Denkt man an Comic-Verfilmungen, dann hat man in erster Linie Superhelden vor Augen.
Aber es gibt auch Comics abseits der Spandex-Träger mit den unglaublichen Kräften. Besonders aus der Independent-Szene gab es einige, die auch zu faszinierend schönen Filmen wie „American Splendour“ oder „Ghost World“ geführt haben. Mit „Wilson“ gibt es nun einen weiteren solchen Film, der auf dem Comic von Daniel Clowes basiert. Clowes hat auch selbst das Drehbuch verfasst.
Ein Mann und wie er die Welt sieht
Wilson (Woody Harrelson) ist ein Mann mittleren Alters. Er hat einen Hund, den er sehr liebt, und einen besten Freund, der aber wegzieht. Sein Vater stirbt. Die Bestandsaufnahme ist entsprechend nicht gut. Wilson ist allein. Weswegen er sich daran macht, seine Ex-Frau Pippi (Laura Dern) zu suchen, da er hofft, mit ihr noch einmal von vorne anfangen zu können. Doch was er sich erhofft, ist weit abseits dessen, was das Leben für ihn bereithält, da Pippi eine andere geworden ist – und ihm eine Überraschung um die Ohren haut, die sein Leben erst recht auf den Kopf stellt.
Ein grantiger Held mit Weitsicht
Clowes erfand die Figur, als er am Totenbett seines Vaters saß und eine Biographie des Peanuts-Schöpfers Charles Schulz las. Er erkannte Ähnlichkeiten zwischen seinem Vater und Schulz. Und er begann, Skizzen von Wilson anzufertigen, einer Figur, die er in praktisch jede Situation bringen konnte und dessen Stimme er immer hörte, geradeso, als würde der Eigenbrötler ihm diktieren, wie die Geschichten zu sein hatten.
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Wo der Comic eine Aneinanderreihung von Einseitern ist, bei denen es auch darauf ankommt, sich Gedanken darüber zu machen, was zwischen den einzelnen Geschichten passiert, muss der Film eine eher stringente Form annehmen. Aber Clowes verweigert sich dennoch einer konventionellen Erzählweise, was daran liegt, dass er versucht hat, mit „Wilson“ das Leben nachzubilden. Das ist auch eher selten stringent und vielmehr chaotisch und durcheinander. Genauso verhält es sich mit „Wilson“, der in episodischer Form von dieser Figur erzählt, aber im Grunde mäandert. Bei jedem anderen Stoff wäre das ein K.O.-Kriterium, hier funktioniert es aber sehr gut, weil man in Wilson einen Menschen erkennt, der eben doch ziemlich normal ist, auch wenn er sich ungewöhnlich verhält.
Woody ist Wilson
Die Besetzung mit Woody Harrelson ist fast schon genial. Er verströmt eine Unschuld, die der Figur immens guttut. Zugleich ergeht er sich aber auch in bärbeißigen Off-Kommentaren, die nicht selten an Misanthropie erinnern, und ist zugleich ein „Menschenmensch“. Das heißt, ihn interessiert es nicht, in ein Handy zu starren. Er will Kontakt zu den Menschen um sich herum, er will reden, eine Verbindung spüren, irgendetwas, das menschlich ist. Aber dabei kommt er natürlich als aufdringlich und etwas seltsam rüber. Welcher Mann mag es schließlich schon, wenn ein anderer am Urinal ganz nahe heranrückt und während des „Vorgangs“ ein Gespräch beginnt? Aber für Wilson ist das normal.
Der Film wechselt zwischen Drama und Komödie hin und her. Er setzt auf die schräge Natur seiner Figur, aber auch der Situationen, in die sie kommt. Damit einher geht ein etwas unebenes Feeling, da das Ganze schon durchaus holprig erzählt ist. „Wilson“ ist damit kaum der große neue Komödienwurf, aber er ist nichtsdestotrotz ein interessanter Film, der zwar ganz und gar von Woody Harrelson lebt, aber auch punkten kann, weil er aller Schrägheit zum Trotz einen realistischen Kern besitzt.
Fazit
„Wilson“ ist in diesem Jahr die etwas andere Comic-Verfilmung. Die meisten werden sie als solche gar nicht erkennen, Daniel Clowes hat es aber geschafft, die Essenz seines Comics auch in sein Drehbuch zu retten, das von Craig Johnson recht sympathisch umgesetzt wurde.
Der Star der ganzen Chose ist aber natürlich Woody Harrelson, der als eigensinniger Wilson, welcher jeden gerne anquatscht und von so etwas wie Takt noch nie etwas gehört hat, sehr zu gefallen weiß.
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