A Quiet Place: Tag Eins - Kinostart: 27.06.2024

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Zum dritten Mal heißt es still sein, um zu überleben. Der neue Film der „A Quiet Place“-Saga ...
 
... schlägt in den Kinosälen auf und erweist sich als überraschend feinfühliges Endzeitdrama.
 
New York am Tag des Zusammenbruchs
 
Man durfte gespannt sein, was Michael Sarnoski aus einer Studioproduktion wie „A Quiet Place: Tag Eins“ herausholen würde. Mit seinem Debütwerk „Pig“ hatte der Regisseur und Drehbuchautor 2021 nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Nicolas Cage in der Rolle eines zerzausten Ex-Gourmetkochs auf der Suche nach seinem entführten Trüffelschwein – so die Prämisse seines Erstlings – roch nach einer Rachegeschichte altbekannter Art.
 
Doch dann entpuppte sich der Streifen als eigenwilliges, eher zurückgenommenes Drama über einen Mann am Rande der Gesellschaft. Sarnoskis zweiter Langfilm ist nun also ein Reihentitel aus dem Hollywood-System, der als Spin-off-Prequel zu den Endzeitthrillern „A Quiet Place“ und „A Quiet Place 2“ fungiert.
 
Das 2018 veröffentlichte, von John Krasinski inszenierte Ursprungskapitel avancierte zu einem Überraschungshit an den Kinokassen und wurde von den meisten Kritikern gelobt. Der kammerspielartige Kampf der Familie Abbott gegen blinde Aliens, die über ein hochsensibles Gehör verfügen, kommt nahezu ohne gesprochene Worte aus und fesselt nicht zuletzt wegen eines wirkungsvollen Sounddesigns.
 
„A Quiet Place 2“ erschien zwei Jahre später, beschreibt die Odyssee der verbliebenen Protagonisten durch ein seit der außerirdischen Invasion verheertes Land und weicht den konzentrierten Ansatz des Vorgängers spürbar auf. Die Fortsetzung bietet mehr Bewegung, mehr Figuren und mehr Spektakel, folgt also den vertrauten Sequel-Wegen, gerät im Vergleich aber generischer und nicht ganz so intensiv.
 
Mit einem kleinen Rückblick zum ersten Tag des Alien-Angriffs eröffnet bereits „A Quiet Place 2“. Dabei stehen allerdings die Erfahrungen der in einer US-Kleinstadt wohnenden Abbotts im Mittelpunkt. Das nun startende Prequel wirft einen umfassenderen auf den Beginn der Invasion und führt uns nach New York, wo wir für einige Augenblicke dem aus dem zweiten Kapitel bekannten Henri (Djimon Hounsou) begegnen. Hauptfigur von „A Quiet Place: Tag Eins“ ist jedoch die todkranke Samira (Lupita Nyong’o), die in einem Hospiz außerhalb des Stadtzentrums lebt. Als sie mit anderen Patienten im Herzen von Manhattan ein Marionettentheater besucht, bricht urplötzlich die Hölle los.
 
Herzstück ist zwischenmenschliche Ebene
 
Den Auftakt der Invasion inszeniert Sarnoski als immersives, desorientierendes Durcheinander. Gigantische Staubwolken legen sich wie nach 9/11 über die Straßen, durch die wir mit Samira taumeln. Im Theater, in das sie wenig später flüchtet, herrscht eine gespenstische Atmosphäre. Niemand wagt es, etwas zu sagen. Überall panische Gesichter, ungläubiges Entsetzen. Auch wenn das Kino in den letzten Jahren reihenweise Untergangsbilder produziert hat, schafft es der Film, uns in das Chaos hineinzusaugen.
 
 
Samira, die sich eingangs mit einem leichten Augenzwinkern als einen schlechten Menschen charakterisiert, beweist im Angesicht der Katastrophe Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Während erste Evakuierungsmaßnahmen anlaufen, zieht es sie und ihre Therapiekatze in eine andere Richtung als die restlichen Überlebenden. Eine saftige Pizza möchte sie essen. Nicht mehr und nicht weniger. So, wie sie es vor dem Ausbruch des Infernos geplant hat. Irgendwann begegnet sie dem verloren wirkenden Engländer Eric (Joseph Quinn), der ihr fortan nicht mehr von der Seite weicht.
 
„A Quiet Place: Tag Eins“ packt hier und da einen Jump-Scare aus, lässt es immer mal wieder krachen, zeigt die unbarmherzigen Aliens in Aktion. Und doch ist der Film weniger ein Monsterthriller, sondern vor allem ein Survivaldrama über die Kraft des Zusammenhaltens. Im dystopischen Kino dieser Tage wird oft das Der-Mensch-ist-des-Menschen-Wolf-Narrativ bemüht, das sicher seine Berechtigung hat. Gerade in aufgeregten Zeiten wie den unseren braucht es aber auch hoffnungsvolle Geschichten.
 
Wenn es hart auf hart kommt, sind wir nämlich durchaus in der Lage, eigene Bedürfnissen hintanzustellen, zu helfen, Trost zu spenden. Genau darum geht es Sarnoski in seinem Endzeitprequel, das immer wieder einen Gang zurückschaltet, Stille wirken lässt und in nachhallenden Szenen illustriert, wie wichtig in der größten Not gegenseitiges Stützen sein kann. Obwohl wir relativ wenig über die beiden Protagonisten erfahren und das Ende in groben Zügen vorhersehbar ist, geht ihre Beziehung mehr und mehr unter die Haut. Auch dank feinfühliger Schauspielleistungen.
 
„A Quiet Place: Tag Eins“ bietet vielleicht etwas weniger Thrill, ist dafür aber intimer als der zweite Teil und schenkt uns einige aufwühlend-einprägsame Bilder. Zu sehen, wie Samira gegen den Strom einer Menschenmasse läuft oder mit Eric die Donnerphasen eines Gewitters nutzt, um Anspannung und Verzweiflung hinauszuschreien, ist allemal bewegend. Ein Auge zudrücken muss man, wie schon in den anderen Reihentiteln, in Sachen Logik. Dass eine sichtlich ausgezehrte Hospizpatientin um ihr Leben rennt und schwimmt, erscheint zumindest etwas zweifelhaft. Überdies fühlen sich einige Passagen nach eher pflichtschuldigen Actioneinschüben an, die spektakelliebende Zuschauer zufriedenstellen sollen.
 
 
Fazit
 
In „A Quiet Place: Tag Eins“ bedient Michael Sarnoski kompetent Muster des Endzeitkinos. Besonders am Herzen liegt ihm allerdings die zwischenmenschliche Komponente, was einen emotional immer kraftvoller werdenden Film entstehen lässt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Michael Sarnoski
  • Drehbuch: Michael Sarnoski
  • Besetzung: Lupita Nyong’o, Joseph Quinn