Jason Statham macht das, was er immer tut: kompromisslos aufräumen!
Eremit auf Insel
Kennst du einen, kennst du alle! Jason Statham gehört zu den Schauspielern, die keine Angst vor Schubladen haben, sich in der immer gleichen Rolle vielmehr pudelwohl fühlen. Wieder und wieder ist er in Actionfilmen mit fast identischer Ausgangslage und Handlung zu sehen. Der muskelbepackte Brite, einst als Wasserspringer aktiv, spielt meistens einen Elitekämpfer, der sich aus seinem tödlichen Geschäft zurückgezogen hat, dann aber von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Irgendein Unrecht gibt es stets zu beseitigen oder irgendjemanden zu beschützen.
Abwechslung hat auch sein neues Werk „Shelter“ nicht zu bieten. Positiv hervorheben kann man in diesem Fall jedoch, dass das Ein-Mann-räumt-auf-Szenario nicht ganz so abgehoben wirkt wie beispielsweise im 2024 veröffentlichten „The Beekeeper“. Statham lässt den Hammer kreisen, allerdings etwas gemäßigter. Zu spüren ist der Versuch, die Geschichte zu erden, vor allem im ersten Akt. Statt – wie sonst – schnell in dem Rambo-Modus zu schalten, nimmt sich der Film Zeit für die Einführung ins Geschehen.
Raue Bilder einer kargen, von endlosen Wolken und grauem Wasser umgebenen schottischen Insel eröffnen den Thriller, der unter der Regie des Actionhandwerkers Ric Roman Waugh (unter anderem verantwortlich für „Angel Has Fallen“ und „Greenland“) nach einem Drehbuch des noch wenig arrivierten Ward Parry entstand. „Einsamkeit!“, schreit uns dieser Einstieg entgegen. Ans gefühlte Ende der Welt hat sich der von Statham verkörperte Protagonist verzogen, dessen Name Michael Mason lautet – wie wir erst später erfahren werden.
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Schon die wöchentlichen Vorratslieferungen durch einen alten Bekannten (Michael Shaeffer) und dessen Nichte Jessie (Bodhi Rae Breathnach) scheine fast eine Zumutung für den kantigen Insulaner zu sein. Den direkten Kontakt meidet Mason. Nicht einmal einem kleinen Präsent der Teenagerin schenkt er Beachtung. Neben sich duldet Michael einzig einen Hund, der ihm beim Schachspielen gegen sich selbst und beim Malen (!) etwas Gesellschaft leistet.
Passable Action
Bewegung kommt in das monotone, alkoholgetränkte Einsiedlerleben, als das Boot der Lieferanten in einem Sturm untergeht. Während ihr Onkel in den Fluten stirbt, wird Jessie von Mason gerettet und auf der Insel wieder aufgepäppelt. In ein Krankenhaus will er sie nicht bringen, obwohl die Jugendliche ihn darum bittet. Eine verzwickte Angelegenheit, die der Film aber keineswegs problematisieren möchte. Jessie, so zeigt er uns, fühlt sich nicht wie eine Gefangene, sondern entwickelt schnell einen Draht zum raubeinigen Michael, der tief im Inneren – natürlich – einen weichen Kern hat.
Fliehen müssen die beiden schließlich, weil Masons altes Leben an die Tür klopft. Bei einem kurzen Einkaufstrip ans Festland wird er von einer Kamera erfasst und gerät ins Visier eines Überwachungsprogrammes namens THEA, das auf den Mist seines früheren Vorgesetzten Manafort (Bill Nighy) gewachsen ist. Der Geheimdienstchef musste zwar gerade seinen Posten räumen. Nichtdestotrotz will er Michael, der einst einen geheimen Befehl missachtete und danach spurlos verschwand, nun aber zur Strecke bringen.
Wer angesichts dieser Prämisse eine Auseinandersetzung mit staatlicher Willkür und den Gefahren einer omnipräsenten Kontrolle erwartet, hat wahrscheinlich noch keinen Jason-Statham-Film gesehen. Der arg generische Verschwörungsplot ist bloß ein Aufhänger, um den „The Transporter“-Star von der Kette zu lassen. Bill Nighy und Naomi Ackie als die neue vorübergehende Geheimdienstleiterin haben dementsprechend wenig zu tun, stehen oder sitzen die meiste Zeit vor Bildschirmen und erteilen Anweisungen. Figuren mit Ecken und Kanten können sie unter diesen Voraussetzungen nicht erschaffen.
Amüsant ist auf jeden Fall das Vorgehen von Manaforts Handlanger Workman (Bryan Vigier), der sich bei der Jagd auf Mason und Jessie wie die Axt im Walde aufführt. Alles, was nicht bei zwei auf den Bäumen ist, wird niedergeschossen, selbst Polizisten erwischt es reihenweise. Ein – freundlich ausgedrückt – nicht gerade geräuschloser Spezialeinsatz mit groteskem Einschlag.
„Shelter“ nimmt einen absolut erwartbaren Verlauf, wobei der Regisseur die Kämpfe und Verfolgungsjagden routiniert zu arrangieren weiß. Besondere, gar staunenswerte Actionchoreografien sollte man allerdings nicht erwarten. In die gleiche funktionale Kerbe schlägt auch die Filmmusik von David Buckley, die kräftig dröhnt und donnert. Nicht, dass wir einen der Spannungsmomente verpassen...
Fazit
Wo Jason Statham draufsteht, steckt Jason Statham drin: ein weiterer Haudrauf-Thriller nach Standardformel.
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