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Der Club der Roten Bänder - Kinostart: 14.02.2019

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Ein Film der die Vorgeschichte zu einer Fernsehserie erzählt? Und dann noch ...
 
... zu einer deutschen Fernsehserie? Die noch dazu im Privatfernsehen gelaufen ist? Wie interessant kann so ein Film ausfallen? Recht interessant, wie sich herausstellt.
 
Krebswitze und dämliche Erwachsene
 
Vor etwas mehr als drei Jahren lief auf VOX die erste Folge der Fernsehserie „Der Club der roten Bänder“. Seither verfolgten bis zu drei Millionen Zuseher die Schicksale der schwerkranken Teenager Leo, Jonas, Emma, Alex, Hugo und Toni in der „Albertus-Klinik“. Der Verfasser dieser Zeilen war selbst nie einer dieser drei Millionen, weil er a) keine Serien im free-TV schaut und b) längst älter als siebzehn Jahre ist. Nachdem ich also erfolgreich jede der drei Staffeln der Serie meiden konnte, durfte ich an einem kalten Januarmorgen zur Pressevorführung des Spielfilms, in dem nun die Vorgeschichte erzählt werden sollte. Und das, wo doch allzu viele deutsche Spielfilme ohnehin wie Pilotfilme zu mittelmäßigen TV-Serien wirken ...
 
Aber schon nach wenigen Minuten musste ich feststellen: Das ist kein Pilotfilm zu einer mittelmäßigen Serie. Hier werden nicht einfach nach Schema F die verschiedenen Charaktere vorgestellt und dann zusammengeführt, damit dann das stattfinden darf, was TV-Drehbuchautoren für eine „Handlung“ halten. Was ich zu sehen bekam, war ein echter Kinofilm. Und gar kein schlechter.
 
Das liegt vor allem an den jugendlichen Hauptcharakteren. Drehbuchautoren haben oft nur unzureichende Erinnerungen an die eigene Jugend, Daher versagen sie so oft, wenn es darum geht, glaubwürdige jugendliche Rollen zu schreiben. In „Der Club der roten Bänder – Wie alles begann“ bekommen wir echte junge Menschen zu sehen. Die Charaktere sprechen wie echte junge Menschen, agieren wie echte junge Menschen und reagieren wie echte junge Menschen.
 
Leo leidet zwar an Krebs und verliert sogar sein Bein. Trotzdem interessiert ihn das bildhübsche Mädchen teilweise mehr als seine Krankheit. Jonas wird zuhause von seinem älteren Bruder terrorisiert. Weil seine Eltern versagen, muss er erst im Krankenhaus lernen welchen Wert und welche Kraft er hat. Emma will ihre eigenen Probleme nicht erkennen und reagiert nur abweisend. Alex ist überfordert, als sein Vater sich als Egoist herausstellt. Toni leidet am Asperger-Syndrom und hält sich nicht für „anstrengend“ sondern bloß für „besonders“. Und Hugo liegt im Koma und kommentiert das Geschehen aus der Zwischenwelt.
 
 
Gerade weil die Rollen der jungen Protagonisten alle so gut geschrieben sind, fällt umso stärker auf, wie wenig den Drehbuchautoren zu den erwachsenen Figuren eingefallen ist. Fast jeder der Volljährigen ist eine bloße Ansammlung von Klischees. Die Eltern sind alle doof und schnallen nichts. Ärzte sind alle unsensibel. Und der Opa ist eine selbstlose Seele und opfert sich natürlich gerne auf. Selbst die Rolle des von Jürgen Vogel gespielten Todkranken Benni ist einfach ein bisschen zu glatt ausgefallen und ist mehr ein Handlungselement als eine echte Person.
 
Film ist nicht Fernsehen
 
Aber solche kleinen Defizite sind nebensächlich, wenn der Film als Ganzes funktioniert. Und das tut er. Überraschend mutig gehen Drehbuch und Regie ihren eigenen Weg. Statt das Naheliegende zu tun und die Figuren der Reihe nach kurz vorzustellen, um sie dann zusammenzuführen, lässt sich die Handlung Zeit. Einige Figuren begegnen einander früher, andere später und die eine oder andere Begegnung findet wohl erst nach der Handlung dieses Films statt. So bewegt sich die Story sehr homogen. Und so wird „Der Club der roten Bänder – Wie alles begann“ zu einem eigenständigen, vollwertigen Kinofilm, statt bloß zum Prequel einer Fernsehserie.
 
Natürlich ist nicht jeder Aspekt des Films gelungen. Das Drehbuch von Arne Nolting („Salami Aleikum“) und Jan Martin Scharf („Der letzte Bulle“) fällt oft zu dialoglastig aus. Eine lange Traumsequenz an einem Turm hätte um einige Hundert Wörter gekürzt werden müssen. Der Krankenhausalltag wirkt nicht besonders realistisch. Und wenn jemandem das linke Bein amputiert wurde, sollte man diese Figur nicht Motorrad fahren lassen.
 
 
Auch die Regie von Felix Binder („Lerchenberg“) fällt manchmal arg konventionell aus. Eine Sequenz mit einem Riesenrad ist purer Kitsch. Und vor allem die erwachsenen Schauspieler hätten an einigen Stellen mehr Anleitung brauchen können. Aber dann beweist Regisseur Binder doch wieder einen sehr filmischen Blick für Orte und Räume. Ein leeres Freibad wirkt wie verzaubert als Treffpunkt in der Zwischenwelt. Ein verwahrlostes Basketballfeld bietet einen fantastischen Ausblick. Und in einer berührenden Sequenz bekommen wir ohne viele Worte vermittelt, warum einem Vater so viel daran liegt, eine Wanderung abzuschließen.
 
Die Gang
 
Die jungen Darsteller haben bereits in der Serie bewiesen, was sie können. Freunde der Serie hätten vielleicht der einen oder anderen Figur mehr Szenen gewünscht. Vor allem Timur Bartels hatte kaum Gelegenheit, uns seine Figur Alex näherzubringen. Aber im Großen und Ganzen liefern die jungen Darsteller eine beachtenswerte Ensembleleistung ab.
 
 
Fazit
 
Diese Vorgeschichte ist natürlich vor allem für Fans der Serie gedacht. Aber auch ohne Vorkenntnisse bekommt man hier eine berührende Geschichte voller witziger Einfälle in einem soliden, gut gemachten Kinofilm geboten.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Felix Binder
  • Drehbuch: Arne Nolting
  • Besetzung: Tim Oliver Schultz, Jürgen Vogel
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