„Die Mumie“ von 1999 hatte kaum etwas mit dem Original von 1932 gemein.
Das zweite Reboot von 2017 fiel dann nochmal ganz anders aus. Und wie fällt die nun vierte Version von 2026 aus?
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Aus der Einladung zur Pressevorführung: „Die junge Tochter eines Journalisten verschwindet spurlos in der Wüste. Die zerrüttete Familie ist fassungslos, als das Mädchen acht Jahre später plötzlich wieder bei ihnen auftaucht. Doch was eigentlich ein freudiges Wiedersehen sein sollte, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.“
Zwei wichtige Informationen zur Handlung von „Lee Cronin’s The Mummy“:
- Der neue Film hat inhaltlich rein gar nix mit irgendeiner der früheren Versionen zu tun. Nichts mit der Version mit Boris Karloff. Nichts mit den verschiedenen Filmen, mit denen Brendan Fraser zum Star wurde. Und sicher nichts mit dem Film, in dem Tom Cruise wieder mal ganz viel durch die Gegend rennen durfte.
- Die Handlung ist dämlich. Unheimlich dämlich.
„Lee Cronin’s The Mummy“ ist ein Horror-, genaugenommen Splatter-Film. Und tatsächlich mag ich Horror-Filme gar nicht mehr für ihre Handlungen kritisieren. Horror ist ganz allgemein das Filmgenre mit den zweitdümmsten Storylines, nur übertroffen von Romantischen Komödien. Schon Alfred Hitchcock hat keinerlei Erklärung geliefert, warum „Die Vögel“ so garstig zur Oma von Dakota Johnson waren. Und seit vierzig Jahren ist mir unklar, was Jasons Mutter in „Freitag der 13.“ eigentlich erreichen wollte. Oder warum Dr. Frankenstein es für eine gute Idee gehalten hat, dem Monster eine Braut zu bauen. Und das sind nur die Handlungen von echten Klassikern des Genres. Wir sprechen hier nicht von unterdurchschnittlichen Filmen wie „Orphan: First Kill“ oder „Wahrheit oder Pflicht“.
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Aber selbst gemessen an den Standards des Genres ist die Handlung von „Lee Cronin’s The Mummy“ wirklich unheimlich dämlich. In diesem Film ergibt nichts Sinn. Ich halte mich für recht aufmerksam. Aber bis zum Schluss dieses, mit 133 Minuten viel zu langen Films, hat sich mir nicht erschlossen, wie der Zauber in diesem Film funktioniert, der den bösen Geist unter Kontrolle halten sollte. Oder auch wie der böse Geist funktioniert, der eine Figur unter seine Kontrolle bringt, in dem er ihre Zehen leckt (!), eine andere, in dem er sie aus dem Fenster wirft, um sie dann von Wölfen zerfleischen zu lassen und sie dann bei ihrer Beerdigung zu beißen, sodass sie als eine Art Zombie wieder auferstehen kann (!!), während er wieder eine andere Figur unter seine Kontrolle bringt, indem er einfach durch Kopfhörer zu ihr spricht (!!!).
Ich mag die Handlung dieses Films nicht einmal als Beispiel für einen „idiot plot“ anführen, weil wir die einzelnen Figuren gar nicht gut genug kennenlernen, um sie für Idioten zu halten. Ich mag sie nicht einmal als „handelnde Figuren“ bezeichnen, weil sie tatsächlich reine Drehbuchelemente sind und sonst nix. Diese Figuren haben einander lieb, wenn es das Drehbuch verlangt und sind feindselig, wenn es das Drehbuch verlangt. Sie nehmen ihren Job ernst, wenn es das Drehbuch verlangt und stellen sich saudumm an, wenn es das Drehbuch verlangt und ganz allgemein tut oder sagt keine der handelnden Figuren irgendetwas, das nicht ausschließlich die dämliche Handlung vorantreibt, die sich Autor und Regisseur Lee Cronin aus seinem Allerwertesten gezogen hat.
