Send Help - Kinostart: 29.01.2026

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„Tanz der Teufel“-Schöpfer Sam Raimi schickt Rachel McAdams und Dylan O’Brien ...
 
... als verlachte Angestellte und Arschlochboss auf eine einsame Insel.
 
Trotz Kompetenzen übergangen Letztmals auf dem Regiestuhl saß Sam Raimi bei der 2022 veröffentlichten Marvel-Großproduktion „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“, die seine Liebe zum Horrorkino durchscheinen ließ. Mindestens zwei Nummern kleiner ist nun das nächste Projekt, bei dem der US-Amerikaner die kreative Gesamtverantwortung trug. Mit „Send Help“, einer satirisch aufgeladenen Thriller-Robinsonade, bewegt er sich ein Stück zurück zur rohen, blutreichen Genreunterhaltung seiner Karriereanfänge. Ein irres Splatter-Fest wie in seiner Debütarbeit „Tanz der Teufel“ (1981) sollte man indes nicht erwarten. Dafür fehlt es dem neuen Film dann doch an Ecken und Kanten.
 
Los geht es im Großraumbüro einer Firma, in der Linda Liddle (Rachel McAdams) in der Planungs- und Strategieabteilung ständig mit Zahlen jongliert. Im sozialen Miteinander tritt die Strickjackenträgerin, die zu Hause mit ihrem Vogel „Zwiegespräche“ führt, zwar unbeholfen auf. Ihren Job verrichtet sie allerdings mit größter Sorgfalt und größtem Eifer. Genau deshalb geht sie auch fest davon aus, dass eine versprochene Beförderung nach dem Tod des Chefs und der Übernahme durch seinen Sohn Bradley Preston (Dylan O’Brien) endlich vollzogen wird. Der neue Boss protegiert aber lieber einen schmierigen Studienbuddy (Xavier Samuel), der Lindas aufopferungsvolle Arbeit gleich in den ersten Szenen als die seine ausgibt.
 
In ihrer Enttäuschung sucht die Ausgebootete das Gespräch mit Bradley. Doch der lässt sie eiskalt abblitzen. Obwohl sie schlau sei, tauge sie in seinen Augen nicht zur Führungskraft. Sein Urteil stützt der angeekelte und überhebliche Jung-CEO vor allem auf die Reste eines Thunfischsandwiches, die Linda bei ihrer ersten Begegnung im Büro im Mundwinkel kleben. Sein gönnerisches, nur halbernst gemeintes Angebot: Sie könne ihn bei einer anstehenden Firmenfusion in Bangkok vom Gegenteil überzeugen. Auf dem Weg nach Thailand überschlagen sich schließlich die Ereignisse. Einzig Liddle und Preston überleben den Absturz ihre Flugzeugs und stranden auf einer einsamen Insel, wo die große Stunde der kleingehaltenen Angestellten schlägt.
 
Auch wenn einige andere Figuren auftauchen, ist „Send Help“ im Grunde genommen ein Zweipersonenstück, das vom Katz-uns-Maus-Spiel seiner beiden Protagonisten in einer Extremsituation lebt. Dass sich die Machtverhältnisse nach dem Unglück erst einmal gewaltig umdrehen, gehört zu den pfiffigen Ideen der beiden Drehbuchschreiber Mark Swift and Damian Shannon. Erahnen lässt es sich freilich schon früh. Als der Film Linda in ihrer Wohnung zeigt, schwenkt die Kamera nicht zufällig über ein Regal, in dem alle möglichen Überlebensrategeber stehen. Noch dazu ist Liddle ein Fan der Reality-Serie „Survivors“, bei der sie sich selbst als Kandidatin beworben hat.
 
Ärger im Paradies
 
Die Frau aus der Planungs- und Strategieabteilung ist also halbwegs gewappnet für die Herausforderungen in der Wildnis. Der Kotzbrocken von einem Chef dagegen fällt mit einer Beinverletzung zunächst als zupackender Helfer aus. Ohnehin entpuppt er sich im Angesicht der Notlage als heillos überfordert – was ihn anfangs aber nicht davon abhält, seinen herablassenden Befehlston beizubehalten.
 
Auf dem grünen Eiland entspinnt sich, auch dank der engagierten Schauspielleistungen, ein kurzweiliges Wechselspiel aus Mit- und Gegeneinander, das immer mal wieder – etwa bei der Jagd auf ein leicht zombieartig aussehendes Wildschwein – ins Blutige kippt. Dabei spitzt der Film eine Erkenntnis zu, die generell für die Unternehmenswelt gilt: Die – vor allem männlichen – Bosse mögen sich wie die größten Hechte im Teich vorkommen. Ohne die „normalen“ Mitarbeiter, ohne die Basis sind sie jedoch komplett verloren.
 
Reizvoll macht den Überlebenskampf ferner das Spiel mit der eingangs so klar scheinenden Rollenverteilung. Hier das ständig verlachte, unschuldige Mauerblümchen, da der skrupellose, kein Mitgefühl zeigende Chef. Schon bald nach der Landung rückt das Drehbuch Linda in ein etwas anderes Licht. Auch sie kann manipulativ und eigennützig sein und ihre Macht auf perfide Weise ausnutzen. Etwas plump wirken allerdings die Versuche, die Charaktere psychologisch auszuleuchten bzw. bestimmte Verhaltensmuster zu erklären.
 
Dass Linda und Bradley die Eskalationsspirale langsam, aber stetig weiterdrehen, dürfte niemanden überraschend. Dennoch funktioniert „Send Help“ als schwarzhumoriger Thriller ohne große Ansprüche ein ganze Weile recht gut. Aus dem Lot gerät der Film jedoch in den letzten 20 Minuten. Nicht so sehr, weil sich ein paar logische Fragen auftun. Sondern, weil beim großen Knall so einiges durcheinandergeht und die Macher eine ziemlich ausgelutschte Psychonummer abziehen. Vorher etablierte Ambivalenzen kommen hier leider komplett unter die Räder, während eine triviale Botschaft transportiert wird. Was den Gesamteindruck außerdem etwas schmälert: Digitale Effekte sind manchmal zu offensichtlich als solche zu erkennen.
 
 
Fazit
 
Launig-knackiger Survivalthriller mit Seitenhieben auf die Arbeitswelt, dem im letzten Drittel allerdings die guten Ideen spürbar ausgehen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Sam Raimi
  • Drehbuch: Mark Swift
  • Besetzung: Rachel McAdams, Dylan O’Brien: