Backrooms - Kinostart: 18.06.2026

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Gerade groß gehypt und verdammt unheimlich: Kane Parsons‘ Kinodebüt ...
 
... ist ein Film, den das Horrorgenre gut gebrauchen kann.
 
Internetphänomen als Inspirationsquelle
 
Preisfrage: Was käme bei einer Kreuzung der modernen Horrorklassiker „Blair Witch Project“ und „The Cabin in the Woods“ mit dem High-Concept-Schocker „Cube“ und dem Pixar-Animationsstreifen „Alles steht Kopf“ heraus? Antwort: Ein ganz schön verrückter Film! Genau diesen hat der 2005 geborene Kane Parsons nun mit seinem Leinwanddebüt „Backrooms“ gedreht. Das von der renommierten Genreverleih- und Produktionsfirma A24 (unter anderem „Heretic“, „Talk to Me“ und „Midsommar“) mit auf den Weg gebrachte Projekt erobert seit seinem Nordamerikastart Ende Mai 2026 die Kinosäle und steht rund zwei Wochen später bereits bei weltweiten Einspielergebnissen von über 220 Millionen Dollar. Die Produktionskosten von knapp 10 Millionen Dollar nehmen sich da wie Peanuts aus.
 
Filmische Hypes, zumal im Horrorbereich, sind oft mit Vorsicht zu genießen. In diesem Fall ist die Begeisterung aber vollauf gerechtfertigt, beweist der blutjunge Regisseur doch, dass auch eigenwillige, nicht bloß auf knallige Jump-Scares vertrauende Gruselwerke ihr Publikum finden, einen Siegeszug an den Kassen antreten können. Wen die nach immer gleichen Mustern aufgebauten Geisterbahnheuler nerven, die etwa das „Conjuring“-Universum regelmäßig hervorbringt, sollte „Backrooms“ unbedingt eine Chance geben. Denn Parsons‘ Erstling ist erfrischend anders, lässt, was heute selten geworden ist, auch über den Abspann hinaus einige Fragen offen.
 
Grundlage des Films ist ein „Backrooms“ genannter moderne Mythos, der ab 2019 in der Internetcommunity entstand. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Faszination für weitläufige oder gar ins Unendliche reichende Innenräume oder Landschaften mit oft unheimlichem Anstrich, die man nur dann betreten kann, wenn man aus der Realität herausgleitet. Kane Parsons drehte über diese urbane Sage eine YouTube-Webserie, die starke Abrufzahlen erzielte und so diverse Kinoplayer auf den Nachwuchsfilmemacher aufmerksam werden ließ.
 
Die auf Basis seines früheren Schaffens entstandene Leinwandarbeit, deren Drehbuch der bislang „nur“ im Fernsehen tätige Will Soodik (unter anderem an „Ash vs. Evil Dead“ beteiligt) verfasste, spielt im Sommer 1990 und erzeugt von den ersten Minuten an ein mal diffuses, dann wieder handfesteres Gefühl des Unbehagens. Schon der Prolog unterstreicht, dass Langfilmneuling Parsons geschickt mit der visuellen Ebene zu spielen weiß. Die krisseligen Aufnahmen einer VHS-Kamera im engen 4:3-Format und die panische Flucht eines jungen Mannes durch ein nicht enden wollendes, nur in Ausschnitten erkennbares Labyrinth von Räumen rufen gleich gesteigerte Anspannung hervor.
 
Durchgehende Beklemmung Nach diesem nervenaufreibenden Auftakt zieht das Bild auf, betreten die eigentlichen Hauptfiguren die Bühne: Möbelhausbetreiber Clark (Chiwetel Ejiofor) ist gefangen in einem Leben, das er sich so nie gewünscht hat. Statt als Architekt Häuser zu planen, verkauft er, mehr schlecht als recht, Wohnungseinrichtungen, lässt seiner Frustration gegenüber seinen Mitmenschen öfters freien Lauf, greift immer wieder zur Flasche und wohnt, seit ihn seine Ehefrau vor die Tür gesetzt hat, in seinem eigenen Laden. Auch die Gespräche mit seiner Therapeutin Mary (Renate Reinsve) scheinen keine Abhilfe zu schaffen.
 
Weil die Lichter im Geschäft des Nachts immer wieder verrücktspielen, begibt er sich auf Spurensuche – und entdeckt im Untergeschoss ein Stück Wand, durch das er in eine Art Parallelwelt schlüpfen kann. Der Ort sieht aus wie ein gigantisches, weit verzweigtes, überwiegend gelb tapeziertes Großraumbüro, weckt aber schnell das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, leicht verzerrt oder verschoben ist. Möbel, die aus dem Laden stammen könnten, liegen herum, stapeln sich, und auch andere Gegenstände aus der „echten“ Welt finden sich, meistens in abgewandelter Form, wieder. Mehr noch: In den Zimmern, Spalten, Gängen, Ritzen schleichen unheimliche Wesen umher – das weiß das Publikum bereits dank des Prologs.
 
„Backrooms“ ist zwar nicht auf einen einzigen Ort beschränkt, bricht das von Clark mehr und mehr erforschte Gewirr an Räumen und Ebenen durch Rückblenden in Marys traumatische Kindheit auf. Und doch fühlt sich der Film wie ein Kammerspiel an, macht sich eine klaustrophobische Atmosphäre breit. Was hat es mit der Dimension hinter der Wand auf sich? Welche Gefahren lauern hier? Gibt es eine weitere Verbindung zwischen Clark und Mary abseits ihres therapeutischen Verhältnisses? Der Film wirft viele Fragen auf, zwingt uns, mitzudenken, den Rätseln und Spuren genauer auf den Grund zu gehen, ist aber zu keinem Zeitpunkt zu abstrakt.
 
Vielmehr hält Parsons über einen bedrohlichen Score, ein cleveres Spiel mit der Klangkulisse und den Wechsel zwischen „normalen“ Bildern und einer subjektiven, sehr begrenzten Found-Footage-Optik den Gruselfaktor hoch. Klassische Schockmomente kommen wohl dosiert zum Einsatz. Und die beiden Hauptdarsteller sorgen mit ihren eindringlichen, deutlich über gewöhnlichem Horrorfilmniveau liegenden Darbietungen dafür, dass die Figuren mehr sind als einfache Drehbuchkonstruktionen. Für fein austarierte Charakterporträts reicht es vielleicht nicht. Menschliche Schwächen wie den Reflex, die Schuld für Rückschläge immer bei anderen zu suchen, oder das Gefangensein in eingeübten Verhaltensmustern arbeitet „Backrooms“ allerdings prägnant heraus. Selbst im Showdown, wo die Dinge etwas mehr eskalieren, das Geschehen noch stärker ins Absurde driftet, entsteht ein interessanter Sog.
 
 
Fazit
 
Ein Horrorthriller, der aus einem an sich simplen Gedanken einen aufregenden, psychologisch unterfütterten, surrealen und nicht zuletzt höchst schaurigen Kinotrip macht. Eindrucksvoll, wie souverän der junge Regisseur hier mit den Mitteln des Mediums hantiert.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Kane Parsons
  • Drehbuch: Roberto Patino, Will Soodik
  • Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve