deensvtr

Little Women - Kinostart: 30.01.2020

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Es gibt Filme, bei denen keiner versteht, wieso sie ein so großes Budget ...
 
... zur Verfügung gestellt bekommen. Little Women bietet Schauspieler*innen wie Emma Watson, Meryl Streep oder auch Bob Odenkirk. Es gibt großartige Kameraeinstellungen und auch Ausstattung und Kostüm haben einen einwandfreien Job gemacht. Nur leider trägt das allein keine 2 Stunden und 15 Minuten.
 
Vier kleine Mädchen
 
Der Film erzählt vom Leben der vier amerikanischen Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Jede von ihnen verfolgt ein künstlerisches Ziel: Jo möchte Schriftstellerin sehen, Meg steht gerne als Schauspielerin auf der Bühne, Amy liebt die Malerei und Beth verbringt ihre Zeit am liebsten am Klavier. Da es sich um einen historischen Film handelt, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts ereignet, ist die Rolle der Frau jedoch noch sehr von den Themen Heirat, Familie und Muttersein geprägt.
 
Selbstverwirklichung ist sekundär, hauptsächlich werden die vier Mädchen immer wieder von ihrer Tante ermahnt, ja reich zu heiraten, um die Zukunft ihrer Familie abzusichern.
 
Keine konsequente Linie
 
Der Film springt in seiner Erzählung ständig zeitlich hin und her. Den Rahmen bilden Besuche von Jo, der Schriftstellerin, bei einem Verleger, dem sie ihre Geschichten verkaufen möchte. Da die Schauspielerinnen den kompletten Film über die gleichen bleiben, gibt es optisch folglich kaum Unterschiede zwischen den jungen und den erwachsenen Mädchen. So bleibt es dem Zuschauer überlassen, die Ereignisse zeitlich einzuordnen, um den Handlungsstrang zu verstehen. Dies ist jedoch leicht machbar und dramaturgisch gut durchdacht.
 
Schwierige Figuren
 
Weniger komplex und ausgeprägt ist dabei die Gestaltung der vier Protagonistinnen. Diese haben keine Tiefe, sondern scheinen oberflächlich Schubladen als Kommentar zur Geschlechtersituation zu verkörpern. So gibt es beispielsweise die Rebellin, Jo, die sehr stark auftritt und der Meinung ist, eine Frau brauche keinen Mann. Ihre Gegenfigur bildet Meg, die als erste in der Familie heiratet und Mutter wird. Amy ist die Mischung aus beiden, eine Frau, die versucht sich selbst in der Kunst zu verwirklichen, schließlich kapituliert und doch auf die Heiratskarte setzt.
 
 
Anstrengende Mädchenthemen
 
In vielen Rückblenden sieht man die vier Protagonistinnen als kleine Mädchen. Das einzige Thema, das sie zu beschäftigen scheint, ist dabei Schönheit. Wie sieht meine Nase aus? Welches Kleid trage ich heute? Selbst Jo, die man aus heutiger Zeit vermutlich als Feministin bezeichnen würde, weint, als sie ihre schönen langen Haare einmalig abschneiden muss. Im Film wird immer wieder thematisiert, dass Familie das wichtigste sei: Egal, was passiert, die vier Schwestern hätten ja sich. Dabei gibt es mehrere Stellen, an denen deutlich wird, dass die Bindung der vier zueinander nicht immer die herzlichste ist.
 
Nichts zu erzählen?
 
Generell hat der Film ein Talent dafür, Leitgedanken, die er aufstellt, sofort wieder einzureißen. Es geht oft darum, wie arm die Familie doch ist. Dennoch sieht man sie nie auf etwas verzichten. Anderes Beispiel: Amy erklärt einem Anbeter langwierig, warum sie ihn nicht heiraten möchte. Zwei Minuten später gibt sie diesem das Ja-Wort. Aufgrund dieser Inkonsequenz und den oberflächlichen Themen wirkt der Film leider wie eine schlechte Seifenoper. Die Chance für Tiefe ist zwar durchaus gegeben; so haben die vier Mädchen beispielsweise einen Vater, der im Bürgerkrieg kämpft.
 
