Bradley Coopers neuer Film über die ungewöhnlichen Anfänge eines ...
... Stand-Up-Comedians ist auf eine eigene, ganz bestimmte Art sowohl für Filmfans als auch für Fans von Stand-Up-Comedy interessant …
Are you okay?
Alex Novak und seine Frau trennen sich nach 20 Jahren Ehe. Wie das Leben so spielt, stolpert Alex in eine Open-Mic-Night in einer Bar und beginnt neben seinem Job, seiner Familie und seiner Scheidung eine Karriere als Stand-Up-Comedian. Und wie das Leben so spielt, funktioniert das alles ganz schnell nicht nur ganz wunderbar, Alex lernt dabei auch einiges über Comedy und über sich selbst …
Bradley Cooper unterlaufen bei diesem Film als Regisseur und gemeinsam mit Will Arnett und Mark Chappell als Drehbuchautor leider einige schwerwiegende Fehler. Dass ihm in einem Hollywoodfilm über Stand-Up-Comedy lauter Fehler unterlaufen, die typisch für Hollywoodfilme und/oder typisch für Stand-Up-Comedy sind, sorgt für eine feine ironische Note und bildet den besten von leider nur wenigen Gags seines Films.
Treue Leser*innen, die mit Stand-Up-Comedy vertraut sind und schon mal eine Open-Mic-Veranstaltung besucht haben kennen dieses Phänomen: Man hört einem Comedian zu, der von eigenen Erlebnissen erzählt. Der Mensch auf der Bühne hält das Erzählte offensichtlich für lustig, aber das Gelächter im Publikum hält sich in Grenzen. Nach dem Set möchte man der Person auf der Bühne am liebsten erklären, dass sie das Erzählte nur deshalb lustig finden konnte, weil es ihr selbst passiert war. Weil es dem Publikum aber NICHT passiert ist, kann es sich darüber leider NICHT amüsieren.
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http://www.cinepreview.de/index.php/item/1258-is-this-thing-on-kinostart-26-03-2026#sigProId355fcaa329
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Gleichsam wissen aufmerksame Filmfans mittlerweile längst um die Besessenheit der Studios von Projekten „based on a true story“. Uns als Publikum kann es gleichgültig sein, ob die Handlung von „Is this thing on?“ von der Lebensgeschichte des britischen Comedians John Bishop inspiriert ist. Was uns nicht gleichgültig sein kann, ist wie langweilig dieser Film ist. Man möchte am Ende beinahe sagen, „Hm, … muss man wohl dabei gewesen sein“.
Ein weiterer Fehler ist wieder typisch für Hollywoodfilme: Wenn man im Film irgendeine Art von Künstler oder Performer zeigt, ist es immer gefährlich auch die Kunst oder Performances zu zeigen. Denn wenn diese nichts taugen, stört das den Eindruck, den das Publikum vom Film gewinnen soll. Als man uns vor einigen Jahren in „Beach Bum“ Matthew McConaughey als begnadeten Poeten verkaufen wollte, hat der Film unter anderem deshalb nicht funktioniert, weil seine im Film dargebotene Dichtkunst ganz einfach furchtbar war. Und wenn Will Arnett in „Is this thing on?“ wenige, dafür bestenfals halblustige Pointen auch noch schlecht über die Rampe bringt, stört das unseren Eindruck vom Film empfindlich.
Comedians machen es sich mit ihren Witzen oft zu leicht (ich meine, wie oft betritt tatsächlich ein Pferd eine Bar oder gehen ein Rabbi und ein Priester gemeinsam zu einem Boxkampf?). Ähnlich leicht machen es sich viele Autoren von Drehbüchern für Hollywoodfilme. Und so war es beinahe zu erwarten, dass in „Is this thing on?“ alles ein bisschen zu glatt läuft. Wirtschaftliche oder finanzielle Faktoren scheinen im Zuge von Alex‘ Scheidung keinerlei Rolle zu spielen. Er scheint offensichtlich einen gut bezahlten Job zu haben, aber was er macht, erfahren wir nicht. Wir stellen nur fest, dass er zeitlich wohl nicht besonders eingespannt zu sein scheint. Und natürlich läuft auch seine zweite Karriere als Stand-Up-Comedian, trotz seiner leider witzlosen Auftritte, recht bald recht gut.
Die Geschichten, die Stand-Up-Comedians erzählen, müssen immer mit einer Pointe enden. Und Hollywoodfilme ohne versöhnliches Ende sind so selten wie Comedians die nicht über ihre Eltern oder Partner reden. Darf es uns da noch verwundern, dass sich die wenigen Konflikte in diesem Film samt und sonders in Wohlgefallen auflösen und das auf witzige und/oder kitschige Art und Weise? Eine Figur stolpert zufällig in einen Club und das zufällig während eines Auftritts des Helden, während er zufällig gerade von ebendieser Person erzählt. Viel glatter kann sich eine Geschichte nicht entwickeln.
