letzten Tage“) bildet als Udos Mutter in ihren wenigen Szenen das emotionale Zentrum des Films. Detlev Buck spielt das Klischee eines Musikproduzenten genauso wie man ein Klischee spielen muss, nämlich lächerlich überzogen.
 
Ruby O. Fee („Als wir träumten“) ist eine durchgeknallte Naturgewalt als „Paula, die sich immer auszieht“. Ella Rumpf („Tiger Girl“) ist ganz bezaubernd in ihrer Rolle als Inspiration für „Cello“. Saskia Rosendahl („Werk ohne Autor“) berührt uns als „Mädchen aus Ostberlin“.
 
 
Fazit
 
Udo Lindenberg hat immer sein Ding gemacht. Und es war immer ein cooles Ding. Im Film über sein Leben machen die Darsteller ihr Ding. Und das ist auch ein cooles Ding. Hätten Drehbuch und Regie auch noch jeweils ein cooles Ding gemacht, wäre der ganze Film ein noch viel cooleres Ding.
 
 
lbmdd gewinn banner
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Schloss aus Glas Das Drama „Schloss aus Glas“ basiert auf den erfolgreichen Memoiren von Jeanette Walls, ...   ... die damit ihre eigene Vergangenheit bewältigt und versucht hat, mit ihrem ungewöhnlichen Großwerden zurechtzukommen. Es ist ein interessanter Film, der nicht auf sim...
Meine Welt ist die Musik - Kinostart: 10.01.2019 Christian Bruhn ist einer der erfolgreichsten Komponisten und ...   ... Produzenten der Nachkriegszeit. Ein ausführliches Portrait dieses großen Künstlers war längst überfällig. Der Film von Regisseurin Marie Reich ist leider nicht dieses Portrait.  ...
Immer noch Jung Immer noch jung ist ein dokumentarischer Einblick in die schnelllebigen Mechanismen ...   ... unserer Musikindustrie. Die Killerpilze haben sich selbst gefilmt auf ihrem Weg durch den dichten Dschungel des Showbusiness.   Die verzweifelte Suche nach Authentizität   Am Anf...
Astrid - Kinostart: 06.12.2018 Bilderbuchkindheit, Freiheit, Bauernhof, Lachen. Das alles koennten ...   ... Assoziationen sein, die bei dem Namen Astrid Lindgren im Kopf auftauchen. Frech, keck und selbsbewusst...   Aufgrund der Abenteuer von Pippi Langstrumpf, Ronja Raeubertochter und Co stellt sich in den ...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Hermine Huntgeburth
  • Drehbuch: Alexander Rümelin
  • Besetzung: Jan Bülow, Detlev Buck
hnews gg2020
Am 06. Januar 2020 fand in Los Angeles die 77. Verleihung der Golden Globes statt. Moderiert wurde die Veranstaltung bereits zum fünften Mal von…
hnews dpstart
Disney+, der mit Spannung erwartete Streaming-Service der Walt Disney Company, ist am 12. Novenber 2019 in den USA, in Kanada und den Niederlanden…
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…