deensvtr

Greatest Showman

Artikel bewerten
(42 Stimmen)
Die Geschichte von P.T. Barnum, einem der Pioniere des modernen Zirkus,
 
... wurde schon mehrmals verfilmt. In „The Greatest Showman“ wird sie als bunte Musical-Fantasie erzählt.
 
„The noblest art is that of making others happy“
 
Phineas Taylor Barnum war ein Visionär und Schwindler, in seinen Marketingmethoden war er seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Er war Wohltäter, Betrüger und Namensgeber des Barnum-Effekts und ging mehrmals Pleite. Das ist aber alles nebensächlich, weil sich Regisseur Michael Gracey in seinem ersten Spielfilm von Barnums Geschichte bestenfalls inspirieren lässt. Auf der Leinwand bekommen wir eine Fantasie von einer Welt zu sehen, die es nie gegeben hat.
 
Der visuelle Stil erinnert an die besten Musikvideos der frühen 90er-Jahre. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern als Kompliment. Damals haben große Regisseure vier- oder fünfminütige Meisterwerke rund um die Musik geschaffen. Und auch in „The Greatest Showman“ dient das bisschen Handlung nur, uns von einer grandiosen Musiknummer zur nächsten zu bringen. Der kleine P.T. Barnum, Sohn eines Schneiders, verliebt sich unglücklich in Charity, eine Tochter aus gutem Hause und schon singen die beiden ein wunderschönes Duett, während wir sie getrennt voneinander aufwachsen sehen.
 
Barnum sucht alle möglichen Außenseiter als Künstler zusammen und Hugh Jackman und der Rest seiner Truppe füllen singend und tanzend die Leinwand. Barnum will den von Zac Efron gespielten Millionärssohn Phillip überreden das feine Leben aufzugeben, um ins Showbusiness zu wechseln und die beiden tanzen und singen sich betrinkend quer durch die Bar, wie die Enkel oder Urenkel von Gene Kelly und Fred Astaire. Phillip verliebt sich in die afroamerikanische Artistin Anne (Zendaya) und die beiden singen ein bezauberndes Duett, während sie durch die Manege tanzen, klettern und schweben. Jede Entwicklung dient nur als Anlass für eine weitere Musiknummer. Entsprechend vorhersehbar ist die Handlung. Aber Filme wie diese beurteilt man nicht nach der Handlung.
 
Die Ausstattung ist im doppelten Sinne des Wortes fantastisch. Niemand hat sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich so gekleidet wie die Charaktere in dem Film. Die Hintergründe sind bezaubernd und ebenso unrealistisch. Die Welt des Zirkus war damals nirgendwo so sauber und bunt.
 
In einer Szene sehen wir im Hintergrund das im Bau befindliche Flatiron Building in Manhattan, obwohl dieses erst Jahrzehnte später errichtet wurde. Die computeranimierten Elefanten sind größer als Mammuts. Was soll’s, wenn es doch so schön aussieht? Wie P.T. Barnum selbst den dicksten Mann der Welt noch die Kleider ausstopfen und einen Riesen noch auf Stelzen gehen ließ, so tragen auch die Macher dieses Films immer noch ein bisschen dicker auf.
 
 
Alle Songs wurden extra für den Film geschrieben. Sie sind mitreißend und bewegend und gehen ins Ohr, wie sich das für gute Showtunes gehört. Nach dem Film kann man sich schon mal überlegen, welches der Lieder Hugh Jackman wohl bei der nächsten Oscarverleihung singen wird. Ich tippe auf „Come Alive“.
 
„Everyone is special and nobody is like anyone else“
 
Hugh Jackman war ein Musical-Star lange bevor er das erste Mal Wolverines Krallen ausgefahren hat. Wohl kaum ein anderer Schauspieler hätte den Part des P. T. Barnum in diesem Film übernehmen können. Mit fast 50 Jahren vermittelt Jackman die Begeisterung eines jungen Burschen. Der ganze Film dreht sich um ihn. Und wir drehen uns gerne mit.
 
