Onslaught - Kinostart: 03.09.2026

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Gibt es unter unseren Leser*innen noch viele Fans von John Carpenter?
 
These men no longer feel pain
 
Aus der Einladung zur Pressevorführung von „Onslaught“: “Nach einem fehlgeschlagenen Militärexperiment zieht eine Einheit genetisch modifizierter Supersoldaten eine Spur der Verwüstung durch das amerikanische Hinterland. Ausgerechnet Army-Veteranin Celeste stellt sich ihnen mit maximaler Energie entgegen. Denn um eine Killermaschine aufzuhalten, musst du selbst zur Killermaschine werden!
 
Ich könnte jetzt gleich anfangen, aufzuzählen, was alles an diesen wenigen Zeilen schon nicht stimmt, bevor ich mich den vielen, vielen Defiziten des Films selbst widme. Aber das Leben ist hart genug, da muss man zu sich und seiner Umwelt nicht härter sein als nötig. Also versuche ich etwas Positives oder wenigstens irgendwie Besonderes an Adam Wingards neuem Film zu finden und damit anzufangen.
 
Und das Einzige, das mir aufgefallen ist, wäre die offensichtliche Begeisterung Wingards für das Werk John Carpenters. Und die ist ja auch ebenso berechtigt wie nachvollziehbar. John Carpenter ist einer der wichtigsten und originellsten Filmemacher der Siebziger- und Achtzigerjahre. Filme wie „Dark Star“, „Die Klapperschlange“ oder „Sie leben“ sind nicht bloß Meisterwerke, sie haben Generationen von Filmemachern beeinflusst. So auch den Regisseur und Co-Autor von „Onslaught“ Adam Wingard. Das ist nichts ganz Neues, für alle, die Wingards frühen Thriller „The Guest“ gesehen haben.
 
Aber die Vielzahl von Referenzen an die Filme von Altmeister Carpenter in Wingards neuem Film würde locker für ein Trinkspiel reichen. Einfach bei jeder ganz offensichtlichen Hommage an die alten Filme von Carpenter einen Kurzen kippen. Allein die Filmmusik, die an einigen Stellen fast den Tatbestand des Plagiats erfüllt, ist geeignet einen während des Films fahrunfähig werden zu lassen. Die Augenklappe der Heldin ergibt innerhalb der Handlung wirklich gar keinen Sinn und kann gar nichts anderes als eine Referenz an Snake Plissken sein, also Prost. Das ewige Herumstehen der Killer vor den Fenstern ihrer Opfer imitiert Michael Myers und beschert einen Vollrausch. Und die Schrifttype des Abspanns kann – je nach Konstitution der Filmfans - den Unterschied zwischen einem normalen Besäufnis und einer ausgewachsenen Alkoholvergiftung ausmachen.
 
An verschiedenen Stellen sind diese vielen Referenzen nicht nur schlecht für die Leber, sie stören auch den Film. Das ständige Gekreische der Heldin von „Onslaught“ ist sicher eine nette Verbeugung vor der ewigen „Scream-Queen“ Jamie Lee Curtis. Aber irgendwann kann man nicht mehr ignorieren, wie unpassend es ist, wenn eine erfahrene Soldatin mit jeder Menge Kampferfahrung in diesem einen Film mehr herumschreit als Jamie Lee Curtis und ihre Mutter Janet Leigh im Laufe ihrer beider gesamter Karrieren. Ich war noch nie in einem Boot Camp der US Army, aber ich bin mir ziemlich sicher, das Gekreische in gefährlichen Situationen wird einem dort als erstes abgewöhnt. Danach bekommt man vermutlich beigebracht, bei einem Überfall durch schwer bewaffnete Killer, die eigenen Waffen bei sich zu behalten. Eine Lehre, von der die Heldin dieses Films auch noch nie gehört hat.
 
