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Genius: Aretha - Disney +-Start: 04.06.2021

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Nach der Dokumentation Amazing Grace dürfen wir die einzigartige ...
 
... Karriere von Aretha Franklin jetzt innerhalb einer von National Geographic produzierten Anthologie-Reihe auf Disney Plus mitverfolgen. Aber lernen wir die Queen of Soul dadurch tatsächlich noch besser kennen?
 
Musikalisches Ausnahmetalent
 
Mit mehr als 75 Millionen weltweit verkauften Tonträgern während ihrer Laufbahn ist die legendäre Sängerin eine der international meistverkauften Musikkünstlerinnen aller Zeiten. Ihre Stimme wurde in ihrem Heimatstaat Michigan sogar zum „Naturschatz" erklärt. Da ist es nur naheliegend auch dieser Musik-Ikone, ähnlich wie bei Tina Turner im Jahr 1993 mit dem Spielfilm What’s Love Got to Do with It?, ein filmisches Denkmal zu setzen. Nur eben diesmal in Form einer Serie.
 
Verkörpert wird Aretha Franklin dabei von Cynthia Erivo. Einer mehrfach ausgezeichneten Schauspielerin und Sängerin, welche beispielsweise für ihre Darstellung der Celie im Broadway-Musical The Color Purple 2016 mit einem Tony Award und 2017 mit einem Grammy, sowie einem Emmy ausgezeichnet worden ist. Aber auch einen Golden Globe für ihre Darstellung der Harriet Tubman im Historienfilm Harriet (2019) und einen Oscar als beste Hauptdarstellerin für eben dieses Drama erhalten hat.
 
Alles ist eine Frage des Respekts!
 
Zu Beginn von Genius: Aretha, angesiedelt im Jahr 1967, lernen wir die Soul-Sängerin als ängstliche, von Selbstzweifeln geplagte Person kennen. Als jemand der noch nicht wirklich zu sich gefunden und mit Traumatas zu kämpfen hat.
 
Und vor allem mit weißen Männern ihre Probleme hat. Warum dem so ist, versuchen uns die Macher der Serie in der ersten Episode nahezubringen. Dabei lernen wir, dass dies etwas mit ihrer Kindheit, ihrem Ehemann, sowie ihrer engen Bindung zu ihrem Vater zu tun hat. Einem Mann, der ihr Leben als Vorbild geprägt hat, wie kein anderer. Regisseur Anthony Hemingway zeigt uns die Erfahrungen der jungen Aretha in schwarz/weiss getauchte Rückblenden. Und bleibt dabei sehr nah mit der Kamera an seinen Protagonisten oder Antagonisten.
 
In den einzelnen Folgen werden dadurch die faszinierenden Geschichten der brillantesten Vordenker der Welt und ihre außergewöhnlichen Leistungen vor dem Hintergrund ihrer wechselvollen, leidenschaftlichen und komplexen persönlichen Beziehungen zu Aretha Franklin dargestellt. Darunter Dinah Washington, King Curtis, Clara Ward, Art Tatum, Reverend James Cleveland, Sydney Pollack, Angela Davis, Martin Luther King Jr, Curtis Mayfield und George Michael. Gleichzeitig erforscht die Serie Aretha Franklins musikalisches Genie und ihre unvergleichliche Karriere und beleuchtet ihren unermesslichen, nachhaltigen Einfluss auf Musik und Kultur.
 
Wunderkind
 
Franklin brachte sich ohne Notenkenntnisse das Klavierspielen selbst bei, begann mit zwölf Jahren Songs aufzunehmen und auf Gospelkonzerten mit ihrem Vater zu singen. Dies wird in Geniua: Arteha ebenfalls sehr schön visuell aufgearbeitet. Einfühlsame Bilder, die einen zumindest am Anfang packen, auch wenn man kein Fan der Sängerin ist oder noch nie etwas von ihr gehört hat. Im Alter von 18 Jahren unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag bei Columbia Records und wechselte 1966 zu Atlantic Records, wo sie viele ihrer bekanntesten Songs aufnahm. Soweit so gut. Allerdings erfahren wir nicht wirklich viel über die Hintergründe ihrer Begabung und warum sich bestimmte Schicksalsfügungen tatsächlich so ergeben haben. Diese Gegebenheiten werden leider nur oberflächlich gestreift.
 
