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Die irre Heldentour des Billy Lynn

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Für seinen neuen Film hat Ang Lee sich einen anspruchsvollen Stoff ausgesucht. Den Roman von Ben Fountain, ...
 
... der auf fast schon surreale Art und Weise, davon erzählt, wie Helden in den USA gefeiert, aber auch schnell wieder vergessen – oder aber ausgebeutet werden. Herausgekommen ist ein Film über das Heim der Freien und das Land der Mutigen, den wohl nur ein Filmemacher, der nicht gebürtiger Amerikaner ist, auf diese Art umsetzen konnte. Denn „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ mag auf den ersten Blick nach US-patriotischer Propaganda aussehen, ist aber tatsächlich eine doppelbödige Satire.
 
Wahre Helden?
 
Es ist das Jahr 2004: Der 19-jährige Soldat Billy Lynn ist zu einem amerikanischen Helden geworden, nachdem Filmmaterial aufgetaucht ist, das zeigt, wie er auf offenem Feld den Feind im Irak bekämpft und versucht, seinen Sergeant zu retten. Sein gesamter Zug, die Bravos, gelten nun als Helden. Sie wurden in die USA zurückgeflogen, da sie bei einem Thanksgiving-Football-Spiel in der Halbzeitpause zusammen mit Destiny’s Child auftreten sollen.
 
Zugleich versucht ihr Agent Albert, die Filmrechte an ihrer Geschichte zu verkaufen, aber nachdem die Sache erst heiß war, kühlt sie gerade ab. Aber Albert gibt nicht auf. Er will für die Jungs einen guten Abschluss realisieren.
 
Billy wird derweil von seiner Schwester bedrängt, nicht zurück in den Irak zu gehen. Während sich alle auf die Show vorbereiten, erlebt Billy in Rückblicken noch einmal, wie sich die „Heldentat“ im Irak wirklich zugetragen hat. Die Realität und die Perzeption des amerikanischen Volks unterscheiden sich eben doch enorm.
 
Wie man Helden fickt
 
Auf der einen Seite hat man die Heldenverehrung der Bravo-Soldaten, die schon fast groteske Züge annimmt, auf der anderen Seite versucht man, aus ihnen Kapital zu schlagen. Die Armee, indem sie sie zu Werbezwecken einsetzt und so Unterstützung für den ungeliebten Krieg fördern will, Steve Martins Figur, weil er die Geschichte der Bravos verfilmen, aber dafür nichts löhnen will, und die Bevölkerung als solches, die zwar hinter den Soldaten steht, das aber auch nur, wenn es um Worte geht. „Reden ist billig, es sind Worte, die zählen“, sagt der von Garrett Hedlund gespielte Sergeant Dime. Und er hat Recht. Unterm Strich erfahren diese Soldaten im Irak von ihren Feinden mehr Respekt als in der Heimat.
 
Das ist die bissige Erkenntnis dieses Films, der nur allzu leicht als ein Abfeiern des Krieges oder der US-Armee verstanden werden könnte. Aber da blickt man nicht tief genug. Denn wenn es um die Soldaten geht, dann vor allem darum, dass sich hier ein Band formt, wie es wohl nur in Kriegszeiten geschehen kann, wenn das eigene Leben vom Mann neben einem abhängt. Eine politische Message transportieren diese Soldaten nicht. Vielmehr sehen sie ihren Einsatz zynisch, wie wiederum Sergeant Dime gegenüber einem texanischen Ölförderer sehr gut erkennen lässt.
 
Letzten Endes stehen die Bravos allein und können sich nur aufeinander verlassen. Was schmerzlich bewusst wird, als das Leben in den USA plötzlich sehr viel gefährlicher wird als es sein sollte.
 
Eine Entdeckung
 
Großartig ist der junge Brite Joe Alwyn, der hier sein Debüt als Billy Lynn gibt und im Original mit einem makellosen amerikanischen Akzent überzeugt. Darüber hinaus spielt er exzellent, wenn er den posttraumatischen Stress seiner Figur hervorhebt und zeigt, was das Töten eines Feindes wirklich bedeutet.
 
 
Wie wenig das aber die Öffentlichkeit interessiert, zeigt Ang Lee in einer Sequenz mit einer Pressekonferenz, bei der die Soldaten die Fragen der Journalisten beantworten, aber Lynn vor seinem geistigen Auge sieht, wie die wahre Antwort aussehen muss.
 
Neben Alwyn findet sich hier eine feine Riege hervorragender Mimen. Vin Diesel beweist nach Jahren mal wieder, dass er tatsächlich auch schauspielern kann, Garrett Hedlund empfiehlt sich erneut für große, anspruchsvolle Rollen, und Kristen Stewart spielt angenehm zurückhalten. Selbst Chris Tucker, der sonst mit der Lizenz zum Nerven unterwegs ist, gefällt hier. Und Steve Martin, der zum ersten Mal seit fünf Jahren mal wieder vor einer Kamera stand, spielt schleimig arrogant. Alles in allem ein tolles Ensemble.
 
 
Fazit
 
„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ ist ein bemerkenswerter, sehr stimmiger, ungemein böser Film über die Realität und wie sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, nachdem sie von verschiedenen Interessensgruppen instrumentalisiert worden ist.
 
Ang Lee ist mit der Verfilmung des Romans ein großer Wurf gelungen. Und Hauptdarsteller Joe Alwyn hat schon mit seiner ersten Filmrolle den Durchbruch geschafft. Von diesem Jungen wird man noch viel hören.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Theodore Melfi
  • Drehbuch: Allison Schroeder
  • Stars: Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe
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