Ernste Themen tauchen jedoch immer nur kurz und sprunghaft auf. Leider bietet der Film auch keinerlei Identifikationspotential. Die vier Protagonistinnen wirken oberflächlich und schaffen es nicht, Mitgefühl zu erzeugen. Auch, wenn ihnen sie allem zum Schluss hin ein paar schwere Schicksalsschläge treffen, bleibt einem der Kloß, den man in anderen Filmen als Zuschauer zu solchen Minuten hinunterschlucken muss, dieses Mal erspart.
 
 
Alltag des 19. Jahrhunderts nicht mehr nachvollziehbar?
 
Die Romanvorlage von Louisa May Alcotts erschien 1868 bzw. 1869. Vielleicht wäre der Film zur damaligen Zeit ein Erfolg gewesen. Die Geschlechterrollen von Mann und Frau haben sich stark verändert, Feminismus ist ein außerordentlich gefragtes (Mode)Thema, weswegen die oberflächliche Frauendarstellung in diesem Film stark enttäuscht.
 
Auch als historischer Film funktioniert Little Women leider schlecht, da er ausschließlich den Alltag der vier kleinen Mädchen thematisiert, nicht jedoch historische Ereignisse. Es bleibt die Frage, für welche Zielgruppe der Film gemacht wurde. Vermutlich wären die alltäglichen Problemchen der Protagonistinnen für die jungen Mädchen aus dem 19. Jahrhundert eine willkommene Alltagsflucht gewesen. Heute hinterlassen diese jedoch nur großes Unverständnis, Stirnrunzeln und die Empathie bleibt aus.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Love & Friendship Die Romane von Jane Austen sind häufig Vorlage für große Kinofilme. Aber Regisseur Whit Stillman zeigt, dass auch kleine Produktionen möglich sind.   Für seine Adaption des Briefromans „Lady Susan“ hatte er nur drei Millionen Dollar zur Verfügung....
Operation: 12 Strong Brauchen wir wirklich noch einen Film über Amerikas „Krieg gegen den Terror“?   Und falls ja, sollte dieser unbedingt von Jerry Bruckheimer produziert worden sein? Und hätte es in dem Film nicht mehr um Pferde gehen sollen? Diese und viele andere Fragen drängen si...
Loving „Der allmächtige Gott hat die Rassen weiß, schwarz, gelb, malaiisch und rot erschaffen. Er hat sie auf ...   ... verschiedenen Kontinenten angesiedelt. Und gäbe es keine Einmischung in sein Werk, gäbe es auch keinen Grund für solche Ehen. Die Tatsache, dass e...
Letztendlich sind wir dem Universum egal - Kinostart: 31.05.... Noch ein Film nach einem erfolgreichen Jugendbuch? Und dann noch mit einem sperrigen ...   ... Titel der an einen anderen Film nach einem erfolgreichen Jugendbuch erinnern soll? Bitte nicht! ABER so wie man ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen darf, sollte man einen Film nic...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Katharina Mühl
  • Regisseur: Greta Gerwig
  • Drehbuch: Greta Gerwig
  • Besetzung: Saoirse Ronan, Emma Watson
hnews corona
Geschlossene Kinosäle, abgebrochene Drehs und Stars in Quarantäne. In Hollywood sorgt das Coronavirus für Chaos und könnte weitreichende…
hnews be bond25
Die fünffache GRAMMY®-Gewinnerin Billie Eilish hat heute ihren neuesten Song „No Time To Die“, den offiziellen Titelsong des kommenden…
hnews oscars020
In der Nacht vom 09. auf den 10. Februar fand 2020 etwas früher als sonst die Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Der südkoreanischen Film…
hnews gg2020
Am 06. Januar 2020 fand in Los Angeles die 77. Verleihung der Golden Globes statt. Moderiert wurde die Veranstaltung bereits zum fünften Mal von…
hnews dpstart
Disney+, der mit Spannung erwartete Streaming-Service der Walt Disney Company, ist am 12. Novenber 2019 in den USA, in Kanada und den Niederlanden…
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…