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The Royals - Staffel 1-4 (DVD Edition)

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Wer weiß, warum ein gewisser Zweig des Hauses „Sachsen-Coburg ...
 
... und Gotha“ seit gut hundert Jahren „Windsor“ heißt, ist vielleicht nicht Teil der Zielgruppe dieser Serie. Die ist eher etwas für Leute, die bei „Prince Albert“ nicht an den Ehemann von Königin Victoria denken …
 
Rule Britannia!
 
Der jüngere Bruder des britischen Thronfolgers lässt sich mit einer Bürgerlichen ein, die noch dazu die Tochter des königlichen Sicherheitschefs ist. Die Presse veröffentlicht Fotos, die seine Schwester ohne Höschen zeigen. Der Bruder des Königs ist ein Wüstling. Und die Königin ist eine Intrigantin. Und dann fällt auch noch der Thronfolger einem Unfall zum Opfer. Der gramgebeugte König eröffnet der königlichen Familie seine Pläne, die Monarchie abzuschaffen. Das passt der Königin aber gar nicht …
 
„What you get is what you see“ pflegte Tina Turner während meiner fernen Jugendzeit zu singen. Und genau das gilt auch für die Serie „The Royals“. Schon auf dem Cover der DVD-Box nimmt Elizabeth Hurley den meisten Platz ein. Und was kann man von einer Serie erwarten, deren größter Star eine mäßig begabte Schauspielerin ist, die während ihrer besten Zeit vor mehr als zwanzig Jahren in drei brauchbaren Filmen mitgewirkt hat? Nun, die Macher dieser Serie lassen einen nicht lange im Unklaren. Gehen wir mal der Reihe nach bloß die ersten drei Szenen der ersten Folge der ersten Staffel dieser Serie durch.
 
Erste Szene: Liz Hurley ist als Königin von England zu sehen. Dabei trägt sie ein Kleid, das nicht einmal die Königin von Schlampistan im Fasching tragen würde. Besonders königlich wirkt dazu der Glitzer-Lippenstift, der die royalen Lippen erst so richtig majestätisch wirken lässt.
 
Zweite Szene: Prinz Liam, der Zweite in der Thronfolge, feiert, säuft und spielt Darts inmitten eines überfüllten Pubs. Trotzdem hört er, wie ihn eine attraktive junge Frau am anderen Ende des Raumes auf einem Balkon eine Etage höher „Idiot“ nennt. Wir müssen gar nicht wissen, dass die junge Frau auch noch „Ophelia“ heißt, damit uns klar ist, die beiden kommen zusammen.
 
Dritte Szene: Die Prinzessin und Dritte in der Thronfolge feiert in einem Club in Paris. Keine Personenschützer weit und breit. Und so hält sie natürlich niemand davon ab, auf dem Tisch zu tanzen obwohl sie an der Unterwäsche gespart hat.
 
In diesen ersten drei Szenen wird klar, was uns während der nächsten 39 Folgen erwarten wird. Mittelmäßige Darsteller, die unter uninspirierter Regie unglaubwürdige Charaktere in einer hanebüchenen Handlung spielen. Aber vielleicht macht das gerade den Reiz dieser Serie aus. „The Royals“ hat viel mehr mit „Keeping up with the Kardashians” zu tun als mit “The Crown”. Das ist vielleicht eine Serie von und vor allem für Leute, die meinen der Prince of Wales könnte durchaus ein königliches Meeressäugetier sein.
 
Land of Hope and Glory
 
Die Dialoge dieser Serie kommen einem zunächst reichlich platt vor. Zeilen wie „Du bist der König von England, Herrgott nochmal! Also verhalte Dich auch so!“ oder „Tu mir einen Gefallen und zieh vielleicht ein Höschen an.“ erläutern bloß, was wir ohnehin sehen. Aber die Drehbuchautoren, angeführt von Mark Schwahn („One Tree Hill“), haben diese Serie vermutlich nicht für mich geschrieben, sondern für Fernsehzuschauer die von unzähligen Realityformaten gewohnt sind, alles immer und immer wieder kommentiert und erklärt zu bekommen.
 
