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Niemandsland: The Aftermath - Kinostart: 11.04.2019

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Das zeitgenössische Kino befasst sich zumeist mit dem Zweiten Weltkrieg an sich, ...
 
... vielleicht noch mit der Zeit, bis der Krieg begann. Die Nachkriegszeit wird aber nur selten thematisiert. In diese Kerbe schlägt NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH, der auf einem Roman von Rhidian Brook basiert. Für die Verfilmung, an deren Drehbuch Brook auch beteiligt war, wurde der dicke Wälzer in Form gebracht. Nebenhandlungen wurden gestrichen oder auf ein Minimum reduziert, im Fokus steht ganz und ganz eine Liebe, die nicht sein darf.
 
Nach dem Krieg
 
Hamburg kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs: In der britischen Besatzungszone requiriert das Militär Gebäude für seine Angehörigen, darunter auch das feudale Haus des Architekten Lubert (Alexander Skarsgard). Colonel Morgan (Lewis Clarke) und seine Frau Rachael (Keira Knightley) ziehen ein. Eigentlich müsste Lubert mit seiner Tochter in ein Flüchtlingslager, aber der Colonel gewährt ihnen, weiter im Haus bleiben zu dürfen, auch wenn sie sich auf das Dachgeschoss beschränken müssen. Morgan, der den besiegten Feinden mit einer gewissen Milde begegnet, ist beruflich sehr angespannt und häufig nicht zuhause.
 
Rachael kann die Deutschen nicht leiden, den attraktiven Lubert mag sie jedoch. Zwischen beiden entspinnt sich eine zarte Romanze, bei der beide das Glück finden, das sie zuvor verloren hatten. Er, als seine Frau starb, sie, als ihr Sohn starb. Aber kann es für beide eine Zukunft geben?
 
Gefühlsbetont
 
Eigentlich war dies ein Projekt, das Ridley Scott selbst verfilmen wollte. Nun war er nur noch Produzent, weil er letzten Endes so viele Stoffe hat, die er verwirklichen will. An seine Stelle trat James Kent, der mit TESTAMENT OF YOUTH gezeigt hat, dass er gefühlvolles, aber nicht zu kitschiges Kino draufhat. Entsprechend war er die perfekte Wahl für NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH, der zwar seinen geschichtlichen Unterbau benötigt, letzten Endes aber auf eine sehr einfache Liebesgeschichte heruntergebrochen werden kann.
 
 
Einfach natürlich nur in dem Sinne, dass man derartiges kennt, das mit einer neuen Liebe einhergehende Gefühlschaos der Protagonisten wird aber glaubwürdig und komplex gestaltet. Der eigentliche Held dieser Geschichte ist Morgan, der im besten Sinne ein guter Mann ist. Lubert bleibt hingegen zu ungreifbar. Sein Hintergrund wird nur angerissen. Er kann ein guter Mann sein, er könnte aber auch zu Zeiten des Dritten Reichs korrumpiert worden sein. Letztlich sicher ist man da nie, eine Festlegung hätte aber geholfen. Rachael ist ebenfalls eine gebrochene Figur, die mit ihrem Mann nicht mehr das Glück von einst erlebt. Das mag sie selbstsüchtig erscheinen lassen, ihr Handeln ist aber gut erklärt und auch emotional nachvollziehbar. Zumal man sehr schnell zu der Erkenntnis kommt, dass es vielleicht weniger Liebe, als vielmehr der Umstand ist, dass zwei Menschen sich gegenseitig Trost spenden.
 
Exzellent gefilmt
 
NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH ist ein visuell sehr eleganter, mit tollen und eindringlichen Bildern aufwartender Film, der damit auch betont, dass man hier ganz großes Gefühlskino geboten bekommt. Dabei traut sich der Film durchaus, mit der Form zu spielen, da er bei manchen Szenen, die unvermittelter und in ihrer Wirkung härter sind, auf Handkamera setzt und so ein ganz anderes Gefühl beim Zuschauer heraufbeschwört.
 
 
Fazit
 
NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH ist großes Gefühlskino und funktioniert als solches auch, er leidet aber schon auch darunter, dass nicht alle Figuren voll und ganz ausgearbeitet sind und dass einige der Nebenhandlungen – der Widerstand der ehemaligen Hitlerjugend oder Luberts Tochter Freda und ihre erste Liebe – so nebenbei geschehen, dass sie fast schon wie ein Fremdkörper wirken. Dafür punktet der Film mit seiner tollen, an die große alte Zeit Hollywoods erinnernden Optik, die ausgesprochen elegant ist.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: James Kent
  • Drehbuch: Joe Shrapnel
  • Besetzung: Keira Knightley, Alexander Skarsgård
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