Außerdem werden die Menschen aus ihrem Umfeld oder ihre Mentoren zwar in ihrem Handeln gezeigt, aber warum diese gerade zu dem Zeitpunkt anwesend sind oder welches Schicksal diese selbst erfahren mussten, bleibt uns ebenfalls verborgen. Ihren Vater lernen wir beispielsweise lediglich als über allem stehenden, von seiner religiösen Mission besessenen Patriarchen kennen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob man all diese Details in einer Serie wie Genius: Aretha hätte unterbringen können, wo sich doch alles eigentlich um die Musik-Ikone dreht. Die Antwort: durchaus! Denn gerade in einer Serie hat man, anders als einem Spielfilm, den zeitlichen Rahmen dafür. Dieser wurde nur leider nicht genutzt.
 
 
Dramaturgische Längen trotz Glanzleistung
 
Ein weiteres Beispiel: Wir sehen eine elendig lange Szene im Tonstudio, in der Aretha Franklin einen Song probt. Diese Gegebenheit erstreckt sich über fast 10 Minuten. Warum sie ausgerechnet in dieses Studios geht, weshalb dort zunächst ausschließlich weiße Musiker anwesend sind, wer die Produzenten sind usw. bleibt uns vorenthalten. Die Studiomusiker sind einfach nur da, gehören irgendwie zum Inventar und dürfen, wenn überhaupt, nur Einzeiler von sich geben. Und wenn, werden sie gefeuert! Die Figur Aretha selbst sehen wir in einem Prozess der Ideenfindung am Klavier. Als eine von Selbstzweifeln geplagte Frau, die ihre Gefühle nicht zum Ausdruck bringen kann.
 
Und ihr ebenfalls anwesender Ehemann macht das, was man von einem schwarzen Mann zu dieser Zeitepoche erwartet. Aggressiv sein und seine Frau anschreien. Warum, wieso oder weshalb er diese Charakterzüge hat, erfahren wir zumindest zunächst wieder nicht. Hätte man diese beispielhafte Szene kürzer gehalten, wäre evtl. Zeit geblieben zumindest etwas die Hintergründe der ein oder anderen Person im Raum zu beleuchten. Aber so entsteht selbst beim eingefleischtesten Aretha Franklin – Fan pure Langeweile.
 
Etwas, dass sich so im Verlauf der Serie wiederholt und dadurch dramaturgische Längen erzeugt. Hier wurde also ganz klar Potential verschenkt. Als Glanzleistung darf man hingegen die gesangliche Leistung von Hauptdarstellerin Cynthia Erivo ansehen. Ihre Besetzung ist ein Glücksgriff und wird sicher bei Aretha Franklin – Fans für Begeisterung sorgen. Mit viel Gefühl versucht die Sängerin bei der Interpretation der Songs dem Original nahezukommen.
 
Etwas, das ihr hervorragend gelingt. Leider gibt es außer beim Singen bei der Verkörperung ihrer Figur so gut wie keine Szene, in der Artetha Franklin nicht mindestens eine Zigarette raucht. Und weil ihr Umfeld dies nicht in diesem Maße tut, wage ich zu bezweifeln, dass die echte Aretha Franklin eine derartige Kettenraucherin war.
 
 
Fazit
 
Franklin war ein Gospel-Wunderkind, eine klare Verfechterin der Bürgerrechte und wird weithin als größte Sängerin der vergangenen 50 Jahre angesehen. Im Laufe ihrer Karriere erhielt sie unzählige Auszeichnungen. „Genius: Aretha" ist die allererste und einzig autorisierte, geskriptete Serie über das Leben der gefeierten Queen of Soul.
 
Allerdings ist diese leider etwas blutleer geraten und mit dramaturgischen Längen. Hier wurde ganz klar die Chance vertan, etwas Großes auf die Beine zu stellen, bei dem wir tatsächlich interessante Einblicke hinter die Fassade der Person Aretha Franklin und ihr nicht weniger Interessantes Umfeld erhalten.
 
 
Link zur Serie >> dplus b
 
 

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Weitere Informationen

  • Autor/in: Max Wrede
  • Regisseur: Anthony Hemingway
  • Drehbuch: Anthony Hemingway
  • Besetzung: Cynthia Erivo, Malcolm Barrett