Vielleicht kennen die Macher von „The Royals“ ihr Publikum und wissen, wie die Sehgewohnheiten vieler Menschen nicht nur vom Reality-TV sondern auch von Sitcoms und Dramedy-Serien beeinflusst wurden und werden. Das ist besonders an den Nebenfiguren zu erkennen. Vielleicht sind die königlichen Cousinen deshalb einfach nur strohdumme Trash-Tussis. Und vielleicht wird deshalb eine andere Figur von einer Szene zur anderen vom ängstlichen, ungeschickten Höfling zum raffinierten Erpresser. Andererseits ist die ganze Serie vielleicht auch einfach nur schlampig geschrieben.
 
 
Inszeniert wurde das Ganze von einer Reihe von Regisseuren, wiederum angeführt von Mark Schwahn. Aber egal ob die einzelnen Folgen von Schwahn selbst, James Lafferty (ebenfalls „One Tree Hill“), Les Butler (wiederum „One Tree Hill“), Tom Vaughan („Starter for 10“), Clark Mathis (und nochmal „One Tree Hill“) oder einem der anderen Regisseure inszeniert wurden, richtig hochwertig fällt der Look kaum jemals aus. Alles ist typisch fernsehgerecht gestaltet. Die Räume sind fast alle viel zu gleichmäßig hell, weil man dann die Kamera aus jedem beliebigen Winkel schießen lassen kann.
 
Es gibt viel zu viele Nahaufnahmen, weil man so mit Schnitt/Gegenschnitt recht einfach verschiedene Takes kombinieren und so Zeit und Geld sparen kann. Auch die Ausstattung ist selten richtig schlecht, wirkt aber auch kaum jemals wirklich gut. Einerseits dreht man vor Blenheim Palace. Andererseits steht dann dort die Stretchversion einer alten Mercedes S-Klasse, obwohl die britische Königsfamilie in Wahrheit nur Fahrzeuge britischer Marken benutzt. Die Kostüme sowohl der Herren als auch vor allem der Damen wirken teilweise einfach nur billig. Der glitzernde Trauerschleier der Königin sieht weniger nach Oxford-Street als vielmehr nach „Pimkie“ aus.
 
God save the Queen
 
Was kann man von einer Besetzung erwarten, deren größter Star Elizabeth Hurley ist? Frau Hurley konnte vor langer Zeit mal in zwei oder drei Filmen eine gewisse Wirkung entfalten. Eine große Mimin war sie nie und wird sie auch nicht mehr werden. Ihre Darstellung der Königin wirkt nie königlich und erinnert am ehesten an die Arbeit von Joan Collins in „Dynasty“.
 
William Moseley, den Darsteller des Thronfolgers, kennen wir als den langweiligsten der Geschwister aus „Die Chroniken von Narnia“. Er ist einer dieser gutaussehenden jungen Darsteller, bei denen man hofft, dass sie genug Geld auf die Seite legen für die Zeit, wenn sie mal nicht mehr so gut aussehen werden.
 
Eine unbekannte, junge Schauspielerin namens Alexandra Park spielt die Prinzessin und imitiert dabei Kristen Stewart in ihren schwächeren Filmen. Natürlich ist ihre Rolle nicht besonders gutgeschrieben. Aber auch in einer besser geschriebenen Rolle hätte die junge Darstellerin wohl kaum einen anderen Eindruck hinterlassen.
 
 
Fazit
 
Eine Serie wie ein „Prince Albert“ .... Manche mögen daran Gefallen finden. Aber die meisten von uns fragen sich dann doch, wozu das gut sein soll? Beliebige Serienkost mit Dramen, Skandalen und Liebesgeschichten vor einem nicht wirklich königlichen Hintergrund.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Mark Schwahn
  • Drehbuch: Mark Schwahn
  • Besetzung: Alexandra Park, William Moseley