deensvtr

Lion - Der lange Weg nach Hause

Artikel bewerten
(7 Stimmen)
Obwohl für vier Golden Globes nominiert, ging „Lion“ in diesem Jahr leer aus. Er musste sich „La La Land“ geschlagen geben, hätte aber ...
 
... zweifelsohne auch jeden Preis verdient, den man sich vorstellen kann, denn die Verfilmung des Bestsellers „Mein langer Weg zurück“, in dem Saroo Bierley beschreibt, wie er als Kind verlorenging und bei einer anderen Familie aufwuchs, ist hochemotionales, sehr packendes Kino.
 
Verirrter Junge
 
Der fünfjährige Saroo (Sunny Pawar) begleite seinen Bruder zum Bahnhof einer indischen Kleinstadt, wird dann aber so müde, dass er auf einer Bank einschläft. Sein Bruder will ihn später wiederholen, doch als Saroo erwacht, sucht er nach seinem Bruder und schläft dann in einem Zug wieder ein. Als er erwacht, rollt der Zug bereits – und stoppt erst 1.600 Kilometer später in Kalkutta. Saroo versteht kein Bengali und ist hoffnungslos verirrt. Doch nach einigen Irrungen und Wirrungen, die ihn ins Waisenhaus führen, gibt es doch einen Silberstreif am Horizont.
 
Denn das australische Ehepaar Sue (Nicole Kidman) und John (David Wenham) will den Jungen adoptieren. So wächst er behütet und privilegiert in einer Stadt in Tasmanien auf, doch als Erwachsener erinnert er sich an einige Momente seiner Kindheit – und sein Wünsch wird größer, seine leibliche Mutter wiederzufinden.
 
Der wahre Star
 
Dev Patel war für einen Golden Globe als bester Nebendarsteller nominiert. Er spielt zwar die Titelrolle, aber längst nicht die Hauptrolle. Der größere Teil des Films wird von dem jungen Sunny Pawar getragen, der zuvor noch nie als Schauspieler aktiv war und vom Casting-Team in einer Schule für benachteiligte Kinder in Mumbai gefunden wurde.
 
Obwohl er noch so jung ist, spielt er exzellent. Das Verlorensein, die Angst, seine Familie niemals wieder zu sehen, die Verzweiflung, als er alleine in Kalkutta herumstromert, all das kann man im Gesicht dieses jungen Schauspielers ablesen. Es ist eine bemerkenswerte Darstellung, die die gestandenen Schauspieler dieses Films in ihre Schranken verweist.
 
Aber das soll nicht heißen, dass die schlecht wären. Nicole Kidman liefert eine nuancierte, feinsinnige und imposante Darstellung einer Mutter ab, die für ihre Kinder alles tun würde, während David Wenham eine Güte und Kameraderie ausstrahlt, die einnehmend ist. Um dem Ganzen einen Hauch von Irrsinn zu geben, ist Rooney Mara dabei. Die Szene, als Saroo und ihre Figur Lucy sich kennen lernen und auf verschiedenen Straßenseiten nebeneinander herlaufen, ist von magischer Schönheit.
 
Emotionale Achterbahn
 
Natürlich könnte man „Lion“ vorwerfen, dass er auf der Klaviatur der Gefühle spielt und den Zuschauer manipuliert. Aber diese Art von Film darf das, umso mehr, wenn es sich noch dazu um eine wahre Geschichte handelt. Denn auch das ist eine der Stärken des Films. Dass er ein Gefühl von Hoffnung schenkt, dass er standhaft davon erzählt, dass jede Geschichte, und sei sie auch noch so schmerzhaft, zu einem Happyend kommen kann. Das mag es im Leben nicht für jeden geben, aber darauf hoffen darf jeder. Und dieser Film bestärkt darin.
 
 
„Lion“ ist exzellent in Szene gesetzt. Jede Szene ist auf die maximale Wirkung ausgelegt, es gibt aber auch Momente, die von ihrer subtilen Schönheit getragen werden. Das sind vor allem Szenen mit Saroos späterer Familie. Ein gänsehauterzeugender Moment kommt, als Saroo mit seiner Mutter spricht und sich fast dafür entschuldigt, dass sie keine Kinder bekommen kann und darum adoptieren musste. Was folgt, ist nicht nur eine Sternstunde von Nicole Kidman, sondern auch überraschend.
 
 
Fazit
 
„Lion“ ist ein eindrucksvoller, zu Herzen gehender Film, der eine große, sehr menschliche Geschichte erzählt, bei der nicht alle Elemente vollständig der Wahrheit entsprechen, da natürlich auch auf die Dramatik geachtet werden musste, aber der Kern ganz und gar erhalten blieb.
 
