Dead of Winter - Eisige Stille - Kinostart: 19.02.2026

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Thompson macht auf „Fargo“ – und liefert dabei eine überzeugende Performance ab.
 
Der Film um sie herum könnte aber besser sein.
 
Gut aufgelegte Hauptdarstellerin
 
Mit ihrer 1996 veröffentlichen Leinwandarbeit „Fargo - Blutiger Schnee“ schufen die Coen-Brüder eine vielfach prämierte Perle des absurden Kinos. Frances McDormand in der Rolle einer tapsigen, aber hartnäckigen Polizistin und das Drehbuch der beiden Regisseure wurden etwa mit Oscar-Trophäen bedacht. Größtenteils im winterlichen Minnesota spielend, entspinnt sich eine verrückte Haken schlagende Kriminalgeschichte, die mit reichlich schwarzem Humor garniert ist. Erinnerungen an dieses Meisterwerk weckt nun trotz eines durchgehend ernsten Tonfalls der in amerikanisch-deutscher Koproduktion entstandene Thriller „Dead of Winter - Eisige Stille“, der uns in die verschneite Einöde desselben US-Bundesstaates entführt (die Außenaufnahmen wurden allerdings in Finnland gedreht).
 
Ähnlich wie bei den Coens drückt auch hier die Hauptdarstellerin dem Film ihren Stempel auf. Emma Thompson, als Schauspielern und Drehbuchautorin jeweils mit einem Academy Award bedacht, präsentiert sich von einer ungewohnt rauen Seite. Die von ihr verkörperte Witwe Barb ist eine rüstige Frau, deren Falten von einem erfahrungsreichen Leben erzählen. Mit unwiderstehlicher Natürlichkeit füllt die britische Charaktermimin ihren Part aus und verleiht dem Geschehen eine wohltuend geerdete Note.
 
Nach dem kürzlichen Tod ihres Ehemannes macht sich Barb auf den Weg zu einem kleinen See im nördlichen Minnesota, an dem sie und ihr Liebster einst ein besonderes Date hatten. Bevor sie, seinem letzten Wunsch folgend, die Asche des Verstorbenen dort verstreut, möchte sie noch einmal in Ruhe Eisfischen gehen. Widrige Wetterbedingungen erschweren jedoch die Orientierung. Und so muss die Protagonistin an einer einsam gelegenen Hütte um Rat fragen. Den bärtigen Mann (Marc Menchaca), dem sie begegnet, weist sie auf Blutspuren im Schnee hin, die er einem bei der Jagd erlegten Tier zuschreibt.
 
Auch wenn Barb etwas stutzig ist, zieht sie daraufhin weiter. Nur um wenig später zu erkennen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Eine junge Frau (Laurel Marsden), ihr Name lautet Leah, befindet sich in der Gewalt des vermeintlichen Einsiedlers und seiner Gattin (Judy Greer), die natürlich nicht zulassen können, dass die trauernde Witwe ihnen in die Quere kommt.
 
Hanebüchene Drehbuchvolten
 
Was „Dead of Winter - Eisige Stille“ zunächst einmal im positiven Sinne von vielen anderen Thrillern unterscheidet, die ihre Hauptfigur unerwartet in eine lebensbedrohliche Lage bringen, ist die Zeichnung Barbs. Keineswegs mutiert sie im Angesicht der Gefahr zu einer alles im Griff habenden Superheldin, sondern schwankt halbwegs glaubwürdig zwischen Panik, Angst, Pragmatismus und lösungsorientierter Pfiffigkeit. Längst nicht alles, was sie sich überlegt, um Leah und sich aus der Schusslinie zu bringen, funktioniert. Dafür lässt sie aber nicht locker und behauptet sich auch gegen die harschen Witterungsumstände.
 
Regisseur Brian Kirk („21 Bridges“) und Bildgestalter Christopher Ross gelingt es zudem immer wieder, die frostige Atmosphäre der Einöde in den Kinosaal zu transportieren. Barb, Leah und das Entführerpaar scheinen die einsamsten Menschen auf der Welt zu sein. Nicht umsonst entfernt sich die Kamera ein ums andere Mal von den Charakteren, um ihre Verlorenheit in der weißen Landschaft hervorzuheben.
 
Emma Thompson überzeugt. Der Film hat seine nervenaufreibenden Momente, in denen man der Protagonistin kräftig die Daumen drückt. Und doch reicht es am Ende nur zu einem mittelprächtigen Spannungsstück. Warum das so ist? Zum einen würgen die ständig eingestreuten, in warmes Licht getauchten Rückblenden, die Barbs Liebesgeschichte bebildern, den Überlebenskampf auf der Gegenwartsebene ab. Der Witwe etwas mehr Profil zu geben, ist schön und gut. Hier nimmt es aber ein bisschen Überhand, zumal die Einschübe ins Kitschige abdriften.
 
Ferner steigern die kruden Twists und Enthüllungen in der zweiten Hälfte nicht unbedingt den Unterhaltungswert. Der Plan der Kidnapper ist bei Licht betrachtet ganz schön hirnrissig. Überhaupt sollte man manche Dinge nicht auf ihre Sinnhaftigkeit abklopfen. Selbst Thompsons Performance, die „Dead of Winter - Eisige Stille“ Bodenhaftung verpasst, kann mitunter wenig gegen die hanebüchenen Drehbuchentscheidungen ausrichten.
 
 
Fazit
 
Ein in der Hauptrolle gut gespielter, stimmungsvoll gefilmter Thriller, der sich „dank“ seiner erzählerischen Kapriolen jedoch im Genremittelmaß einsortiert. Nichts, was besonders verärgert, aber auch nichts, was langfristig im Gedächtnis bleibt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Brian Kirk
  • Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson
  • Besetzung: Emma Thompson, Judy Greer