Zac Efron zeigt wieder mal deutlich, dass er längst kein Disney-Star mehr ist. Der Mann tanzt und singt fantastisch und zeigt die subtilste Darstellung des Films.
 
Für die weiblichen Darsteller haben die Drehbuchautoren leider keine echten Charaktere, sondern nur Rollen geschrieben. Genau genommen sind es sogar nur „Rollenfächer“, die zu besetzen waren. Michelle Williams („My Week with Marylin“) ist die liebende Ehefrau. Rebecca Ferguson („Life“) gibt den verwöhnten Star. Und Zendaya („Spider-Man: Homecoming“) ist das naive Mädchen mit den romantischen Träumen. Aber die Damen sind alle wunderschön und singen sogar noch schöner. Und in einem Film wie diesem kommt es vor allem darauf an.
 
Die Truppe von Freaks und Außenseitern ist ebenfalls gut besetzt, und noch besser in Szene gesetzt worden. Keala Settle als bärtige Dame führt zu Recht immer wieder den Chor an.
 
 
Fazit
 
Natürlich ist „The Greatest Showman“ purer Kitsch. Aber es ist gut gemachter Kitsch, unterhaltsamer Kitsch, berührender Kitsch. Und vielleicht bringt der Film uns ein bisschen zum Nachdenken, wie wir Menschen wahrnehmen, die anders sind als wir selbst.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Sweethearts - Kinostart: 14.02.2019 Eine Ganovin die viel Geduld beweist und eine Irre die das fast unmöglich macht. Karoline Herfurth ...   ... hat eine weibliche Buddy-Komödie inszeniert, die für einige Lacher sorgen dürfte. Aber trifft sie damit tatsächlich den Geschmack des Publikums?  ...
Ein Dorf zieht blank - Kinostart: 16.08.2018 Der Trailer und die Werbekampagne wollen uns diesen Film als ...   ... knackige Komödie über eine ungewöhnliche Protestaktion im ländlichen Frankreich verkaufen. Aber dieser Film erzählt mehr als bloß eine Geschichte. Und nicht alle diese Geschichten sind nur ...
Fack Ju Göhte 3 Im Grunde kann man nicht gewinnen, wenn man eine Komödie fortsetzt.   Entfernt man sich zu weit vom Grundkonzept des Originals, sind die Fans enttäuscht, die mehr vom selben wollen. Bleibt man zu nahe dran und wiederholt die Geschichte im Grunde nur, sind wiederum die enttäu...
The Happytime Murders - Kinostart: 11.10.2018 In einer Welt, in der Puppen und Menschen nebeneinander leben, ...   ... müssen eine menschliche Polizistin und ein Puppen-Detektiv zusammen eine Mordserie aufklären. Sowohl Menschen als auch Puppen können in dieser Welt Fernsehstars oder Verkäufer, aber auch Dealer, Jun...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Michael Gracey
  • Drehbuch: Bill Condon
  • Besetzung: Hugh Jackman, Zac Efron
ij5 hnews
Das fünfte Abenteuer des berühmten Archäologen, genannt Indiana Jones, ist laut den Branchenblättern Variety und Hollywood Reporter erneut verschoben…
hnews corona
Geschlossene Kinosäle, abgebrochene Drehs und Stars in Quarantäne. In Hollywood sorgt das Coronavirus für Chaos und könnte weitreichende…
hnews be bond25
Die fünffache GRAMMY®-Gewinnerin Billie Eilish hat heute ihren neuesten Song „No Time To Die“, den offiziellen Titelsong des kommenden…
hnews oscars020
In der Nacht vom 09. auf den 10. Februar fand 2020 etwas früher als sonst die Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Der südkoreanischen Film…
hnews gg2020
Am 06. Januar 2020 fand in Los Angeles die 77. Verleihung der Golden Globes statt. Moderiert wurde die Veranstaltung bereits zum fünften Mal von…
hnews dpstart
Disney+, der mit Spannung erwartete Streaming-Service der Walt Disney Company, ist am 12. Novenber 2019 in den USA, in Kanada und den Niederlanden…
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…