Videospielverfilmungen haben ein grundsätzliches Problem: Wie macht ...
... man aus einer Vorlage, bei der sich die Figuren hauptsächlich gegenseitig die Köpfe einschlagen, einen abendfüllenden Film? TEKKEN scheiterte daran, MORTAL KOMBAT bekam es einigermaßen hin und STREET FIGHTER mit Jean-Claude Van Damme funktioniert heute vor allem als Trashvergnügen.
Die Neuauflage geht einen anderen Weg. Sie verzichtet darauf, den Irrsinn der Vorlage irgendwie glaubwürdig erscheinen zu lassen. Stattdessen wird hemmungslos übertrieben. Das Ergebnis ist eine herrlich durchgeknallte Mischung aus Martial-Arts-Spektakel, greller Neunzigerjahre-Nostalgie und dem Gefühl, wieder vor MTV zu sitzen, als der Sender noch etwas mit Musik zu tun hatte.
Der Kampf um die Psycho-Power
1987 gewinnt Ryu das erste World-Warrior-Turnier. Der Sieg hat allerdings seinen Preis, denn dabei erwacht eine dunkle Macht in ihm, die er kaum kontrollieren kann. Ryu zieht sich daraufhin zurück. Sein Bruder Ken macht derweil Karriere als Martial-Arts-Kämpfer, ist inzwischen aber vor allem durch peinliche Fernsehauftritte bekannt. Wenn er gegen einen Eisbären antritt, mag das die Einschaltquoten steigern, seinen Ruf unter ernsthaften Kämpfern ruiniert es jedoch.
In Metrolao City verfolgt Lord M. Bison unterdessen einen größenwahnsinnigen Plan. Er will anderen Kämpfern ihre Psycho-Power entziehen und sich deren Fähigkeiten einverleiben. Das zweite World-Warrior-Turnier soll ihm die besten Kandidaten liefern. Besonders hat er es auf Ryu abgesehen.
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Zurück in die Neunziger
Die Handlung spielt 1993 und macht daraus auch keinen Hehl. Schon der Auftakt ist eine Verbeugung vor der Vergangenheit, denn zunächst gibt es eine Zeichentricksequenz. Auch spätere Rückblenden sind animiert. Das erinnert an die frühen Adaptionen der Spiele und passt hervorragend zum überdrehten Stil des Films. Hier wird nicht versucht, die Neunzigerjahre möglichst authentisch zu rekonstruieren. Stattdessen bekommt man sie so serviert, wie man sie gerne in Erinnerung hat.
Das gilt auch für die Musik. Soundgardens „Black Hole Sun“ gehört ebenso dazu wie „Who Let the Dogs Out“ von den Baha Men, zu dem Ken seinen großen Auftritt absolviert. Zeitlich nimmt man es dabei nicht allzu genau. Hauptsache, die Stimmung stimmt. Und das tut sie. Die Kämpfe sind hervorragend choreografiert, die Spezialeffekte können sich sehen lassen und der Humor trifft erstaunlich häufig ins Schwarze.
Noah Centineo gibt Ken mit blondem Vokuhila und einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung. Andrew Koji, bereits in SNAKE EYES kampferprobt, überzeugt als Ryu. Dazu kommen Callina Liang als Chun-Li, 50 Cent als Balrog, Olivier Richters als Zangief und Mel Jarnson als Cammy. Jason Momoa verschwindet als Blanka weitgehend hinter einer CGI-Figur, die an einen grün gefärbten Hulk erinnert.
Ein Schurke zum Niederknien
Allen die Schau stiehlt allerdings David Dastmalchian. Sein Lord M. Bison ist ein größenwahnsinniger Superschurke, der sämtliche Bond-Bösewichte wie zurückhaltende Zeitgenossen aussehen lässt. Schon Raul Julia hatte 1994 sichtlich Freude an der Rolle. Dastmalchian übertrifft ihn noch. Sein Bison ist so absurd böse, dass selbst das Waschen von Ryus Füßen ins Bild passt.
Fazit
Natürlich ist STREET FIGHTER ziemlicher Blödsinn. Aber einer, der ungeheuer viel Spaß macht. Zwei Stunden voller spektakulärer Prügeleien, bizarrer Figuren und visueller Einfälle. Dass der erwartete Endkampf gegen Bison ausbleibt, ist überraschend, stört aber kaum. Stattdessen gibt es ein anderes, durchaus wirkungsvolles Finale. Der große Showdown bleibt einer Fortsetzung vorbehalten. Die darf gerne kommen. Möglichst bald sogar. Denn derart unterhaltsam war eine Videospielverfilmung schon lange nicht mehr.
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