Joy Ride - The Trip - Kinostart: 24.08.2023

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Komödien, die zum Fremdschämen sind, gibt es ja immer wieder.
 
Manche davon werden sogar recht erfolgreich. Ein paar wenige heimsen sogar trotz etlicher Schwächen gute Kritiken ein. Aber „Joy Ride“ gehört nicht dazu. Dieser Film ist wirklich, wirklich schlecht. So schlecht, dass man überlegt, ob es jetzt besser wäre, sich die Augen auszustechen, als weiterzuschauen.
 
Freundinnen
 
Seit ihrer Kindheit sind Audre und Lolo beste Freundinnen. Sie waren die einzigen chinesischen Mädchen in ihrer Gemeinde und haben schon alleine deswegen gelernt, zusammenzuhalten. Dabei könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Lolo ist eine chaotische Künstlerin, die sich für Erfolg nicht interessiert. Audrey ist eine Anwältin und der Traum ihrer Eltern. Sie hat etwas aus ihrem Leben gemacht. Nun soll sie nach China, um dort einen Deal abzuschließen. Denn in ihrer Firma denkt jeder, dass sie Chinesisch sprechen kann.
 
Aber Audrey hat keine Ahnung, sie versteht kein Wort Chinesisch mehr. Also kommt Lolo mit, um die Dolmetscherin zu geben. Dazu kommen noch ein paar andere Freundinnen, vor allem ist aber eines klar: Bei einer solchen Reisegemeinschaft kann es nur zum Chaos kommen.
 
Kaum ein Gag zündet
 
Die besten Momente des Films kann man auch sehen, wenn man sich den Trailer anschaut. Das sind die Highlights. Besser wird es tatsächlich nicht mehr, aber mehr als 90 Minuten müssen gefüllt werden. Wie macht man das? Mit Gags, die bis an die Schmerzgrenze schlecht sind. Wenn man überhaupt lacht, dann nicht mit, sondern über den Film. Sozusagen aus hysterischer Verzweiflung. Aber wir wollen nicht unfair sein. Derart miese Komödien gibt es zuhauf. In den 2000er-Jahren galt das für praktisch jede Komödie mit Melissa McCarthy. Sie spielte in der Regel nervige, unglaublich penetrante und ordinäre Personen. Eine solche ist hier nun Lolo.
 
Was hebt also „Joy Ride“ von anderen Filmen dieser missratenen Komödien-Gattung ab? Nur der Umstand, dass der Film mit asiatischstämmigen Schauspielerinnen besetzt ist. Das allein ist ein Alleinstellungsmerkmal. Es zelebriert Diversität, zeigt aber auch nur, dass die alleine auch nicht ausreicht, wenn ansonsten keine guten Ideen vorhanden sind.
 
Erstaunlich stereotyp Dass man den beiden unterschiedlichen Freundinnen die seit Jahrzehnten bestehende Freundschaft nicht abnimmt – geschenkt. Weit problematischer ist, dass „Joy Ride“ ein Problem mit der stereotypen Darstellung von Chinesen hat. Der Film möchte divers sein, er klopft sich deswegen auch auf die Schulter, weil aus Hollywood nur selten Produktionen kommen, in denen nur ethnische Schauspieler besetzt sind. Aber der Film lässt kein Klischee aus, dass man mit Chinesen in Verbindung bringt. Schlimmer noch: Er ergeht sich in umgekehrtem Rassismus.
 
 
Denn Audrey wird von ihren Freundinnen immer wieder vorgeworfen, nicht chinesisch genug zu sein. Sie sei ja praktisch eh schon weiß, meint Lolo. Und das sind Szenen und Texte, die von Autorinnen ersonnen wurden, die selbst genügend Erfahrungen mit Rassismus jedweder Art gemacht haben. Darf man gerade von ihnen nicht etwas mehr erwarten, als die billigsten Klischees zu bemühen?
 
Darüber hinaus ist der Film reich an Peinlichkeiten. Etwa dann, wenn die Freundinnen eine weiße Drogenkurierin in einem Zug treffen und dann fürchten, selbst für Drogenkuriere gehalten zu werden. Die Lösung, die sie sich einfallen lassen? Einfach alle Drogen innerhalb weniger Minuten selbst konsumieren. Natürlich fällt keine der Freundinnen danach tot um, stattdessen gibt es einen​ Humor, der vielleicht in den 80er Jahren noch hip und angesagt war, heutzutage aber nur noch unschön aufstößt.
 
 
Fazit
 
Die Komödie macht wenig richtig und ganz viel falsch. Wenn sie wenigstens witzig wäre, aber die einzig guten Gags konnte man alle schon im Trailer sehen. Warum also sollte man sich ins Kino begeben, wenn dann so wenig Gegenwert geboten ist? Nein, diesen Film kann man getrost aussitzen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Adele Lim
  • Drehbuch: Cherry Chevapravatdumrong
  • Besetzung: Ashley Park, Stephanie Hsu