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Widows: Tödliche Witwen - Kinostart: 06.12.2018

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Drei Frauen stellen sich dem kriminiellen Erbe ihrer Ehemänner.
 
Mal sehen, wie sie sich schlagen…
 
Opfer vs. Täter
 
Um in diesem perfiden Katz-und-Maus-Spiel nicht zu viel zu verraten, hier ein kurzer Überblick der Handlung. Harry Rawlings (Liam Neeson) und seine Räuber-Bande verpatzen einen Job und werden von der Polizei in einem Lagerhaus eingekreist und getötet. Das Geld geht in einem immensen Feuerball auf, als das SWAT-Team die Räuber von allen Seiten beschießt. Zeitgleich kandidiert der zwielichtige Jack Mulligan (Colin Farrell) als Stadtrat und versucht seinen Kontrahenten Jamal Manning (Bryan Tyree Henry) auszustechen. Ab hier wird es interessant, denn der Überfall galt Manning und seinem Geld.
 
Manning braucht das Geld für seine laufende Kampagne und bedroht Rawlings Witwe Veronica (Viola Davis) die geraubten zwei Millionen Dollar wiederzubeschaffen. Als Veronica dann ein Notizbuch mit Aufzeichnungen für Harrys nächsten geplanten Raubzug in die Hände fällt, rekrutiert sie kurzerhand die anderen Witwen seiner Raubkumpanen. Gemeinsam wollen sie den Plan in die Tat umsetzen, Manning bezahlen und den Rest für einen Neustart aufteilen…
 
Soweit also die Story, die auf einer britischen TV-Serie beruht. Nach „Hunger“, „Shame“ und dem Oscar-prämierten „12 Years a Slave“ nimmt sich Regisseur Steve McQueen auch hier wieder einem ungewöhnlichen Thema mit viel Tiefgang an: Die Behauptung der Frau in der Männerwelt, die Folgen von Kriminalität, Rassismus, korrupten Machenschaften und Geld als die Wurzel allen Übels. McQueen hat bereits in seinen vorherigen Filmen ein Händchen für Charakter- und Storyentwicklung auf einem realistischen Niveau bewiesen. Mit „Widows“ ist er meiner Meinung nach seinem vorherigen Erfolgen nicht gerecht geworden.
 
Realismus vs. Hollywood
 
Ohne Umschweife steigen wir gleich ins knallharte Geschehen ein. Der Überfall missglückt, die Bande ist auf der Flucht, es fliesst Blut. Dazwischen sehen wir die Räuber und ihre Frauen in ihrem Alltag und werden so den Charakteren vorgestellt. Als die letzten Schüsse fallen und der Nebel sich verzogen hat, bleibt man mit ein paar Fragmenten der Story – Vergangenheit und Gegenwart – und ist schonmal mit dem nötigsten Wissen versorgt. Die Inszenierung ist rasant, ungewöhnlich und ein Auf-und-Ab der Gefühle, wenn man sieht, wie es bei den Räubern privat und „im Job“ läuft. McQueen setzt wieder auf schonungslosen Realismus, hält mit wackelnder Kamera auf die Räuberbande im Van, durch die offene Tür, auf die Polizei im Schlepptau. Alles wirkt fast dokumentarisch, keine Standard-Helden-Shots und High-Speed-Verfolgungsjagden. In vielen kleinen Details, wie übersteuernden Mikrofonen und einem etwas senilen Robert Duvall als vor Wut spuckenden Vater von Colin Farrell, hat man das Gefühl, dass man hier echte Menschen statt Schauspieler, echten Geschehnissen statt einem Film zusieht.
 
 
Genau diese Details in Story und Charakteren hatten besonders stark auf mich gewirkt in „Shame“ und „12 Years a slave“.
 
Leider reißen einen in „Widows“ immer wieder die alten Hollywood-Klischees aus diesem Gefühl, mittendrin zu sein statt nur bloßer Beobachter. So sind hier Männer ausschließlich die Bösen und Frauen die Guten, die Umsetzung des Plans ist an manchen Stellen zu spielerisch, was eher zu „Oceans Eleven“ als zu einem realistischen Thriller passt. Bei der Perfomance von Daniel Kaluuya als Mannings Vollstrecker war ich konstant hin- und hergerissen zwischen „großartig“ und „übertrieben“. Leider flacht dadurch die Handlung nach dem furiosen Auftakt ingesamt auch ab. Die Story übergeht leider sehr schnell wichtige Elemente in der Entwicklung und Verhältnisse der Charaktere, dass es mir schlicht an der nachvollziehbaren Motivation der drei Frauen fehlt, warum sie so einen waghalsigen Coup durchziehen sollten. Auch der Twist und die Auflösung am Ende bringen nicht den gewünschten „Aha-Effekt“ und hinterlassen einen etwas schalen Nachgeschmack.
 
Blockbuster vs. Charakterstudie
 
Über 120 Minuten sitze ich also im ständigen Wechselbad der Gefühle. Der Cast ist großartig, Viola Davis allen voran überzeugt in ihrer Darstellung, sie bekommt aber auch den größten Fokus. Daher wirken Rodriguez und Debicki etwas blass und unausgereift, ihre Backstories wanken stark zwischen echtem Mitgefühl und Standard-Tränendrüsen-Drücker. Zwar kann ich nachvollziehen, dass McQueen auch echte Sozialkritik und heute relevante Themen aufgreift, aber die entkräften sich leider durch die wenig ausgearbeiteten Storylines. Für einen Blockbuster ist es mir ein Ticken zu viel menschlicher Tiefgang, für eine Charakterstudie zu viel Hollywood-Typisches und Altbekanntes.
 
 
Fazit
 
Nach „12 Years a Slave“ war ich sehr gespannt, wie McQueen sich einem Genre-Film annehmen wird. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, allerdings kann sich der Film nicht entscheiden, was er sein möchte. Realistische Inszenierung ist ein Markenzeichen McQueens, allerdings verliert die Inszenierung an Intensität, wenn die Story an manchen Stellen einfach eklatante Lücken hat.
 
Dinge passieren einfach, ohne jeglichen reellen Kern, weil das Drehbuch es einfach so vorgibt. Dadurch wirkt die Interaktion zwischen Charakteren manchmal zu forciert, was dem Anspruch an realistische Darstellung oft in die Quere kommt. So kann ich „Widows“ zwar guten Gewissens empfehlen, da es einer der besseren Filme ist, die ich dieses Jahr gesehen habe, trauere aber um die verfehlte Chance, einen realistischen Thriller wie Cronenbergs „Tödliche Versprechen“ oder Lumets „Tödliche Entscheidung“ mit so einer Top-Besetzung umzusetzen. Schade, Mr. McQueen…
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Allan F
  • Regisseur: Steve McQueen
  • Drehbuch: Gillian Flynn
  • Besetzung: Viola Davis, lizabeth Debicki
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