Tigermilch

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Man mischt Maracujasaft mit Milch und schmeckt das Ganze ...
 
 
... mit einer ordentlichen Portion Weinbrand ab. Das ist Tigermilch, das liebste Getränkt von Jameelah und Nini, den beiden jugendlichen Protagonisten des auf einem Roman basierenden Films.
 
Der letzte Sommer
 
Jameelah (Emily Kusche) und Nini (Flora Li Thiemann) sind seit Jahren beste Freundinnen. Beide sind 14 Jahre alt und verbringen so viel Zeit miteinander, wie es nur geht. Nun, da die Sommerferien anstehen, wollen sie endlich jene Schwelle überschreiten, die Kinder von Erwachsenen trennt. Alles steht unter dem Zeichen einer Mission: Sie wollen defloriert werden. Am liebsten von ihrem jeweiligen Schwarm, aber Lucas hat nicht nur Augen für Jameelah und Nico ist scheinbar schon mit Sprayen gut beschäftigt.
 
Während Nini unter ihrer desinteressierten Mutter leidet, fürchtet Jameelah, die besser deutsch spricht als viele Deutsche, dass sie wieder in den Irak abgeschoben wird. Und dann passiert vor dem Wohnblock, in dem Jameelah lebt, auch noch etwas Schreckliches, da eine bosnische Familie nicht akzeptieren kann, dass die Tochter einen Serben liebt.
 
Ernste Themen
 
Es ist eine kraftvolle Geschichte, die hier erzählt wird. Eine, die ehrlich und authentisch anmutet. Weil sie nicht in den noblen Vierteln stattfindet, sondern in einem Schmelztiegel. Es ist keine feine Gegend, in der die Hauptfiguren wohnen. Aber eine, die den Blick auf verschiedene Kulturen offeriert. Das macht „Tigermilch“ nicht zu einem Film, der sich über den culture clash definiert, sondern zu einem, der aufzeigt, dass der Konflikt nicht nur zwischen Gastland und Gästen, sondern auch innerhalb der ausländischen Gemeinschaften stattfindet.
 
 
Aber das ist nur ein Aspekt dieses Films, der eine Nebengeschichte bietet, die altbekannt anmutet, weil man sie oft genug in den Nachrichten gehört hat. Ebenso gilt dies für einen anderen Aspekt des Films: Den der ständigen Bedrohung der Abschiebung. Denn hier hat man ein Mädchen, das bestens integriert und in mancher Beziehung fast deutscher als die Deutschen ist. Ein Mädchen, das kein Arabisch mehr spricht, aber vielleicht an einen Ort geschickt wird, von dem sie zwar herstammt, der aber längst nicht mehr ihre Heimat ist. Das ist ein Damoklesschwert, das über die gesamte Laufzeit hinweg über dem Kopf der Hauptfigur schwebt.
 
Auf einer jugendlichen Perspektive
 
Der Roman wurde mit Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ verglichen, weil er es ebenso versteht, aus einer jugendlichen Perspektive glaubwürdig und authentisch anmutend zu erzählen. Das gelingt auch dem Film von Drehbuchautorin und Regisseurin Ute Wieland, die es verstanden hat, eine Form von Jugend-Sprech zu etablieren, der nicht modernen Trends nachläuft, sondern seine eigene Wirkung entfaltet. Auch das trägt dazu bei, den Film direkter, ehrlicher und glaubwürdiger zu gestalten.
 
Er lebt aber auch von den beiden jugendlichen Hauptdarstellerinnen, die frisch und unverbraucht ganz und gar in ihren Rollen aufgehen. Hier hat man das Gefühl, echte Freundinnen, echte Menschen zu sehen. Das ist auch ein Reiz von „Tigermilch“. Dass er dem Zuschauer den Blick in eine Welt erlaubt, die er – so er schon zu den älteren Semestern gehört – vielleicht längst vergessen hat. In einer Schlüsselszene beobachtet Nini ganz korrekt, dass die Erwachsenen vergessen zu haben scheinen, wie man lebt. Nur in der Interaktion mit ihrer Freundin und ihr kehrt diese jugendliche Unbekümmertheit zurück.
 
Aber dies ist auch eine Unbekümmertheit, die den Sommer nicht überleben kann. Der kraftvollste Moment kommt am Ende, am Zaun, als der Sommer, aber auch die Unschuld endgültig enden. Als Jameelah und Nini von Kindern zu Erwachsenen werden und nichts mehr ist, wie es einmal war.
 
 
Fazit
 
„Tigermilch“ ist ein beeindruckender, sehr direkter Film, der aus einer jugendlichen Perspektive heraus erzählt, was zu sehr viel Authentizität führt.
 
Dazu trägt nicht nur die ernste Herangehensweise bei, sondern auch den Hauptdarstellern ist hier viel zu verdanken. Herausgekommen ist ein Coming-of-Age-Film, der echt ist, weil er die Scheuklappen ablegt und Eltern zeigt, was sie sich in Hinblick auf ihre Kinder wohl nicht vorstellen möchten.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Ute Wieland
  • Drehbuch: Ute Wieland
  • Besetzung: Flora Li Thiemann, Emily Kusche