Aber was hat „Onslaught“ all jenen Filmfans zu bieten, die keinen Vorwand für einen Vollrausch suchen? Nicht viel ehrlich gesagt. Eigentlich nix. Die Handlung ist dümmer als dumm. Die Beschränkungen des Budgets sind in fast jeder Szene offensichtlich. Die „Einheit genetisch modifizierter Supersoldaten“ besteht aus drei schlecht gekleideten Stuntleuten und die angepriesene „Spur der Verwüstung durch das amerikanische Hinterland“ besteht aus einem Überfall auf einen Truckstop und einem weiteren auf einen Trailerpark und dann findet die Spur bereits ihr Ende. Und echte Spannung mag auch nie aufkommen, weil die klischeehafte Figurenzeichnung keinen Zweifel zulässt, wer überleben wird und wer nicht. Solchen Mut, wie ihn John Carpenter bei der Auswahl der Opfer in „Assault on Precinct 13“ gezeigt hat, lassen die Studios im 21. Jahrhundert gar nicht mehr zu.
 
Adam Wingard hat leider nicht einmal den Mut, seinen Film mal richtig trashig werden zu lassen. Und obwohl er weniger einen Action- als einen bloßen Gewaltfilm gedreht hat, benutzt der Regisseur die Dunkelheit der Szenerie und kreative Kamerawinkel, um dann doch nicht genug zu zeigen, dass dieser Film vielleicht als Splatter-Film funktionieren könnte. Dabei zeigt Wingard genug Kompetenz als Filmemacher, uns nicht einmal den Gefallen zu tun, seinen Film auf interessante Art und Weise schlecht geraten zu lassen. Das Ganze ist 92 zähe Minuten lang nichts anderes als einfach nur mittelmäßig.
 
Put them somewhere safe
 
Dazu passen auch die Einzelleistungen der Darsteller*innen. Hauptdarstellerin Adria Arjona ist eine dieser wunderschönen Frauen, denen offensichtlich nie jemand widersprechen mag, wenn sie meinen, Schauspielerinnen zu sein. Laut meinen Recherchen habe ich Frau Arjona im Laufe der letzten Jahre in nicht weniger als sechs verschiedenen Filmen gesehen (darunter solche Kracher wie „Morbius“ und „Blink Twice“). Offensichtlich hat sie in keinem dieser Filme großen Eindruck auf mich gemacht. Daran hat auch „Onslaught“ nichts geändert.
 
Ich unterstelle mal, Adam Wingard ist nicht nur ein Fan von John Carpenter, sondern ganz allgemein von Actionfilmen und Krimis vergangener Jahrzehnte. Und so beschert uns „Onslaught“ ein Wiedersehen mit dem mittlerweile über siebzigjährigen Reginald VelJohnson, dem Mann, der den entscheidenden letzten Schuss in „Die Hard“ abgefeuert hat. Dan Stevens ist einer der wandelbarsten Darsteller unserer Zeit. Wer den Mann nur aus „Downton Abbey“ kennt, hat viel verpasst. Etwa seine intensiv-gruselige Darstellung in „The Guest“, aber auch sein komödiantisches Talent in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“. Nach seiner herrlich überdrehten Darstellung eines deutschen Mad-Scientist in „Cuckoo“ gibt er hier eine noch bescheuertere Version eines deutschen Mad-Scientists. Schön, wenn Herr Stevens eine Nische für sich gefunden hat. Jetzt wo Udo Kier tot ist.
 
Drew Starkey („Love Simon“) spielt hier eine Rolle, die noch ein bisschen bescheuerter ist als die von Dan Stevens. Rebecca Hall („Godzilla x Kong: The New Empire“) hat in diesem Film bloß drei Szenen. Die erste dieser Szenen ist schräg, die zweite ist reine Exposition und die dritte ist schräge Exposition. Warum sie mit sowas ihr Talent verschwendet, muss sie selbst wissen. Das gleiche gilt für Michael Biehn („Terminator“, „Aliens“), der bloß zwei Szenen hat. Ein kleines Mädchen namens Blake Kennedy spielt eine Rolle, die man besser vor Drehbeginn gestrichen hätte.
 
 
Fazit
 
Außer einem Trinkspiel für Fans von Altmeister John Carpenter hat dieser extrem mittelmäßige Film wirklich nichts Besonderes zu bieten. Ein Film von bescheidenem Unterhaltungswert, wie er uns auf jedem Streamingdienst zu Dutzenden angeboten wird.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Adam Wingard
  • Drehbuch: Simon Barrett
  • Besetzung: Adria Arjona, Alex Pereira