Life’s weird (SPOILER)
Dabei kann man zwischendurch durchaus festhalten, dass Bradley Cooper als Regisseur keinen schlechten Job macht. Er lässt Kameramann Matthew Libatique („Black Swan“) mit dem er bereits bei seinen früheren Filmen, „A Star is Born“ und „Maestro“ zusammengearbeitet hat, fast dokumentarische Bilder liefern. Wie Cooper seine Darsteller*innen im Raum platziert, vermittelt uns ganz hervorragend die Nähe der Figuren zueinander. Aber immer wieder macht er es sich als Co-Autor und Regisseur viel zu leicht und das von Anfang - einer eher unergiebigen Szene mit einem chinesischen Drachentanz - bis zum bitteren Ende, wenn die Kinder während einer Schulaufführung „Under Pressure“ darbieten und die Eltern fragen, „Why can’t we give love one more chance?“.
Erfolgreiche Comedians arbeiten oft mit weniger erfolgreichen Comedians zusammen, um diesen eine Plattform zu geben. So hätte Rob Schneider ohne Adam Sandler nicht einmal das bisschen Karriere, das er hat. Und es gibt nur wenige Projekte von Kevin James, in denen nicht auch sein leiblicher Bruder Gary Valentine auftaucht. Und in Hollywood besetzt man ganz allgemein gerne Comedians und gibt ihnen dann keine Chance witzig zu sein. Chris Rock beispielsweise ist einer der besten Stand-Up-Comedians weltweit. In seinen Filmen ist davon praktisch nichts zu merken. Amy Poehler ist im Fernsehen großartig. In Filmen ist sie nur witzig, wenn sie animierten Figuren ihre Stimme leiht.
Es sollte uns also nicht überraschen, wenn in diesem Film begabte, (noch) nicht übermäßig bekannte Comedians wie Jordan Jensen, Chloe Radcliffe oder Amy Sedaris zu sehen sind und sie allesamt keine Gelegenheit bekommen, zu zeigen wie witzig sie sind. Die Besetzung von Sean Hayes sorgt für Irritation, weil man den ganzen Film zunächst vergeblich darauf wartet, dass der Mann, der jahrelang in der Serie „Will & Grace“ grandios komisch war, endlich auch in diesem Film mal etwas Komisches sagt oder tut, bevor man dann schon zufrieden wäre, wenn seine Figur bloß einmal etwas zur Handlung beitragen würde.
Zur Handlung trägt auch die Figur von Andra Day („The United States vs. Billie Holiday“) nicht viel bei. Ihre Figur tritt der Hauptfigur gegenüber ständig feindselig auf, liefert dann ein banales Eingeständnis dieser Feindseligkeit, um dann in ihrer nächsten Szene gleich wieder feinselig aufzutreten. Bradley Cooper selbst ist in wenigen Szenen als eine Art Parodie auf einen mittelmäßigen Schauspieler zu sehen, die leider ebenso wenig witzig ausfällt wie die Open-Mic-Auftritte der Hauptfigur.
Es ist schwer zu sagen woran es liegt. Vielleicht daran, dass in diesem Drehbuch alle weiblichen Figuren so doof und/oder verständnislos sind wie in der Story eines miesen Comedians. Vielleicht auch daran, dass Laura Dern und Will Arnett irgendwie nie die richtige Chemie entwickeln und als langjähriges Ehepaar kaum jemals glaubhaft wirken. Jedenfalls wirkt die sonst so großartige Laura Dern („The Son“, „The Last Jedi“) hier seltsam fehbesetzt.
Und fehlbesetzt wirkt leider auch Will Arnett. Die Stand-Up-Auftritte seiner Figur wirken nicht witzig. Obwohl oder gerade weil wir über den Hauptjob des Helden nicht mehr erfahren als irgendwas „in finance“, kaufen wir ihm auch das niemals ab. Arnett wirkt weder als liebender Ehemann noch als fürsorglicher Vater jemals glaubhaft. Und am Ende weiß man gar nicht, ob man sich über das Happy End für seine Figur nun wirklich freuen mag.
Fazit
Interessant an diesem Hollywoodfilm über Stand-Up-Comedy ist, wie Bradley Cooper und seinem Team hier Fehler unterlaufen, die typisch für Hollywoodfilme und/oder typisch für Stand-Up-Comedy sind. Davon abgesehen hat der Film leider nur wenig Interessantes zu bieten.
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