Technisch makellos, lebt dieser Film von den exzellenten Darstellern, allen voran dem kleinen Sunny Pawar, der die Entdeckung des Jahres ist, was man jetzt schon feststellen darf.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Sully New York und Flugzeugkatastrophen - ein recht empfindliches Thema für die meisten Amerikaner. Bis zum 15. Januar 2009.   An jenem Tag gelang Flugkapitän Chesley „Sully“ Sullenberger eine Notwasserung auf dem Hudson River. Und das ohne Opfer. Alle 155 Passagiere und Cre...
Leanders letzte Reise Ein spannendes Familiendrama, das sowohl Aspekte vom Liebesfilm als auch ...   ... vom Roadmovie innehat, umrahmt von einem Konflikt, der das aktuelle Zeitgeschehen einfängt und gleichzeitig historische Vergangenheitsbewältigung darstellt. „Leanders letzte Reise“ nimmt...
Manchester by the Sea Casey Affleck ist Lee Chandler, ein Einzelgänger, der sich aus seiner Heimatstadt zurückgezogen hat und in Boston als Hausmeister ...   ... und Mädchen für alles tätig ist. Das Leben geht an ihm vorbei, ihn erreicht im Grunde nichts. Entscheidungen trifft er auch nu...
Song to Song Das neue Projekt von Terrence Malick ist ganz im Stil seiner bisherigen Produktionen. Song to Song ist ein ...   ... dokumentarisch anmutendes Filmfragment ohne klares Ziel, mit dabei sind wie immer hochkarätige Schauspieler.   Die Welt kreist nun einmal um sich selbst   ...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Garth Davis
  • Drehbuch: Luke Davies
  • Stars: Dev Patel, Rooney Mara
hnews hsolo rh
Ron Howard ist der Regisseur des immer noch titellosen “Star Wars”-Ablegers zu Han Solo. Dank Howard und dessen Twitter-Konto wissen wir, dass die…
hnews br 1
Am 27. Dezember 2018 kehrt eine der größten Musik-Ikonen aller Zeiten auf die große Leinwand zurück! In BOHEMIAN RHAPSODY verkörpert Rami Malek („Mr.…
hnews jfranco1
Elysium Bandini Studios ist in Hollywood einzigartig. Das Filmstudio produziert nämlich nicht für den größtmöglichen Gewinn, sondern für den guten…
hnews bond craig
Endlich gibt es Klarheit: Daniel Craig, der seit “Casino Royale” 2006 den smarten Agenten im Auftrag seiner Majestät mimt, wird noch einmal zu “007”!…
hnews 007 re
Fans von James Bond sollten sich den 8. November 2019 rot im Kalender markieren. Dann kommt der 25. Bond-Film ins Kino, wie “The Hollywood Reporter”…
laff srm header2
“Jetzt haben wir es geschafft, sind aber auch fast pleite”, lacht Gabriele Hayes, als FantasticMovies sie zur Premiere ihrer Dokumentation “Skid Row…
laff header1
Kurioserweise findet das Film Festival von Los Angeles nicht in Hollywood, sondern im ziemlich verschlafenen Stadtteil Culver City im Südwesten der…
hnews mioe
Regisseur Kenneth Branagh ist es gelungen, zur Neuverfilmung des Klassikers "Mord im Orient Express", nach dem gleichnamigen Bestseller von Agatha…
hnews duniverse
Das „Dark Universe“ wird uns das Fürchten lehren! Zum Kinostart von DIE MUMIE hat Universal Studios das geplante Filmuniversum rund um die legendären…
hnews mmia2a
"Mamma mia, here we go again" - unser liebster Musical-Film kommt zurück! Universal Pictures bringt nächsten Sommer die Fortsetzung zu "Mamma Mia" in…
hnews pmc1
Paul McCartney ist bereit, in See zu stechen! Der Sänger teilte auf seinem Twitter-Profil das erste offizielle Foto in Piraten-Kostüm. Mit langem…
hnews mtv017
Am Sonntag (7. Mai) fanden in Los Angeles die MTV Movie & TV Awards statt. Trotz der Regen-und Hagelschauer holten sich viele Stars ihre Preise…
hnews jffla
“Morris Blaibtroi”, so ganz einfach kommt den Amerikanern der Name des deutschen Schauspielers noch nicht über die Lippen. Bleibtreus Film “Es war…
hnews rdogs
Quentin Tarantinos erster Kinofilm “Reservoir Dogs” feiert seinen 25. Geburtstag. Zu diesem Anlass kamen der Regisseur und seine Hauptdarsteller beim…
hnews ff so
Es sieht ganz so aus, als ob eine der erfolgreichsten Film-Reihen der letzten Jahre bald Nachwuchs bekommt. Wie Brancheninsider “The Hollywood…