In diesem Film beherrscht ein neunjähriges Mädchen im 21. Jahrhundert das Morse-Alphabet! Ich vernute, das lernen mittlerweile nicht einmal mehr Kampfpiloten. In diesem Film gibt es in einem Einfamilienhaus mehr und großzügigere Hohlräume und Kriechgänge, in denen sich Figuren voreinander verstecken können, als im Lüftungssystem und sämtlichen Fahrstuhlschächten des Nakatomi-Buildings. In diesem Film kommt eine Figur auf grausame Weise gewaltsam ums Leben und kann beerdigt werden, ohne dass sich irgendeine Ermittlungsbehörde mit dem Todesfall beschäftigt hätte. Ich meine, wir wissen alle, dass Regierungsbehörden in den USA längst nicht mehr ihren ursprünglichen Aufgaben nachkommen. Aber so? Am Schluss, …. nein, … tut mir leid. Aber am Schluss, … da ergibt dann einfach gar nichts mehr irgendeinen Sinn.
I don’t wanna know! We have to know!
Vergessen wir also die dämliche Handlung und wenden wir uns dem wichtigsten Aspekt eines zünftigen Splatter-Films zu. „Lee Cronin’s The Mummy” wurde in Zusammenarbeit mit Blumhouse produziert. Dort dreht man seine Horrorfilme gerne so, dass sie in den USA gerade noch die Altersfreigabe „PG-13“ bekommen, damit auch jüngere Teenager Tickets dafür kaufen können. Erst neulich habe ich an „Five Nights at Freddy's 2“ das schamhafte Wegschneiden bei den wenigen Gore-Szenen kritisiert. Sagen wir mal so: Sollte „Lee Cronin’s The Mummy“ in den USA als „PG-13“ eingestuft werden, dann ist diesem Land wirklich nicht mehr zu helfen.
„Lee Cronin’s The Mummy” ist ein Film für Filmfans, denen in „Der Exorzist“ zu wenig Erbrechen zu sehen war. Ein Film für alle, denen „Gesichter des Todes“ zu wenig Leichenschändung, „Smile“ zu wenig Selbstverstümmelung und „Man-Eater“ zu wenig Kannibalismus zu bieten hatten. Genau der richtige Film für Leute, denen „The Last House on the Left“ und „Saw“ ganz allgemein zu zahm waren.
Vor einigen Jahrzehnten hat man Filme wie „Lee Cronin’s The Mummy” noch als „Exploitation“ bezeichnet. Dieser Film bietet vor allem Gewalt- und Ekel-Pornografie. Dagegen wäre per se nichts zu sagen, solange das Ganze gut gemacht ist. Und tatsächlich ist, abgesehen vom Drehbuch, vieles an dem Film halbwegs geschickt umgesetzt. Die Effekte wirken nicht immer unbedingt realistisch, aber dann doch meistens auf schreckliche Art und Weise überzeugend. Kamera, Ton und Schnitt arbeiten durchaus kompetent, wenngleich das Haus, in dem ein großer Teil der Handlung spielt, genretypisch unterbeleuchtet wirkt.
Die verschiedenen Figuren (man kann hier sicher nicht von „Charakteren“ sprechen) werden von unterschiedlich bekannten Schauspieler*innen wie Jack Reynor („Midsommar“), Laia Costa („Victoria“) und May Calamawy („Moon Knight“) … mhm, … man kaum „dargestellt“ schreiben, … vielleicht „in Szene gesetzt“? „Markiert“? „Dargestellt“ wird hier nur wenig. Und wenn dann nicht von den Schauspieler*innen, sondern von den Maskenbildnern und anderen Effektkünstlern. Die machen allerdings einen ekelhaft guten Job.
Fazit
„Lee Cronin’s The Mummy” ist weder ein Grusel-, noch ein Abenteuer- oder Actionfilm, wie frühere „Mumien“-Filme. Der neue Film ist ein mittelmäßiger Splatterfilm, der passable Gewalt- und Ekel-Pornografie liefert.
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