Vom Titel sollte man sich nicht täuschen lassen. Ein Horrorfilm ist das nicht, ...
... auch wenn es Geister gibt. Aber dies sind keine solchen, die den Lebenden zusetzen. Sie sind traurige Gestalten, die nicht von ihren Liebenden lassen konnten und darum nicht ins Licht gingen.
Was Autor und Regisseur David Lowery hier abgeliefert hat, ist ein intensives, stilles, eindringliches Drama, bei dem er mit den Stars seines Independent-Erfolgs „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ erneut zusammengearbeitet hat: Rooney Mara und Casey Affleck, die beide kraftvolle Darstellungen abliefern, letzterer dabei sogar, obwohl er unter einem Laken steckt.
Das Leben als Geist
Es ist nur ein Moment, dann ist alles vorbei. Ein Autounfall kostet C das Leben, doch im Leichenschauhaus erwacht er als Geist wieder. Das Licht lockt ihn, aber er kann nicht hindurchtreten. Weil sein Leben noch nicht vorbei sein kann, weil er noch nicht alles erledigt hat, was er erledigen wollte. So wendet er sich ab und kehrt zurück nach Hause, wo er seiner Frau M nur zusehen, aber nicht beistehen kann, wie sie versucht, über den Verlust hinwegzukommen.
Das Leben seiner Frau geht weiter, seines verharrt jedoch. Tage, Wochen, Monate, Jahre vergehen und C verzweifelt immer mehr an seiner Existenz, wohlwissend, dass er vielleicht ewig an diese gefesselt ist …
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Wunderschön
Lowery erzählt bewusst langsam. Er zeigt ein paar Momente des Glücks dieses Paars, dann jedoch den unendlichen Schmerz des Verlustes, während beide immer noch beieinander sind, es aber nicht mehr merken. Zumindest sie merkt es nicht mehr, während er nicht trösten, nicht helfen, nicht heilen kann, sondern dazu verdammt ist, nur noch zuzuschauen.
„A Ghost Story“ ist seine Geschichte, die eines Liebenden, der nicht gehen will, aber damit noch umso viel mehr verliert. Denn das Leben seiner Partnerin geht weiter. Es muss weitergehen, weil sie lebt, während er an dieses Haus gefesselt ist und über die Jahre miterleben muss, wie sich alles ändert.
Eine kraftvolle Sequenz ist, als eine mexikanische Familie in das Haus einzieht und der Geist erkennt, dass das Leben, wie er es kannte, damit endgültig verschwunden ist. Das sorgt für Frust, für Wut, für Verzweiflung, vielleicht auch Angst, aber auf jeden Fall sucht der Geist ein Ventil und findet es, indem er Geschirr herumwirft, was für die Familie eben so aussieht, als würde ein Geist hier agieren. Lowery erzählt hier im Grunde auch, wie ein bösartiger Geist entstehen kann, selbst wenn er gar nicht bösartig ist.
Es ist einfacher Frust und die Wut über ein Leben, das nicht mehr ist. Das zeigt der Autor auch in einer anderen Szene, als der Geist zum Fenster hinausblickt und einen anderen Geist im gegenüberliegenden Haus erspäht. Sie reden miteinander. Stumm, aber als Zuschauer bekommt man die Untertitel und merkt, welch traurige Existenz dies eigentlich ist.
Ungewöhnliches Format
„A Ghost Story“ gewann auf verschiedenen Festivals Preise. Lowerys Bild der Suche nach Sinn, Liebe und dem, was von uns bleibt, wenn wir nicht mehr sind ist eine poetische Betrachtung von Zeit und Vermächtnis, lebt aber auch von einer gewissen Romantik, weil der Geist einfach nicht in der Lage ist, die Liebe seines Lebens loszulassen - und damit nicht allein ist. Das ist auch immens traurig, da die Zeit vergeht und mit ihr auch das Erinnern daran, warum man überhaupt geblieben ist.
Lowery fängt das im für das Kino ungewöhnlichen Format von 1;33:1 ein, sorgt so aber auch dafür, dass die Welt des Geistes immer mehr zusammenschrumpft. Zudem setzt Lowery auf lange Einstellungen, auf Bilder, die mehr sagen als Worte, auf ein Gefühl des Verlusts und des Schmerzes, aber auch der Liebe, das allgegenwärtig ist.
Fazit
„A Ghost Story“ ist ein bemerkenswerter, aber alles andere als leichter Film, der ruhig und still erzählt ist, aber dadurch umso imposanter wirkt - mit einer mächtigen Botschaft, dass man manchmal loslassen muss, um weitermachen zu können.
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